Suche
Login

Artikel bewerten

Artikel kommentieren

Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Kane & Lynch 2: Dog Days

Blut, Schweiß und Testosteron!

Blut, überall Blut. Zerfetze Leichen von chinesischen Polizisten liegen auf nassem Pflaster. Sirenen und Blaulicht aus allen Himmelsrichtungen. Kugeln fliegen durch die Luft, Glas zersplittert und die noch lebenden uniformierten Typen brüllen mit hysterischer Stimme unverständliches Shing-Shang-Shong-Blabla, das eh keine Sau versteht. Dämliche Drecksäcke! Was wollen die nur? Okay, Kane und ich haben einigen verfickten Schlitzaugen 'ne Kugel verpasst; versehentlich das Gör von so 'nem China-Big-Boss abgeknallt.
Aber müssen die gleich den dritten Weltkrieg vom Zaun brechen? Da steckt doch dieser verhurte Schwanzlutscher von Zang-Shi, oder Shangsi, oder wie dieser chinesische Wichser auch immer heißen mag, dahinter! Scheiße, wie kommen wir nur aus dieser Drecks-Chinesenstadt Shanghai raus? Wem Obiges schon jetzt zu schmutzig, abgebrüht und hart ist, der investiert sein Geld in »Barbie: Zauberhafte Pferdewelt«. Wer hingegen eine Wagenladung Schimpfwörter und überzeichnete Psychopaten-Eskapen vertragen kann und außerdem nach echter Männerunterhaltung sucht, für den ist das hier genau der richtige Schuss.


Ganz anders! Wichser!

Das Action-Feuerwerk spielt – ein knappes Intro in Spielgrafik erklärt es – einige Zeit nach dem gelungenen Vorgängerwerk »Kane & Lynch: Dead Men«. Die beiden namensgebenden Antihelden haben sich zurückgezogen. Der depressive Ex-Söldner Kane führt mit seiner Tochter ein ruhiges Leben im Nirgendwo. Und Lynch? Der haust in Shanghai, China. Im Kern immer noch ein schizophrener Psycho, hat er sich dank seiner großen Liebe Xiu mittlerweile etwas unter Kontrolle. Ja, die beiden leben sogar in einer gemeinsamen Wohnung. Doch ein letzter, großen Reichtum und ein besseres Leben versprechender Auftrag bringt die beiden Killer in Lynchs neuer Heimat wieder zusammen.



Hier übernimmt direkt der Spieler. Wer schon mal einen Third-Person-Shooter gespielt hat, weiß, wie alles funktioniert. Laufen Ballern, Deckung suchen - das alles geht sehr exakt, präzise und zackig vonstatten. An Ecken hängen bleiben, oder einen Gegner ums Verrecken nicht anvisieren können, wie im ersten Teil? Schnee von gestern. Super und auch bitter nötig! Denn nachdem man einen kleinen Hurensohn samt halbnackter Tussi durch einige Hinterhöfe verfolgt hat und beide dabei draufgehen, überschlagen sich die Ereignisse. Schon bald liegen die Leben von Kane und Lynch erneut in Scherben. Sie stolpern von einem Fiasko ins nächste – den Tod stets im Genick.

Die Story? Etwas konfus, manchmal wirr aber insgesamt stimmig präsentiert. Denn alles entfaltet sich durch Gesprächsfetzen, die während der kurzen Ladepausen zwischen Gebietsabschnitten und Kapiteln abgespielt werden. Übrigens komplett in Deutsch und toll synchronisiert – aber dazu später mehr. Es geht um Verbrecherbanden sowie zwei Unterweltbosse namens Shangsi und Glazer, beide sehr mächtig und einflussreich. Waffenhandel und korrupte Bullen sind weitere Themen. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Kane und Lynch zetteln versehentlich einen Krieg zwischen den Bandbossen an. Jetzt wollen diese sie tot sehen. Vorrangiges Ziel? Überleben. Und Lynchs Freundin retten, die ins Fadenkreuz geraten ist! Zumindest vorerst...



Hart, sehr hart.

Wie schon im ersten Teil rückt die Story neben dem eigentlichen Spielgeschehen in den Hintergrund. Statt langatmiger Dialoge und unzähliger Zwischensequenzen geht’s direkt zur Sache, sprich ballernd und schießend durch insgesamt elf Kapitel. Die ersten zehn steuert der Spieler Lynch, ganz zum Schluss darf er dann Kane führen. Doch keine Sorge: Das Duo Infernale stiftet stets gemeinsam Chaos. Was die Kulissen angeht, muss halb Shanghai als Schauplatz herhalten: verlassene Baustellen, zugemüllte Seitengassen, geschäftige Nähstuben, versiffte Suppenküchen, ein abgelegener Rangierbahnhof, Neon-erleuchtete Einkaufszentren – jeder dieser Orte strotzt vor Details. Umherstehende Müllsäcke werden von Fliegenschwärmen umkreist, ungenutzte Hörer hängen tutend in Telefonzellen und in einem Level findet man in einem DVD-Laden sogar virtuelle Abbilder der Spieleverpackungen von »Hitman«, »Mini Ninjas« und anderen Eidos-Games. Genial!



Das Leveldesign? In der Regel sehr geradlinig. Verlaufen ist kaum möglich, denn nur selten darf vom vorgegebenen Weg abgewichen werden. Gerüst oder Gasse, linke oder rechte Tür – Entscheidungen dieser Art eben. Stört aber nicht, denn die brillante Inszenierung ist es, die das hier aus der Masse der Actionspiele hervorhebt. Selten haben Bleigefechte so gepackt, so gefixt, einem so den Atem geraubt. Beispiel: Kaum im Inneren einer Werft angekommen, sausen Hunderte Kugel durch die Luft. Kampfgenosse Kane brüllt etwas wie »Verdammte Scheiße, Lynch!« Also sofort per Tipper auf die Kreuz-Taste hinter einem Stahlblech in Deckungen geschlittert. Von oben regnet’s Schweißgerät-Funken, von vorne verformen feindliche Projektile den Schutzwall. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren! Schreiend und röchelnd gehen die Sitzpisser zu Boden. Eine Deckung weiter: eine Propangas-Flasche. Also: hinrennen, das kiloschwere Behältnis aufnehmen und flugs über die Deckung in Richtung der Schlitzaugentypen wuchten, abdrücken… Problem gelöst. Gleich fünf der Kerls in Kampfmontur reißt's von den Füßen.



Krass! Währenddessen nimmt der KI-Kollege Kane recht intelligent die Arschlöcher von einer anderen Seite kommend in die Zange, rennt über eine Treppe und knüpft sich die Typen vor, die Lynch beharken. Super, wie clever die künstliche Intelligenz ihren Job verrichtet. Gilt übrigens auch für die Feinde, wobei trotzdem anzumerken ist, dass die Triaden-Gangster offensiver vorgehen und sich weniger verschanzen als die Polizisten. Bringt aber Abwechslung rein!
Alternative zum KI-Partner: Einen Kumpel – er spielt dann Kane – auf dem Splitscreen oder via PSN zuschalten. Richtig gelesen, die ganze verdammte Kampagne ist kooperativ spielbar und macht so gleich noch mehr Spaß! Doch egal ob nun mit oder ohne menschlichen Mitstreiter, die Feuergefechte sind kein Zuckerschlecken. Nicht selten lässt man im blutigen Gefecht in der Gepäck-Sortieranlage des Shanghaier Flughafens das Leben, wenn einem etliche schwerbewaffnete Henker mit QBZ-95-Sturmgewehren den Arsch aufreißen. Einmal getroffen, färbt sich das Sichtfeld mit Tausenden, öligen Blutspritzern rot. Schafft man’s nicht gleich hinter eine schützende Deckung, reißt's einen zunächst zu Boden. Kriechen, ziellos umherballern und wieder aufrappeln ist noch drin. Ein weiterer Treffer? Game Over und Start vom letzten automatischen Speicherpunkt. Die sind fair gesetzt, meist unmittelbar vor der nächsten Gegnerwelle. Also: Direkt wieder rein in die Scheiße!



Kranke Schweine!

Keine Frage, das neueste Spiel vom dänischen Entwickler IO Interactive bietet echte Höhepunkte und grandiose »Was-zum-Teufel«-Momente. Etwa wenn fliegend aus einem Hubschrauber mit einem Typ-76-Maschinengewehr in der Hand eine ganze Wolkenkratzer-Etage zerlegt wird. Glasscheiben bersten, Papierfetzten segeln durch die Luft, Raketen sausen vorbei. Sekunden später gilt’s einen anrückenden Polizeiheli vom Himmel zu holen, der kurz darauf ein fettes Loch in das Hochhaus reißt. Wahnsinn! Abgefahren! Neben solch Action-Injektionen sind's aber vor allem die persönlichen Momente von Kane und Lynch, die mitreißen. Harte Szenen inklusive. Einige davon sogar härter als in manchem Actionstreifen. Wenn Lynch beispielsweise, schon halb am Durchdrehen, einen Chinesen mit der Backe in eine heiße Bratpfanne presst, nur um herauszukriegen, wohin verdammt nochmal, seine Freundin verschleppt wurde. Oder wenn er nackt, am ganzen Körper von einem Teppichmesser zerschnitten, in eine Mülltonne geworfen wird, anschließend den ebenso zugerichteten Kane befreit und in einer keimigen Toilette über seiner schlimm zugerichteten Freundin Xiu zusammenbricht.



Das bewegt – nicht zuletzt dank der tollen Eindeutschung. Die Originalstimmen aus Teil Eins sind übrigens geblieben. Kane klingt hart, nach dem Befehlston eines Söldners eben. Lynch eher schräg, etwas schrill und nicht selten verwirrt. Passt einfach perfekt. Vor allem, wenn Lynch in hektischen Gefechten plötzlich mit Selbstgesprächen beginnt. Zeugs wie »Reg dich nicht auf. Ruhig bleiben, Lynch. Ganz ruhig. Atmen… Dreh nicht durch.« Oder wenn er kurz wehmütig wird und Kane fragt: »Wir haben's versaut, oder? Warum sterben andauernd alle Menschen um uns herum?«

Voll echt, Arschloch!
Noch etwas, das dieses Game einzigartig macht: der Look. Alles schaut aus, als wär's mit einer billigen Handkamera gefilmt worden. Erinnert an Filme wie »Blair Witch Project« und »Cloverfield«. Das Bild ist körnig, es zeigen sich Spiegelungen auf der Linse, gleißendes Licht wird in Balken übers Bild gezerrt, all das zuweilen ergänzt um nette Unschärfeeffekte. Bilder also, wie sie auf Youtube oder als Amateuraufnahmen in den Nachrichten zu sehen sind. Allzu grausame Aufnahmen, darunter Kopfschüsse oder abstoßende Intimitäten wie Kane und Lynchs Gemächte und die Brüste von Xiu verpixelt das Spiel jedoch. Unterem Strich also wirklich einzigartige Aufnahmen – sofern man solche Szenen ab kann. Interessant auch die Schulterblick-Perspektive: alles wackelt, alles ruckelt. Das ist ungewohnt, Magengrummeln und gelegentliche Übelkeit sind nicht auszuschließen. Zum Glück lässt sich die übertriebene Wackelei im Optionsmenü aber abstellen. Doch hört der Amateur- und Doku-Eindruck nicht beim Bild auf. Erst spät stellt man fest: Hintergrundmusik? Gibt's hier gar nicht. Außer, das Gedudel kommt aus einem herumstehenden Radio. Das macht die Atmosphäre noch dichter, noch greifbarer.



Denn das Einzige, was man vernimmt, ist die ungefilterte Action, das aufscheuchende Mündungsfeuer der Waffen, die brüllenden Widersacher, die schreienden Zivilisten und das Geheul von Lynch. Und wird’s richtig laut, verzerrt’s den Sound sogar – ganz so als ob neben einem eine Granate ein ganzes Büro einäschert.
Kurzum: Wer harten Stoff mag, den erwartet hier ein einzigartiges Erlebnis. Eines, das mit seinem faszinierenden Realo-Look, seinen dramatischen Soundeffekten und seinen kantigen Helden garantiert für eine gesteigerte Herzfrequenz sorgt, ja, zuweilen sogar erdrückende Gefühle hervorruft. Dass das hier unter keinen Umständen in Kinderhände gehört, versteht sich von selbst. Als knallharte Erwachsenen-Unterhaltung ist’s dagegen äußerst reizvoll und besser als ein Großteil vergleichbarer Kinostreifen da draußen!
Michael Förtsch / Jan Heinrich
Ausgabe:09/10
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 News Golden Eye 007: Reloaded
weiter PS3 Test Rayman Origins

KOMMENTARE:

Drakondas
Kane & Lynch 2 habe ich mit einem Freund auf schwer gleich angepackt. Die selten dämliche KI und die teils extrem unfairen Stellen, nagten mehr als einmal zu sehr an der Frustrationsgrenze.
Wieder ein Spiel, welches nicht fertig ist, der einzigartige Grafikstil, welcher mir sehr gut gefällt, kann die Schwächen des Spiels über die unfertige Version definitiv nicht hinwegtäuschen. Grafikfehler, ne total idiotische Hitbox mit Kollisionsabfrage lassen den Titel von der technischen Seite weit unter andere sinken. Auch der MP macht trotz der echt netten Spielmodi keinen spass, Grund ist nur die dämmliche Hitbox.
Ich bin dennoch dem Spiel verfallen und finde es klasse, aber eine wertung mit einer 9 vor dem Komma???? Dies ist für mich nicht nachzuvollziehen und finde das auch völlig übertrieben hoch, mehr wie eine 8,1 ist da nie drinnen!

Dies sehen wohl mehrere aus dem Forum so, also kann es keine reine Subjektiveinschätzung sein
(31.08.10 15:51 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Sowas hat man noch nie gesehen! Gnadenlos real!

9
Sound _____________

Wozu Musik? Brachiale Waffenklänge, tolle Synchro!

9
Steuerung __________

Präzise, funktioniert, toll.

8

URTEIL 9.1/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 8
Sound _____________ 7
Steuerung __________ 6

URTEIL 6.8 /10

Um eine Wertung abzugeben musst Du angemeldet sein.

AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher

Entwickler

Preis

Genre

Spieler

PSN

USK-Freigabe

 

KURZ UND KNAPP __

FAQ

© Airmotion Games Verlags GmbH 2009 - alle Rechte vorbehalten.

www.ps3m.de   www.360-live.de