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 TEST 

 

Final Fantasy XIII

Kein Rollenspiel, ein Meisterwerk!

Es ist eine Szene, wie aus dem Bilderbuch: Am sternenklaren Nachthimmel leuchten Feuerwerkskörper in allen erdenklichen Farben um die Wette. Im nah gelegenen Meer spiegeln sich die Lichteffekte und der bunte Rauch zieht langsam in den Abendhimmel. Die Menge jubelt, Pärchen sitzen in trauter Zweisamkeit beisammen und genießen die friedvolle, laue Sommernacht. Im Hintergrund ertönen die sanften Klänge eines Liebesliedes.

Es ist eine Szene, wie aus einem Dystopie-Roman der 30er Jahre: In mächtigen Güterzügen werden unschuldige Personen aus ihrer Heimat abgeschoben, überwacht von schwer bewaffneten Soldaten. Sollte es Komplikationen geben, lautet der Befehl: Exekution. Während das Stahlross auf Schienen in luftiger Höhe durch eine futuristische Stadt braust, kämpfen einfache Bürger an der Widerstandsfront gegen die sinnlose Diskriminierung. Tag für Tag werden es mehr; Männer, Frauen, Kinder. Und Tag für Tag sterben Rebellen weil die Regierungsarmee einen erbarmungslosen Kurs fährt.

Diskriminierung und Angst prägen den Alltag. Aber es gibt l’Cie, die sich ihrem Schicksal widersetzen. L’Cie, die sich ihrem Fokus entgegen stellen, um für das zu kämpfen, was ihnen wichtig ist: ihre Angehörigen, ihre Heimat, ihre Liebe. Hier beginnt der scheinbar ausweglose Kampf gegen das Schicksal – und hier beginnt auch die Geschichte der insgesamt sechs jungen Helden, die der Spieler im Laufe der rund 50-stündigen Geschichte kennenlernt.


Starke Figuren, starke Geschichten

Allen voran der Pinkschopf Lightning. Die junge Lady gibt nur wenig von sich preis, spielt den schweigsamen, geheimnisvollen Typ. Doch schon bald wird klar, dass hinter der harten Schale ein butterweicher Kern steckt. Snow, der zukünftige Ehemann ihrer Schwester Serah, ist ein Hitzkopf, der wenig denkt und viel redet. Seinem kopflosen und selbstsicheren Auftreten liegt jedoch eine enorme Unsicherheit zugrunde. Sazh, der dunkelhäutige Pistolero mit Afro-Frisur, gibt sich zwar immer locker und hat stets einen Scherz auf Lager. Innerlich jedoch zerfrisst ihn die Sorge um seinen Sohn Dajh. Hope ist der Jüngste der Heldengruppe. Ein schüchterner, duckmäuserischer Junge, der über den Tod seiner Mutter nicht hinweg kommt und kein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat. Zu guter Letzt sind da noch die ungleichen Schwestern Vanille und Fang: das quirlige Gute-Laune-Bündel und die rassige Braut. Die Mädels aus Pulse tragen ein weitaus düstereres Geheimnis in sich, als es auf den ersten Blick scheint. Eine zusammengewürfelte Truppe, so macht es den Anschein. Doch durch ihr gemeinsames Schicksal, ein l’Cie zu sein, wird sie immer stärker zusammengeschweißt. Im Laufe der Geschichte erfährt der Spieler durch Zwischensequenzen, Gespräche und Rückblicke immer mehr über die geheimnisvollen Helden, erlebt überraschende Wendungen, schließt die Menschlichkeit der Figuren ins Herz und stellt fest: nichts ist so, wie es scheint. Die Stärke der Charaktere ist es, was die ohnehin schon gute Geschichte zu etwas Außergewöhnlichem macht. Während man zu Beginn noch das dicht bebaute Brückenland von Cocoon erkundet, gelangt man später an die fantastischsten Orte: ins Innere eines mysteriösen fal’Cie, an Bord eines gigantischen Luftschiffs und natürlich in die fremdartige Unterwelt Pulse, die entfernt an die Erde zur Zeit des Jura erinnert. Weite Steppen, hohe Berge, riesengroße Monster. Bis der Spieler allerdings all dies bestaunen darf, ist es ein langer Weg, auf dem sich auch die Protagonisten erst weiterentwickeln müssen.



Mit Schwert, Schießprügel und Schlagstock

Genretypisch funktioniert das mit Kämpfen, die am Ende Erfahrungspunkte abwerfen. Dabei wird gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Widersacher zu Felde gezogen: agile Soldaten der PSICOM-Armee, die sich mit futuristischen Schusswaffen zur Wehr setzen; kraftvolle Bahamuts, die tigerähnlichen Raubkatzen gleichen; oder stinkende Schleimgegner, die sich aus Pfützen und dem nassen Erdboden erheben. Wie auch die Helden bewegen sich die Widersacher sichtbar in der Spielwelt. Zufallskämpfe verwässern die Erfahrung somit nicht. Vielmehr liegt die Entscheidung beim Spieler selbst, ob man nun Aufmerksamkeit erregen und zum Kampf blasen, oder sich klammheimlich davonschleichen und einer Auseinandersetzung aus dem Weg gehen möchte. Wer auf Klopperei aus ist, läuft einem Gegner einfach vor die Nase. Wie in bisher allen »Final Fantasy«-Teilen blendet sich dann ein eigener Kampfbildschirm ein. Mit bis zu zwei Kumpanen darf der Spieler ein Scharmützel bestreiten und dabei von den unterschiedlichen Talenten der Charaktere Gebrauch machen. Jeder führt eine andere Waffe und beherrscht andere Fähigkeiten. So kann Lightning mit ihrem Gunblade – eine Waffe, halb Schwert halb Pistole – beispielsweise einen mächtigen Rundumhieb ausführen, während Snow neben dem Austeilen von Faustschlägen auch Granaten werfen kann. Hinzu kommen etliche Zauber: Elementarmagie wie Feuer- oder Eisangriffe, Schwächezauber oder Heilmagie. Trotz der vielen Möglichkeiten geht die Übersicht im Getümmel aber nie verloren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Spieler nur die eigene Figur steuert, während die cleveren KI-Mitstreiter unterstützend zur Hand gehen. Das hält den Spielfluss wunderbar aufrecht, was beim neuen Kampfsystem auch bitter nötig ist. Denn das läuft in Echtzeit ab und verlangt stellenweise ziemlich rasante Aktionen. Viel Zeit zum Planen von Strategien bleibt da nicht. Wohl dem, der zu Anfang des Spiels in den Kampf-Tutorien das System verinnerlicht hat, oder die allerersten beiden »Final Fantasy«-Teile gespielt hat – denn der Kampfablauf ist dort nahezu identisch. Kernelement eines jeden Kampfes: eine »ATB-Balken« genannte Leiste, auf der die Zeit bis zum nächsten, eigenen Angriff verstreicht. Bis der Balken gefüllt ist, wählt man aus vier verschiedenen Menüpunkten – Nahkampf, Magie, Zorn-Attacken und Gegenstände – seine Kampfaktionen aus. Statt mit Magie- oder Angriffspunkten dafür zu bezahlen, belegen die Aktionen unterschiedlich viel Platz auf dem ATB-Balken. So kostet ein flächendeckender Feuerangriff beispielsweise zwei Plätze, während ein einfacher Schwerthieb nur einen Platz belegt. Je nach Level der Charaktere bietet der ATB-Balken Platz für bis zu fünf Aktionen. Ist der Balken dann vollständig aufgeladen, führt die Figur die Befehle nacheinander aus. Damit auch die KI-Kollegen genau das tun, was man von ihnen erwartet, dürfen ihnen Rollen zugeteilt werden.



Ein Spiel voller Gegensätze
Wer das erste Mal »Final Fantasy XIII« in das Laufwerk seiner Playstation 3 legt, der wird vielleicht nur über die Grafik staunen und die musikalische Untermalung bewundern. Die ersten ein bis zwei Stunden im Spiel wirken sogar recht verworren, da die komplexe Story ihren Reiz erst nach und nach voll entfaltet. Doch schnell wird klar, dass dieses Rollenspiel mehr zu bieten hat, als nur eine umwerfende Optik. Man wird durch die brillante Erzählweise, die unterschiedlichen Geschichten der Figuren und die dichte Atmosphäre so sehr ins Geschehen gezogen, dass man die Spielwelt nicht mehr verlassen möchte. Jeder Videosequenz wird entgegengefiebert, jede Wendung ist unvorhersehbar. Es gibt Überraschungen, traurige Momente, dann wieder Szenen, die dich zum Lachen bringen, die dich träumen lassen oder eine Gänsehaut verursachen. Selten war ein Spiel so vielseitig und hat dabei nie den roten Faden der Geschichte verloren, die es erzählt. Egal ob man sich nun mit der typisch japanischen Optik der Charaktere anfreunden kann oder nicht, oder ob man Fan der »Final Fantasy«-Reihe ist oder nicht: Wer auch nur einen Funken Interesse an Rollenspielen hat, darf sich dieses hier unter keinen Umständen entgehen lassen.
Sabine Vogel
Ausgabe:03/10
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
PS3M sagt:
Grafik _____________

Lebendig und so wunderschön, wie kein anderes »Final Fantasy« bislang.

9
Sound _____________

Solide englische Sprecher, fantastisch auf Japanisch. Umwerfende Musik.

8
Steuerung __________

Geht dank ausführlicher Einführung sehr gut von der Hand.

9

URTEIL 9.4/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.4 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Square Enix

Entwickler Square Enix

Preis ab 60 Euro

Genre Rollenspiel

Spieler 1

PSN nein

USK-Freigabe ab 12 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Großartiges Action-Rollenspiel im »Final Fantasy«-Universum, von dem man sich nur schwer wieder losreißen kann.

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