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Little Big Planet 2

Sack oder Klotz?

Die kleinen Sackgesichter sind schon ein Phänomen: Da hüpfen die so genannten Sackboys seit 2008 auf Playstation 3 durch bunte Welten, erledigen hier und da ein paar Aufgaben und kassieren nebenbei über 80 Preise aus der Spielindustrie – darunter 15 Mal die Auszeichnung zum »Spiel des Jahres«. Und das obwohl sich »Little Big Planet« auf den ersten Blick nicht von einem konventionellen Jump ‘n’ Run unterscheidet: Charmante Figuren im Kartoffelsack-Look rennen durch Level aus der Seitenansicht, springen über Abgründe und Plattformen, bewältigen Gegner und Aufgaben, nur um schließlich in jeder der kunterbunten Welten einen Ausgang zu entdecken. All das geschieht auf drei nebeneinander angeordneten 2D-Ebenen, zwischen denen immer wieder gewechselt werden muss. Schaut man aber genauer hin, ist da noch viel mehr. Hinter der Fassade der simplen Rumhüpferei offenbart sich nämlich ein mächtiger Leveleditor, den es in dieser Form noch nie gegeben hat. Über 2,5 Millionen selbsterstellte Level hat die Community bereits mit diesem brillanten Werkzeug auf die Beine und via Playstation Network kostenlos ins Netz gestellt. Mit durchschnittlich 56.000 neuen Levels pro Woche scheint der Nachschub zudem nicht einbrechen zu wollen. Die nun erstmals ausführlich präsentierte Fortsetzung setzt auf dasselbe Konzept und fusioniert abwechslungsreiches Plattform-Gehüpfe mit tollen Kreativoptionen. Doch hiermit können Levelbastler nun nicht mehr nur eigene Abschnitte erstellen, sondern gleich komplette Spiele bauen.


Von Da Vinci bis 8-Bit

Aber immer der Reihe nach. Denn schließlich gehört »Little Big Planet« nicht ohne Grund zu den besten Jump ‘n’ Runs auf der Playstation 3. Ein Erbe, dass Teil zwei – geht’s nach der ersten Anspiel-Session auf der US-Fachmesse E3 – nun würdig fortzusetzen scheint. Zwar bleibt das Gameplay-Grundgerüst unverändert, allerdings weichen die acht Kontinente des ersten Teils nun künstlichen Welten, die wiederum an verschiedenste Zeitepochen angelehnt sind. Beispielsweise begleitet man jetzt einen verblüffend an Leonardo Da Vinci erinnernden Sackboy durch die Techno-Renaissance, die einen mit seltsamen Erfindungen und Konstruktionen der Zeitgeschichte – zum Beispiel Flugzeug-Bienen – konfrontiert. Nicht weniger kreativ: die »Steam & Cake«-, sprich die »Dampf & Kuchen«-Welt. Ein Gebiet im Steampunkt-Stil, in dem es überall zischt und brodelt wie im Motorraum einer alten Dampflock. Das komplette Gegenteil stellt eine von Neonlichtern durchzogene, im Kalten Krieg angesiedelte Welt dar, bei dem man als Maschinen-Sackboy unterdrückte Arbeiter befreien muss. Doch nicht nur Vergangenes wird thematisiert. Technik-Freunde erwarten fluffige High-Tech-Areale. Fluffig deswegen, weil die Entwickler von Media Molecule hier raffiniert die Technologie-Themen mit flauschiger Schafswolle kombinieren. Absurd? Mit Sicherheit. Unterstreicht aber deutlich, wie viel Wert die Macher auf unverbrauchte Szenarien stehen. Weitere Beispiele gefällig? Nun, unter anderem wartet noch ein »Mutter Natur«-Szenario, das mit abgedrehten Neuinterpretationen von Pflanzen auftrumpft. Aber auch dem Ursprung der Videospiele zollt Media Molecule Tribut und schickt die Sackboys später gar durch die bunte 8-Bit-Welt der Pixel. Herrlich!
Damit es Spielern bei ihrer Entdeckungstour nicht langweilig wird, lockern nun immer wieder kleinere Minispiele das Gameplay auf. Beispielsweise wollen aus der Vogelperspektive dargestellte Autorennen im Stil des 16-Bit-Klassikers »Rock ‘n’ Roll Racing« gegen andere Sackboys gewonnen werden. Oder, an Bord eines Raumschiffs sitzend, riesige Außerirdische in kultiger »Space Invaders«-Manier abgeschossen werden. Solche Zwischenspielchen dienen aber nicht nur der Unterhaltung, sondern sollen vor allem zum Erstellen eigener Spiele dieser Art animieren. Denn wie eingangs erwähnt, können Nachwuchs-Designer in »Little Big Planet 2« neben neuen Jump-and-Run-Abschnitten nun auch komplett eigene Games entwerfen. Von Rennspielen, über Shooter und Puzzlespiele, bis hin zu Rollenspielen – alles was der eigenen Fantasie entspringt, ist hier realisierbar. Passenderweise ist man sogar in der Lage, die Steuerung bis ins kleinste Detail komplett neu zu definieren; sogar die Sixaxis-Neigungssensoren des Playstation-3-Controllers dürfen Kontrollfetischisten einbinden. Ja, selbst die Bildschirm-Anzeigen sind konfigurierbar und lassen jeden eigen erstellten Abschnitt sofort viel individueller erscheinen. Als eindrucksvolles Beispiel wie so etwas aussehen kann, präsentierten die Entwickler einen voll funktionsfähigen Klon des Echtzeit-Strategiespiels »Command & Conquer« – sogar mit Zwischensequenzen. Richtig gelesen, das eingebaute Filmstudio erlaubt Spielern bis zu fünf Minuten lange Videos aufzuzeichnen und diese nach Belieben irgendwo einzufügen – natürlich sind damit dann auch Musikvideos und sogar ganze Filme umsetzbar. Damit angehende Regisseure diese bewegten Bilder auch ordentlich in Szene setzen können, darf die Kamera zudem frei positioniert werden.
Ebenfalls neu: die Sackbots. Das sind Roboter, die Spieler nach Belieben programmieren können. Größe, Verhalten und Eigenschaften können frei Schnauze konfiguriert und sogar auf andere Sackbots übertragen werden. So bringt man zum Beispiel einfach einer dieser Maschinen ein paar Tanzvorgaben bei, multipliziert den Robo dann zwanzigfach und schickt die Blechkameraden schließlich auf die Tanzfläche einer schrill leuchtenden Disko. Et Voilà, schon hat man im Handumdrehen eine verblüffend choreographierte Partytruppe erstellt.



Soziale Sackwerke
Sobald all das fertig gestellt ist, sprich Levelabschnitte gebaut, Bots implementiert und Mechanismen verteilt sind, kann jeder sein Werk gleichsam dem ersten »Little Big Planet« online auf die von Sony zur Verfügung gestellten Server hochladen und anderen Spielern zugänglich machen. Neuerdings lassen sich übrigens auch selbsterstellte Abschnitte miteinander verknüpfen, um so unterbrechungsfrei von einem zum nächsten Bereich zu springen. Ferner startet im Winter diesen Jahres die Webseite www.lbp.me - ein soziales Netzwerk im Stil von Facebook und My Space. Jeder Sackfreund bekommt hier automatisch seine eigene Seite zugewiesen, auf der er seine Kreationen vorstellen, mit anderen kommunizieren und sich aktuelle Highscores und andere Statistiken anschauen kann. Praktisch auch die Möglichkeit, sich die Werke anderer Community-Mitglieder zu Gemüte zu führen und sie im PC-Browser für den Download vorzumerken. Beim nächsten Spielstart werden sie dann automatisch aus dem Internet gezogen.
Und was ist mit den bereits gebauten, 2,5 Millionen Werken für den ersten Teil? Die kann man, wie alle kostenpflichtigen Download-Inhalte auch, problemlos in das zweite Abenteuer importieren, wo sie sogar in ganz neuem Glanz erstrahlen. Denn abseits der neuen Features hat Media Molecule die Grafik kräftig aufgepeppt. Der Einsatz frischer Farbfilter – zum Beispiel eine Röntgen-Sicht – ist nur eine von vielen Optik-Tuning-Maßnahmen. Für Aha-Momente sollen außerdem neue Utensilien sorgen, die den Sackgesichtern zur Verfügung stehen. Allen voran ein Greifarm, mit dem sich die Leinenjungs – »Bionic Commando« lässt grüßen – über Abgründe schwingen.



Einfach Sacktastisch!
Wohl wahr, »Little Big Planet 2« scheint richtig steil zu werden. Allein die Vorstellung sein eigenes Spiel zu erstellen, dürfte bei Fans auf helle Begeisterung stoßen und nicht zuletzt all jene kreativen Schöpfer auf den Plan rufen, die bereits den ersten Teil mit innovativen Levels gefüttert haben. Wie komplex der Baukasten allerdings wirklich ist und ob auch Unerfahrene damit zurechtkommen, das war anhand der gezeigten Version noch nicht zu beurteilen. Ganz im Gegenteil zu weiteren Neuerungen wie der Move-Unterstützung: Sie funktionierte bereits tadellos. Mehr dazu in Kürze hier auf www.ps3m.de und natürlich im Heft.
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KOMMENTARE:

natz78
Das wird eines der Hits im Jahr 2011.
Ich kann es kaum abwarten, denn da ich die Beta spielen darf, kann ich sagen: Holla die Waldfee ist das Genial gemacht. Viele neue Sachen, gerade auch im Bastelmenü. Spielspaß ohne Ende ist garantiert.
(16.12.10 13:19 Uhr)
PS3M sagt:

Mal wieder ein Klarer Favorit für die »Spiel des Jahres«-Medaille. Vorausgesetzt der Editor funktioniert wirklich so gut, wie angekündigt.

Wertungstipp___9.0/10

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AUF EINEN BLICK___

EAN:

Publisher Sony
Entwickler Media Molecule
Preis
Genre Jump ‘n’ Run
Spieler 1-4
PSN ja
USK-Freigabe

KURZ UND KNAPP___

Das neue Jump ´n´ Run mit den putzigen Sackboys, die diesmal sogar in eigenen Spielen auftreten dürfen.

DAS STECKT DRIN___


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