PREVIEW
Test Drive Unlimited 2
Extravagant oder alltäglich?
Man muss gar keinen Benzinkanister zum Frühstück getrunken haben, um sich nicht gerne in die dunklen Ledersitze eines Jaguar XKR schmiegen zu wollen. Den fabrikneuen Geruch einsaugen, die Finger um das geschmeidige Lenkrad legen; dann den Motor anlassen und sich die Ohren vom heulenden Sound des V8 massieren lassen. Unerreichbar für die meisten, für Besitzer einer Playstation 3 aber in greifbarer Nähe: Voraussichtlich ab 11. Februar 2011 lädt die Rennsimulation »Test Drive Unlimited 2« mit genau diesen Eindrücken zur Auto-Anbetung ein. Jedenfalls sofern sich Eden Games diesmal an seinen eigenen Zeitplan hält und uns nicht wieder ein Jahr Verspätung aufbürdet wie bei Teil Eins. Dessen Popularität jedoch ist selbst knapp vier Jahre nach Erscheinen ungebrochen. Warum? Weil es sich bis heute um die einzige Rennsimulation handelt, die sich nach Urlaub anfühlt. Erneut versammelt der französische Entwickler Eden Games die edelsten Schlitten aus aller Welt auf einer Insel: Der gierige Koenigsegg CCX-R aus Schweden, die wuchtige Viper SRT-10 aus den USA, der pfeilschnelle Gumpert Apollo Sport aus dem deutschen Altenburg: »Test Drive Unlimited 2« gibt die verschlungenen Bergstraßen und idyllischen Strandpromenaden von Ibiza zum grenzenlosen Cruisen frei. Die Welt ist offen, alles befahrbar, der Weg ist das Ziel. Und das Ziel heißt: Fahrspaß.

Zuerst lädt ein umfangreicher Charaktereditor zum Experimentieren ein. Man erschafft sich sein ganz persönliches Alter Ego, bestimmt Haarfarbe und Gesichtszüge, Gewicht und Kleidung, Geschlecht und Größe. Schade nur, dass die Figuren bislang so steif wirken, besonders die Mimik wäre ausbaufähig. Doch Nour Polloni, die leitende Produzentin von »Test Drive Unlimited 2«, betont: »Hier stehen die Autos im Mittelpunkt. Und die sind diesmal noch stärker individualisierbar. Im ersten Test Drive darf man nur Veränderungen am Lack und an Teilen des Interieurs vornehmen. Doch die Spieler wollten mehr. Diesmal dürfen sie sich austoben.« Ergo sind die wildesten Farbkombinationen möglich. Zum Beispiel knallpinker Autolack, babyblaue Synthetiksitze und neongrünes Armaturenbrett. Von solchen Geschmacks-Verirrungen abgesehen, begeistert die detailgetreue Nachbildung von Cockpits und Interieur: Mehr Original geht nicht! Wer´s lieber bunt mag, pappt sich Sticker auf die Karosserie. Wie wär’s mit einem Comic-Hai, der nach den beiden Vorderrädern schnappt? Oder einem coolen Tribal an der Fahrertür? Aber Techniktuning? Eher nicht.

Jeder fängt mal klein an
Man beginnt seine Karriere als Autogenießer und Ibizacruiser naturgemäß nicht am Steuer der teuersten Autos, sondern begnügt sich fürs Erste mit kleineren Exemplaren. Einem Audi TT etwa. Um sich später Supersportler – Ford GT, Viper SRT oder auch ernsthafte Motorsport-Fahrzeuge wie etwa Audis Tourenwagen-Flunder CR8 – leisten zu können, gilt es, die Rennkasse zu füllen. Punkte und somit Geld gibt’s in erster Linie für Siege und sehenswerte Aktionen. Wer auf heißem Asphalt coole Drifts hinlegt, füllt den Geldbeutel. »Im ersten Spiel verbringen viele Fans Zeit damit, einfach nur über die Insel zu cruisen. Aber damit verdienen sie nichts«, sagt Polloni. »In Test Drive Unlimited 2 können Spieler Geld anhäufen, indem sie einfach nur die Insel erkunden und das Fahrgefühl genießen.« Trotzdem: Deutlich schneller füllt sich das Portemonnaie bei dem, der an markierten Navigationspunkten Rennen, Sprints und andere Herausforderungen annimmt – Taxifahrten von A nach B zum Beispiel. Etliche Missionen bringt das Spiel selbst mit, außerdem setzen die Entwickler auf die Community. Polloni erklärt: »Jeder Spieler hat die Möglichkeit, eigene Rennstrecken abzustecken und sie anderen zur Verfügung zu stellen. Mit dem Rennstrecken-Editor ist das kinderleicht. Man wählt einfach eine Straßenfolge von der Übersichtskarte, markiert Start und Ziel und legt die Höhe der Belohnung fest. Anschließend fährt der Spieler die Strecke selbst, um eine Bestzeit vorzulegen, andere müssen die Uhr schlagen, um die Belohnung zu kassieren.« Aber nicht nur solche Zeitrennen sollen möglich sein. Interessant klingt auch der Wett-Modus, in dem zwei Kontrahenten eine zufällig gewählte Rennstrecke befahren, während andere Spieler Wetten abschließen können, wer als Erster durchs Ziel fährt.
Ist auf diesen Wegen genug Bares angehäuft, hat man die Qual der Wahl: Investiert man die Kohle in den Gumpert Apollo, weil dessen Kohlefaserhaut lockt? Oder doch lieber in ein luxuriöses Hausboot, komplett mit Jacuzzi und Partydeck? Erneut steht dem Besitz mehrerer Immobilien nichts im Wege. Jedes davon inklusive Garage, die zu Spaziergang und Bewunderung bereits erworbener Pretiosen einlädt. Genau wie bei den Autos darf auch das eigene Heim stark an den persönlichen Geschmack angepasst werden. Eine neue Wandfarbe hier, ein frischer Bodenbelag da – und wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, sucht man sich eben neue vier Wände.

Schlammschlacht
Wer weniger Wert auf Eigenheim-Luxus und Cocktailpartys auf dem Sonnendeck legt, wird seine Freude an der neuen Umgebung haben, die Ibiza zu bieten hat. Ähnlich wie im Vorgängerspiel ist die Insel sofort komplett befahrbar. Weiße Sandstrände, üppige Palmen und bekannte Sehenswürdigkeiten dienen als Kulissen. Zum Beispiel Ibizas Salinenfelder, die Dalt-Villa oder der Piratenturm am Mirador d’es Savinar – alles geographisch korrekt platziert. Eine weitere Neuerung: der dynamische Tag- und Nachtwechsel. Etwa alle zweieinhalb Stunden tauschen Sonne und Mond samt Sternenhimmel ihre Plätze. Macht optisch ordentlich was her, denn Ibizas Straßen wirken bei Nacht fast noch bezaubernder als am Tag. Richtig interessant wird das im Zusammenspiel mit wechselnden Wetterbedingungen. Dann prasselt Regen auf die Frontscheibe, wäscht Schlammspritzer herunter, am gewittergrauen Himmel zucken Blitze. Und brennt die Sonne auf den Asphalt, wirbeln die Reifen Staub auf. Ein Idyll wie ein Postkartenmotiv und herrlich anzuschauen, Urlaub eben. Nur eine Kleinigkeit trübt das Flair: Ist Ibiza unbewohnt? Von Party-Meile keine Spur, bisher wird das Eiland weder von Menschen noch Tieren belebt. Das wirkt etwas steril, künstlich, leblos. Bitte nachbessern!

Immerhin: Erstmals in der Reihe dürfen Motorsportbegeisterte auch abseits der asphaltierten Straßen die Insel erkunden – hinterm Steuer von voll lizenzierten SUV-Geländewagen, zum Beispiel einem Audi Q5. »Die Käufer des ersten Test Drive wünschten sich mehr Freiheit, wollten auch mal neben der Hauptstraße quer durchs Gelände. Und das ist mit einem Jaguar XKR nun mal nicht möglich«, erklärt Polloni. Mit einem hochbeinigen SUV dagegen bieten sich Abstecher durch Wüsten, Wälder und Matsch an. Die sind auf der Übersichtskarte grell orange markiert und bieten nicht selten die Möglichkeit, sein Gefährt komplett einzusauen und zu demolieren: Kratzer im Lack, herabhängende Stoßstangen, eine vor Schlamm starrende Windschutzscheibe? Unter dem Schadensmodell leiden auch Sportflitzer und Musclecars. Komplett zerstören, das klappt jedoch nicht. »Dafür modernisieren wir Fahrdynamik und Fahrphysik. Wir wollen, dass sich ein Audi TT nicht nur äußerlich von einem Mustang GT unterscheidet. Und die Spieler werden merken, dass sich alle Autos deutlich anders fahren. Einige sind besser für Drifts geeignet, andere punkten mit toller Bodenhaftung.« Ob´s wirklich so ist, liest du im Test in Ausgabe 03/11. Bis dahin heißt es: die Füße auf dem Gaspedal still halten und den Urlaub für dieses Jahr gedanklich schon mal nach Ibiza verlegen.
Vorschau Killzone 2 - PS3
PS3 Preview Splinter Cell: Blacklist
PS3 Preview Persona 4 Arena PS3M sagt:
Luxus-Rennsimulation, die sich so richtig nach Urlaub anfühlt. Allerdings fehlt es noch an überraschenden Neuerungen.
Wertungstipp___8.0/10
Leserwertung__4.5/10
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AUF EINEN BLICK___
Publisher Namco Bandai
Entwickler Eden Games
Preis
Genre Rennsimulation
Spieler 1-100
PSN ja
USK-Freigabe
KURZ UND KNAPP___
Mehr Autos, mehr Straße, mehr Fahrspaß: Ibiza lässt die Reifen glühen.
DAS STECKT DRIN___


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