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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Dead Island

Wo bleibt dieser RTL-Urlaubsretter?

Was für eine Nacht, was für eine Party! Starker Whiskey, laute Musik und halb-nackte Weiber, die zum Anbeißen aussehen – wortwörtlich. Denn zwischen den Beats und Rapgesang erhallt plötzlich ein grässlicher Schrei: Einer der Gäste springt auf den Türsteher, beißt sich in seinen Nacken fest. Blut, überall Blut. Was zum Teufel ist hier los? Chaos und Panik überfällt die Urlauber der fiktiven Insel Banoi, irgendwo im tropischen Neu Guinea. Entspannender Cluburlaub sieht irgendwie anders aus. Die Fassade in Deep Silvers Ego-Shooter-Rollenspiel-Mix fängt langsam an zu bröckeln. Statt Sonnen, Palmen, Sonnenschein gibt’s hier Blut, Gedärm und Badeleichen. Mutanten dominieren das Ferienparadies, reißen jeden Urlauber in den grauenvollen Tod. Harter Tobak, findet auch die USK und verweigert eine entsprechende Altersfreigabe. „Dead Island“ in Deutschland? Nur über den Importhändler.

Wer die kleine Hürde überwunden und die just erstandene Disk ins Laufwerk schiebt, bekommt erst einmal die Wahl zwischen den vier Hauptcharakteren mit jeweils unterschiedlicher Spezialisierung: Ex-Football-Star und Wurfwaffen-Spezialist Logan, die Bodyguard und Schusswaffen-Fanatikerin Purna, Gangster-Rapper und Nahkampf-Experte Sam B und Empfangsdame und Klingen-Schwingerin Xian Mei stehen zur Wahl. Die Geschichte an sich entwickelt sich für jeden Helden gleich und beginnt in einem Hotelzimmer, am Morgen nach der Horror-Party. Durch die heruntergelassenen Jalousien der Luxus-Suite dringt ein schwacher Lichtschimmer. Auf dem Boden liegen Klamotten verstreut, leere Alkohol-Flaschen zeugen von einer guten Nacht. War der Zombie-Angriff nur ein böser Traum? Anscheinend nicht: Vom Flur hallt ein Hilfeschrei herein und die erste ungute Vorahnung kündigt sich in Form eines leichten Kribbelns an der hinteren Innenseite des Schädels an. Mit dem rechten Analog-Stick bewegt sich das Blickfeld hin und her, mit dem linken Stick setzten sich die Füße in Bewegung. Im Hotel-Korridor offenbart sich dann das wahre Ausmaß der gestrigen Feier: Überall liegen Koffer herum, Gepäckwagen blockieren teilweise das Vorankommen und die Beleuchtung flackert wie nach einem Erdbeben. Schon jetzt frisst sich die dichte Atmosphäre von „Dead Island“ in Mark und Knochen. Blutlachen tapezieren die Wände, Selbstmörder springen vom Dach. Raus hier, aber schnell! Doch plötzlich trifft den Held ein kräftiger Schlag von einem der verfaulten Hackfresse. Die Kamera wankt gegen Boden, der Bildschirm verdunkelt sich. Schon jetzt ist klar: Das Spiel reißt mit und lässt einen so schnell nicht mehr los.



Kurort der Kadaver
Gerettet von einem Unbekannten, erwacht der Held in einem Bungalow direkt am Strand. Überall stehen und sitzen Fremde herum, die weinen oder verängstigt vor sich hinmurmeln. Bei einer Bikini-Braut angekommen, zoomt die Kamera automatisch heran, wie es Rollenspiel-Fans von „Fallout 3“ oder „The Elder Scrolls 4 - Oblivion“ kennen. Die Antwort-Möglichkeiten beschränken sich allerdings auf ein einfaches Ja und Nein. Das reicht aber für die Unterhaltung mit den glaubwürdigen Charaktere. Die Vollbusige meint, da draußen würde jemand Hilfe brauchen. Beim Versuch die Tür zu öffnen, mahnt ein Kerl allerdings, dass es zu  gefährlich sei, ohne Waffe zu gehen. Praktisch, dass ähnlich wie in Capcoms Zombiehatz, einfache Gegenstände kurzerhand zum Tötungsinstrument umfunktioniert werden. Also schnell das Ruder an der Wand gegriffen und los. „Mach dich auf was gefasst. Das ist totaler Wahnsinn“, ruft der Typ noch, bevor dann die Holztüren aufschwingen. Gleißendes Sonnenlicht, azurblaues Wasser – wow. Techlands hauseigener Grafik-Motor „Chrome Engine 5“ überzeugt durch  seinen beeindruckenden Detailgrad und die enorme Weitsicht. Okay, ein paar Clipping-Fehler hier und da und einige verspätet geladene Texturen gibt es schon. Wirklich störend fällt das aber kaum auf. Auch die etwas hölzernen Gesichter brechen dem Grafik-Skelett keine Knochen. Dafür aber das just aufgeklaubte Paddel den ersten Gegnern …



Fauliges Fleisch verprügeln

Inmitten des paradiesischen Anblicks wehrt sich jemand mit Hand und Fuß gegen eine Schar halb verfaulter Monstertypen. Es sind waschechte Zombies! Also auf ins Getümmel, das Fadenkreuz mit dem rechten Stick auf den Schädel des erstbesten Mutanten gelenkt und mit der R2-Schultertaste zugeschlagen. Blutfontänen spritzen durch die Luft , die Lebensenergie des Zombies sinkt, Erfahrungspunkte ploppen auf. Der stumpfe Angriff zeigt Wirkung! Schnell sind die handvoll Untote wortwörtlich in ihre Einzelteile zerlegt – nichts für Zartbesaitete –  und die Story nimmt seinen Lauf. Das spieleigene Angriffssystem legt besonderen Wert auf Nahkämpfe, funktioniert überraschend intuitiv und fühlt sich einfach gut an. Das liegt zum großen Teil daran, dass sich jeder Treffer  auch wie ein solcher anfühlt. Mit dem Messer in Fleisch zu stechen, dem Hammer einen Schädel einzuschlagen oder der Keule einen Brustkorb zu zertrümmern hat eine erschreckend befriedigende Resonanz. Bei kritischen Treffern, die teils durch genaues Zielen und teils durch charaktereigene Fähigkeiten entstehen, zerlegt’s die Schergen in Zeitlupe. So können Splatter-Freunde ihr Massaker in aller Ruhe betrachten. Spielt sich verdammt cool und wird so schnell nicht langweilig. Aber Vorsicht, denn auch die Infizierten richten Schaden an. In einem unvorsichtigen Moment springen sie den Helden an und schnappen mit den Kiefern nach seinem Gesicht. Ein rascher Quick-Time-Reaktionstest beginnt – einmal L1-, dann R1-Schulteraste – lässt die Fäuste sprechen und brechen dem Ungetüm die Nase. Zudem überrascht die Variation der Höllenbrut: Langsam schlurfenden Zombies, Säure spuckende Wasserleichen, agil laufende Sprinter und extrem starke Riesen benötigen jeweils eine andre Strategie. Einmal von den kraftvollen Pranken der Monster erwischt, verringert sich die eigene Lebensanzeige am oberen Bildschirmrand um ein Kästchen. Zum Glück liegen überall Getränke und andere Lebensmittel herum, die bei niedriger Energie aushelfen. Zudem lassen sich diverse Gegenstände zweckentfremdend als Waffen benutzen: Ob Ruder, Rohrzange, Brecheisen, Stahlrohr, Besenstiel, Hackebeil, Machete, oder Springmesser – alles ist vertreten. Seltener, dafür als umso mächtiger entpuppen sich Schusswaffen wie Schrotflinte, Revolver und Maschinenpistole sowie Granaten und Molotov-Cocktails. All dieses Zeug wird in einem praktischen Ringmenü untergebracht. Während die Munition bei den Bleiwerfern knapp ist, besitzen die Nahkampf-Waffen ein Haltbarkeitsdatum und zerbrechen unbrauchbar  nach einiger Benutzung. Ein spannendes, wenn auch nicht wirklich neues Spielelement.

Glücklicherweise stehen gut versteckte Werkbänke für den Hobby-Waffenbastler zur Verfügung. Hier lassen sich die Meuchel-Instrumente repariert, verstärken und modifizieren. Das dafür nötige Rohmaterial vorher in der Umgebung aufgesammelt, entsteht so etwa ein elektrisierender Hammer  oder ein Baseballschläger mit Nägeln – Fortune City lässt grüßen. Selbstredend, dass diese Umbauten den Kampf gegen das teils schwierig kleinzukriegende Zombiepack  erleichtert.



System im Chaos
Toll: Von Beginn an kann der Held die Insel frei erforschen. Zwar verzichtet der Entwickler auf Restriktionen, doch überschwere Gegner schränken oft die Erkundungstour ein. Daher empfiehlt es, fleißig mit Überlebenden zu sprechen und ihre abwechslungsreichen Aufgaben zu erledigen. Da will jemand zum Beispiel mit ein paar Leuchtraketen für Aufmerksamkeit sorgen, ein Anderer versucht die Stromgeneratoren wieder in Gang zu bringen und wieder ein anderer braucht Ersatzteile für seinen Jeep – der, neben anderen Fahrzeugen, anschließend auch auf eine Spritztour ausgeführt werden darf. Zumeist sind’s also sinnvolle Aufträge, die neben der mysteriösen Hauptgeschichte für jede Menge Abenteuer abseits des linearen Hauptpfads garantieren. Zudem belohnen Gegenständen und Erfahrung die Unterstützung. Letztere erhöht die Charakterstufe, wodurch Skill-Punkte für freischaltbare Fähigkeiten verfügbar werden: Mehr Schaden mit Stichwaffen, ein neuer Sprungangriff, bessere Heilung durch Erste-Hilfe-Kästen – das Übliche eben. Rollenspiel-Fans kommen also keinesfalls zu kurz. Im Gegenteil, sie dürfen sich richtig austoben.

Im Rampenlicht der Geschichte steht die Flucht von der Insel. Außerdem: Wer ist dieser geheimnisvolle Verbündeten hinter einer Bildschirmfront? Und wieso ist Held als Einziger immun gegen die über Bisse verbreitete Seuche? Zugegeben, mit Überraschungen oder innovativer Story  kann „Dead Island“ nur wenig Punkte einfahren. Dank der tollen Präsentation bleibt’s die rund 20 Stunden aber durchwegs fesselnd.

Süße Fäulnis oder stinkender Leichenberg?
Richtig Laune verbreitet vor allem der Koop-Modus für bis zu vier Zombie-Jäger, die sich jederzeit ins Spiel des Freundes online einklinken können. Außerdem weist der Titel auf Online-Spieler hin, die sich zufällig in der Nähe befinden und sich per Knopfdruck einklinken können. Wer also an einer schwierigen Stelle hängt, kann sich somit praktischerweise jederzeit Hilfe besorgen. Lob verdient auch der Netzwerkcode, der bislang keinerlei Verbindungsbrüche verzeichnet.

Zusammengefasst: „Dead Island“ sorgt mit fesselnder Story, verborgenen Superwaffen und erkundungsfreudiger Insel für ausreichend Langzeitmotivation. Mehr Zombie-Vielfalt, Figuren mit unterschiedlicher Geschichte und mehr Motivationsschübe hätten dem Gesamtpaket allerdings gut getan. Für Anhänger von bluttriefender Gammelfleisch-Unterhaltung ist „Dead Island“ dennoch ein klarer Kauf- und Koop-Tipp.
Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Dead Island: Riptide
weiter PS3 Test Injustice: Götter unter uns
PS3M sagt:
Grafik _____________

Hübsche Weitsicht, verschmerzbare Fehler

8
Sound _____________

Gute, aber nur englische Sprachausgabe, idyllische Sounds

8
Steuerung __________

Voll belegt, schnell erlernt

8

URTEIL 8.3/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 9

URTEIL 9.2 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher

Entwickler

Preis ab 50 Euro

Genre Horror-Action

Spieler 1 - 4

PSN ja

USK-Freigabe ungeprüft

 

KURZ UND KNAPP __

Blutige Zombie-Apokalpyse, mit dichter Atmosphäre und stabilen Online-Koop-Modus.

FAQ

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