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 TEST 

 

Battlefield 3

M1A1 Abrams oder Plastikpanzer

Die neue Mehrspieler-Referenz auf dem Schlachtfeld?
Großes kann aus Kleinem entstehen. Es sind Szenen, wie die auf einem Flugzeugträger, von denen man seinen Freunden berichtet. Wo man als Leutnant Hawkins unter Deck startet und dann plötzlich das Rollfeld betritt: Die See ist stürmisch, Wind peitscht dir um die Ohren, meterhohe Wellen schlagen gegen diesen Giganten des Meeres und starker Regen macht der Crew das Leben schwer. Ja, „Battlefield 3“ lebt. Wo du in den meisten anderen Shootern einfach automatisch in einem Jet in die Luft katapultiert und vor vollendete Tatsachen gestellt wirst, siehst du hier wie die Tankmannschaft die Schläuche an das Flugzeug anschließt und das Kerosin reinpumpt. Oder wie drei Mann nötig sind, um die schweren Sidewinder-Raketen an den Tragflügeln anzubringen. Schade nur, dass all das streng nach Skript abläuft. Dann geht’s ab ins Cockpit: Statt eines schnöden Einführungsabschnitts erlebst du einen echten Flightcheck. Seitenruder rechts überprüfen, dann das Seitenruder links. Funktioniert die Laser-Zielautomatik? Perfekt! Zeit, den Schub zu erhöhen. Die F/A 18E Super Hornet beschleunigt, wird schneller und schneller. Regentropfen schießen am Cockpit vorbei, formieren sich zu einem Strahl, ehe sie von der Sonne getrocknet werden, wenn die Maschine die Wolkendecke durchbricht und auf Überschall beschleunigt... Wow!



Der alte Rückblenden-Trick

Bei der Story verlässt sich DICE auf Altbewährtes. So spielt die eigentliche Handlung in einem Verhörraum der CIA in Langley. Protagonist und US-Marine Sergeant Henry Blackburn berichtet von seinen Erlebnissen und wie er zu verschiedenen anderen Soldaten steht, die im Verdacht stehen, einen Terrorangriff auf New York vorbereitet zu haben. Die CIA-Agenten nehmen Blackburn zwar verbal hart ran, die Dramaturgie des vergleichbar aufgezogenen „Black Ops“ wird aber nie erreicht. Es ist eben viel bedrohlicher wenn den Spieler eine Stimme aus der Dunkelheit mit Fragen quält, mit Stromstößen foltert und unter Drogen setzt, als wenn man in einem Raum mit Ventilator sitzt und vor zwei Agenten aussagt, die den Soldaten aufgrund von Anweisungen nicht mal anrühren dürfen. Letztlich erfüllt die Geschichte aber ihren Zweck, ist in sich schlüssig und führt vor allem dazu, dass man nicht nur als Fußsoldat agiert, sondern auch exzellent gemachte Luftgefechte und Panzerschlachten erlebt.
Hinzu kommt: Die Solo-Kampagne fühlt sich in fast allen Missionen deutlich lebensnaher an als die der Konkurrenz. Das liegt vor allem an den fantastischen Animationen, wenn man über eine Wand klettert und wirklich spürt, wie der GI all seine Kraft in die Arme presst, um sich hochzuziehen. Oder auch der Panzereinsatz im Iran, wo der Spieler wirklich mittendrin ist statt nur dabei. Wo er sieht, wie der Ladeschütze ein schweres Projektil in den Lauf der Kanone wuchtet, während er gleichzeitig fühlt, wie schwerfällig sich so ein 60-Tonner tatsächlich fährt. Abseits der Fahrzeugpassagen bedienen sich die Schweden kräftig bei „Call of Duty“, sprich: Massen an Gegnern umpusten, die anders als beim Activision-Konkurrent in einzelnen Abschnitten so lange neu heranströmen, bis man einen bestimmten Punkt im Level überschreitet. Muss man mögen!
Toll hingegen, dass diverse Missionen versuchen, aus der im Genre weit verbreiteten Schlauchlevel-Linearität auszubrechen. Beispielsweise kann Blackburn die Gegend rund um einen Parkplatz in der kurdischen Stadt Sulaimaniya auf leisen Sohlen sondieren, dann die Patrouillen gezielt umschleichen, nur um später einem Auto einen kräftigen Tritt zu geben, was daraufhin einen Hang hinunterrutscht und die drei Wachen alle auf einmal ausschaltet. Alternativ bombt er zuerst die Scharfschützen, die in einer Garage lauern, mit Granaten aus ihrer Deckung und knüpft sich dann die Wachposten auf kurze Distanz vor. Mitdenken ist in jedem Fall Pflicht, denn der Schwierigkeitsgrad zeigt sich knackig: Nach zwei Direkttreffern geht auf „Normal“ das Licht aus. Erschwerend kommt hinzu, dass man den Feind in der oft vorherrschenden Dunkelheit schlecht erkennen kann und dieser zudem selbst auf hohe Distanz absurd gut trifft. Präzise Kopfschüsse aus 50 Metern mit einer AK-47? Wirkt manchmal etwas unglaubwürdig. Bei der Abwechslung gibt DICE dafür umso mehr Gas: Panzerknacken als RPG-Schütze, eine Bank stürmen oder in die Villa eines russischen Waffenschiebers eindringen, die gefühlt dreimal so gut gesichert ist wie das Weiße Haus. Spielt sich in der Summe rasant, hastet aber nicht wie „Modern Warfare“ von einem Höhepunkt zum nächsten. Wer auf Michael-Bay-Momente im Zehn-Minuten-Takt hofft, muss seine Ansprüche etwas zurückschrauben. Hier steht eben eher Authentizität im Vordergrund. Und zuweilen sogar Witziges: Etwa wenn man klammheimlich durch einen Lüftungsschacht kriecht und plötzlich eine lärmende Ratte auftaucht, die dann Bekanntschaft mit dem eigenen Kampfmesser macht.



Ein König wurde geboren
Nach gut sieben Stunden mit der Kampagne fühlt man sich fit für das eigentliche Herzstück: den Mehrspieler-Modus, der in dieser Form seinesgleichen sucht. Nehmen wir eine Szene auf der Karte „Damavand Gipfel“: Die Russen müssen eine Plattform erobern und von dort aus per Fallschirm in eine US-Basis einfallen. Gerade wollen drei Kollegen springen, da schießt ein Little Bird Kampfhubschrauber aus den Wolken und zersiebt die Jungs mit seiner Gatling. Und was macht der russische Typ, mit dem PS3M gerade in einem Humvee sitzt? Er gibt Vollgas, schießt über die Absprungplattform und holt mit seinem Jeep den Heli vom Himmel. Als hätte er einmal zu oft „Stirb Langsam 4.0“ geguckt, springt er vorher raus, öffnet seinen Fallschirm und verpasst den ebenfalls per Fallschirm nach unten gleitenden Piloten Kopfschüsse aus der Luft. Krass! Echte „Battlefield 3“-Momente eben!
Insgesamt stehen neun Spielwiesen für eben beschriebene Adrenalinkicks mit bis zu 24 Teilnehmern zur Verfügung. Auf „Teheran-Schnellstraße“ etwa schießt im Hintergrund Flakfeuer in die Luft und breiten sich Brände aus, während die Spieler sich erbitterte Gefechte liefern. Auf anderen Karten rumpelt man mit Panzern vorbei an brennenden Ölfeldern oder springt in ein Schnellboot, um vom Flugzeugträger aus einen Küstenstreifen zu erobern. Oberstes Gebot bei all dem ist die spielerische Freiheit. Klar könnte man mit einem Truppentransporter auf der XXL-Karte „Kaspische Grenze“ seine Kameraden einfach über die Hauptstraße ins Kampfgebiet bringen – würden da nicht überall Bazooka-Schützen lauern. Warum also nicht mit Vollgas die abschüssige Straße runter, über den kleinen Hügel brettern, die Umzäunung der Häuser umnieten und dort seine Truppe ausladen? Oder noch besser vorher kurz aussteigen, als Pionier den Raketenwerfer zücken, ein großes Loch in die Hauswand jagen, ins Innere preschen und von dort dem Feind in den Rücken fallen. In solchen Situationen dreht Teil Drei dank Frostbite-2-Engine und den damit einhergehenden Zerstörungsmöglichkeiten voll auf. Weiteres Spielspaß-Fundament neben Karten und Fuhrpark sind die gut ausbalancierten Klassen: Der Sturmsoldat zum Beispiel kann sich entscheiden, ob er mit seinem Unterlaufgranatwerfer lieber an der Front aufräumen will oder seine Erfahrungspunkte als Sani verdient und die Kameraden mit Defibrillator und Gesundheitspäckchen aufpäppelt. Clever: Weil Sturmsoldaten in „Bad Company 2“ bekannt dafür waren, alle mit Granaten-Dauerbeschuss zu nerven, dreht DICE dieser Klasse den unendlichen Munitionshahn ab. Für das nötige Sprengmaterial ist jetzt der Versorger zuständig, der zugleich als Experte für leichte MGs wie das M 249 den Abräumer vom Dienst mimt und strategisch wichtige Kartenbereiche abriegelt. Gibt er Sperrfeuer, erlebt der gegnerische Spieler eine Art Tunnelblick, die Sicht verschwimmt, man trifft keinen Blumentopf mehr – prima Idee. Taktisch wertvoll sind ferner die Anti-Personen-Minen und natürlich C4-Plastiksprengstoff. Die durch Kills verdienten Erfahrungspunkte schalten für jede Klasse neue Ausrüstung frei. Im Falle des Pioniers etwa den Javelin-Raketenwerfer, der dank über einem Kilometer Reichweite selbst gut gepanzerte Vehikel auf große Distanz zerlegt. Speziell im Umgang mit solchen Waffen kommt außerdem der stets präsente Teamgedanke zum Tragen: Richtig effizient ist der Javelin nämlich erst dann, wenn ein Kollege das Ziel vorab markiert.



Aufklären und abschießen
Für diesen Job ist der Scharfschütze prädestiniert. Der Aufklärungseinheit stehen – wie allen Klassen – drei freispielbare Gadgets zur Verfügung. Mit dem SOFLAM-Lasermarker kennzeichnet man Panzer und Jets für Mitstreiter mit besagten, Hitze-suchenden Raketenwerfern. Fies auch der T-UGS Bewegungsmelder, der bei Feindkontakt laut piept und anschließend die Tangos auf der Mini-Karte rot markiert. Dann können unter anderem Mortar-Nutzer zuschlagen, die kurz darauf meist nicht nur den Feind sondern zudem angrenzende Verteidigungswälle in Stücke reißen – oder die Umgebung für Überraschungsangriffe einnebeln. PS3M-Favorit bleibt gleichwohl die Fernlenkdrohne, mit der sich innerhalb kürzester Zeit massig Erfahrungspunkte durchs geschickte Feind-Markieren aus der Luft verdienen lassen.
Trotzdem: Das Knacken von Fahrzeugen ist schwerer geworden. Panzer brauchen zwei, manchmal auch drei direkte Treffer und selbst ein leicht gepanzerter Humvee lässt sich nicht so einfach mit Granaten aus der Bahn kicken. Zudem muss man Fahrzeuge erst fahrunfähig machen. Panzer feuern dann zwar noch, die Ketten sind aber hinüber. Also nur nicht zu lange mit dem Todesstoß warten, die Stahlkolosse reparieren sich nämlich automatisch – wenn sie nicht weiter beschossen werden. Ist also kniffliger als in „Bad Company 2", lohnt sich aber und bringt eine deftige Erfahrungspunktspritze. Damit lässt sich dann früher oder später unter anderem ein wendiger, aber nicht ganz einfach zu steuernder Mini-Roboter freischalten, der gefährliche Minen räumt, ramponierte Fahrzeuge zusammenflickt und mit etwas Glück sogar Gegner zerlötet – nur eine weitere von Dutzenden taktischen Finessen der spektakulären Online-Schlachten!



Die alte Lady hat’s noch drauf
Was wurde nicht alles geschrieben über die Technikprobleme der Konsolenversion. Darüber, dass Playstation-3-Spieler lediglich ein halbes „Battlefield“ bekämen und nur PC-Zocker die ganze Pracht. Das mag teils stimmen, einige Autos am Rande sehen arg pixelig aus und auch der Detailgrad wirkt im Vergleich zur Version für Highend-PCs sichtbar zurückgeschraubt. Davon abgesehen sieht das hier für ein PS3-Game aber wirklich fabelhaft aus. Etwa wenn man als russischer Spetsnaz-Agent Dima die Pariser Börse stürmt: Der Kugelhagel zersiebt die Autoscheiben, nach zwei, drei Salven verwandeln sich Luxuslimousinen in Feuerbälle. Die Flammen schlagen dir förmlich entgegen, die Explosionen haben richtig Druck und wer zu nah an die brennenden Karosserien herankommt, der erlebt wie sich das Bild orange färbt und leicht zu flimmern beginnt. Dann gehen die Sprenkelanlagen an, löschen die Brände und lassen das Wasser über die Kevlarweste der Kollegen spritzen. Grandios!
Ist „Battlefield 3“ also der erwartete Mega-Knaller geworden? Was den Mehrspieler angeht in jedem Fall. Denn der ist – trotz im Vergleich zur PC-Fassung reduzierter Spielerzahl – sehr durchdacht, läuft nach Einspielen des ersten Patch im Vergleich zur Beta-Phase abgesehen von Voice-Chat-Macken
ziemlich rund und bietet unterm Strich die coolsten Online-Materialschlachten in der Geschichte der PSN-Action. Aber auch die Kampagne – einige KI-Aussetzer mal außen vor – überzeugt. Die Geschichte erzählt von Menschen wie einem Pionier, der apathisch dasteht und um seine Kameraden trauert. Sie setzt szenische und technische Höhepunkte und kombiniert kernige Schusswechsel mit starken Panzer- und Luftschlachten. Das perfekte Training für den Mehrspieler eben. Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld!


Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Dead Island: Riptide
weiter PS3 Test Injustice: Götter unter uns
PS3M sagt:
Grafik _____________

Edle Licht- und Regeneffekte bei Nacht, Texturschwächen am Tag

8
Sound _____________

Bombastische Surround-Effekte, authentischer Funk, super Synchro

9
Steuerung __________

Egal ob im Panzer, Jet oder mit der Knarre: immer präzise

9

URTEIL 9.0/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 9
Steuerung __________ 9

URTEIL 9.8 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Electronic Arts

Entwickler DICE

Preis ab 55 Euro

Genre Ego-Shooter

Spieler 1 -24

PSN ja

USK-Freigabe ab 18 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Shooter-Koloss mit modernem Setting, brachialer Zerstörungsengine und Wahnsinns-Mehrspielerkomponente.

FAQ

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