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Assassin's Creed 2

Meucheln zwischen Pizza und Tauben

Ezio Auditore di Firenze ist ein Liebhaber – ein Casanova, der schönen Frauen gleichermaßen zugetan ist wie rauschenden Festen und gutem Wein. Doch der blaublütige Ezio ist auch eine gebrochene Persönlichkeit, ein betrogener Lebemann, dem das Schicksal übel mitspielte. In seiner jüngeren Vergangenheit hatte der Buontempone einige Feinde zu viel, die seinem ausschweifenden Lebensstil ein Ende bereiteten: Verstrickt in einen der größten Machtkämpfe der italienischen Noblesse verliert Ezio Vater und Brüder, während seine Mutter und die einzige Schwester im Angesicht des nahenden Todes in unbekannte Gefilde flüchteten. Seither ist Rache das Lebenselixier des jungen Ragazzo. Und Rache ist eine nicht zu unterschätzende Motivation.
Wenn sich Klingen kreuzen
Vieles soll sich verändern nach den Geschehnissen im Heiligen Land im ersten Teil von »Assassin’s Creed«. Altaïr, der direkte Vorfahre Ezios, scheint wenig mit dem jungen Italiano gemein zu haben: Ezio ist wendiger, wirkt frischer und aktiver, als würde das Blut eines haltlosen Kindes durch seine Adern fließen. Dagegen wirkt der behände Assassine aus Jerusalem rauh, in sich gekehrt und beinahe angestaubt.

Das erste Actionabenteuer mit dem schönen Titel »Assassin’s Creed« musste sich vereinzelt Kritik gefallen lassen, des Kampfsystems wegen. Die Balgereien seien zu eintönig, monoton, setzten immer auf denselben Ablauf. Hier verspricht »Assassin’s Creed 2«, abwechslungsreicher zu werden. Dafür sorgen 15 statt bisher fünf unterschiedliche Missionstypen sowie rund 30 verschiedene Totschläger, die Ezio für seine Vendetta nutzen kann: Scimitare, Streitkolben, feine Dolche, grobe Hämmer und Bastardschwerter sind nur ein kleiner Teil seines Arsenals. Und mit welch tödlicher Vielfalt Ezio seinen Feinden zu Leibe rückt! Flink wie ein Wiesel klettert er still, leise und schattenhaft hohe Wachtürme hinauf, wo er nichtsahnende Gesellen am Schlafittchen packt und sie über die Brüstung in Freund Heins Arme befördert. Ein anderes Mal tötet Ezio einen patrouillierenden Soldaten lautlos mit seiner versteckten Unterarmklinge und verbirgt den leblosen Korpus anschließend in einem Heuwagen. Oder er drapiert den Toten auf einer Steinbank, damit es aussieht, als hätte der Wehrmann in der Mittagssonne seinem Bedürfnis nach Schlaf nachgegeben. Doch selbst ein so gerissener Mörder wie Ezio muss damit rechnen, entdeckt zu werden – und dann eine Entscheidung treffen: Die Auseinandersetzung meiden und die Flucht ergreifen, oder sich den Gegnern stellen und weiteres Blut vergießen? Diese Entscheidung hängt nicht zuletzt auch mit der Gattung seiner Feinde zusammen. Stark gerüstete und bewamste, aber dadurch schwerfällige Wachen mit gefährlichen Äxten und Schwertern haben einem wendigen Fluchtversuch wenig entgegenzusetzen. Leicht gepanzerte Stadtwachen mit flinken Floretten hingegen können dem Adligen über weite Strecken nachstellen. Da muss ein gutes Versteck her – kein einfacher Heuwagen mehr, denn allzu offensichtliche Unterschlüpfe begutachten alarmierte Wachen gern auch mal näher und stochern mit den Schneiden im Stroh. Die KI hat dazugelernt. Da kommt Ezio eine große Menschenmenge so recht wie eine Schweineschwarte einem armen Hungerleider – er nutzt die aneinander gedrängten Körper, um unterzutauchen, täuscht seine Verfolger mit dem Führen reger Konversationen und nutzt den nächsten Schlupfwinkel, um über die Dächer der Stadt zu entfliehen.
Wo die Zitronen blühen…
Um von vornherein einen womöglich tödlich endenden Trubel zu vermeiden und möglichst aus den Schatten heraus zu agieren, nutzt Ezio die Hilfe einiger Freunde. Da Geld die Welt regiert, kann er mit ausreichend Dukaten im Beutel sogar die Unterstützung von insgesamt drei Fraktionen anfordern, sofern er sich zuvor mit ihnen durch kleine Akte der Freundschaft gut gestellt hat: Im Untergrund Venedigs wartet eine verruchte Diebesgilde, die Ezios seidene Taschen mit Münzen und den Habseligkeiten reicher, unachtsamer Lustwandler füllt. In Florenz stellen sich die Kurtisanen in Ezios Dienste, die mit ihren weiblichen Reizen den Wachen die Sinne vernebeln, die dann nur noch Augen für die Frauenzimmer haben, anstatt den umherschleichenden Ezio zu beachten. Die dritte Fraktion der Söldner wartet irgendwo in der Toskana und wird dem Assassinen wohl mit Kraft und Geschick im Kampf zur Seite stehen. Genaueres ist bislang aber noch nicht bekannt.

Doch wie sagte bereits ein weiser Gelehrter? »Manche Freunde sind käuflich, andere unbezahlbar.« Gleiches gilt für Ezios besten und wohl bekanntesten Helfer im Spiel: den Künstler und genialen Erfinder Leonardo da Vinci. Seine Verbindung zum rachegetriebenen Blaublut ist immer noch in geheimnisvolle Schwaden gehüllt, doch wäre der Assassine ohne seinen Freund und Lehrmeister sicherlich nur halb so erfolgreich auf seinem Feldzug gegen die Mörder seiner Familie. Er stattet seinen Zögling mit brillanten Erfindungen aus – zum Beispiel einer frühzeitlichen Handfeuerwaffe als Erweiterung für die Unterarmklingen oder gar einer Maschine, die Ezio engelsgleich hinauf zu den Vögeln trägt. Fest steht, Ezios Arsenal an Hilfsmitteln wird an Raffinesse und Gewieftheit dank da Vincis Genialità deutlich zunehmen.

Keine wirklichen Freunde, doch Mittel zum Zweck sind die allerorts ansässigen Quacksalber, die ihr Brot mit der Heilung kranker Menschen verdienen. Doch Ezio stattet ihnen nicht wegen der Wundsalben oder Furunkel-Tinkturen einen Besuch ab – betritt der Assassine die Räumlichkeiten, tauchen aus geheimen Schubladen und unter doppelten Kistenböden tödliche Mixturen auf: Gifte, so letal wie der Biss einer Python, so schnell wirksam wie das Nervengas Sarin. Nur eine kleine Phiole genügt, um auch den kräftigsten Wachmann innerhalb von Sekunden zu töten – injiziert mit einer Nadel so fein, dass der Einstich in der menschlichen Haut kaum spürbar ist. Breitet sich das Gift im Körper aus, verfällt das Opfer zuerst in einen Zustand der Schwäche, anschließend in blinde Raserei, die gegen alles und jeden in der Umgebung gerichtet ist, bis das Mittel durch die Venen bis zum Herzen vorgedrungen ist und unweigerlich zum Tod führt. Eine mächtige Waffe, die sich die Giftmischer aber auch fürstlich entlohnen lassen.
Schurke, Späher, Häscher
Ezios Welt spielt mit drei der schönsten städtischen Landschaften, die Italien zu bieten hat: das legendäre Venedig mit seinen pittoresken Sakralbauten, die von Hügeln und Olivenbäumen geprägte Toskana und das kunstvolle Florenz. Selten wurde so viel Zeit und Aufwand investiert, um sowohl die unverwechselbare Optik als auch die einzigartige Atmosphäre dieser Spielregionen einzufangen. Und wer des Nachts im Mondschein im Labyrinth der vielen Straßen und Gassen Venedigs per pedes unterwegs ist, der fühlt sich wie in einer Traumwelt des 15. Jahrhunderts.

Die Toskana, das ist weites, unberührtes Land, das im Gegensatz zur kargen Steppe des ersten »Assassin’s Creed« mit Leben gefüllt ist. Kleine, idyllische Dörfer am Wegesrand, die ihre trivialen und großen Probleme gern den Fremden und Durchreisenden mit gutem Willen aufbürden. Und auch wenn Florenz, die Heimatstadt Ezios, außer durch handgezeichnete Bilder noch weitestgehend unbekannt ist: Schon jetzt spiegelt sich in jeder Hütte, jeder Zypresse und jedem Grashalm das Italien des 15. Jahrhunderts wieder. Die Aufgaben eines Assassinen sind vielfältig. Ebenso wie seine Möglichkeiten, sie auszuüben. Wiederkehrendes Missionsdesign aus Töten, Beobachten und Belauschen kennt Ezio nicht. Stattdessen nimmt seine intrigante Geschichte durch immer neue zwielichtige Personen und Auftraggeber mehr und mehr Gestalt an. Einige wollen den Tod eines Nebenbuhlers, andere wiederum nur Geleitschutz, wieder andere bitten um die Verfolgung eines Langfingers, der sich an ihren Habseligkeiten bereichert hat. Der Vielfalt an Aufträgen sind keine Grenzen gesetzt.

Ganz klar: Schon jetzt scheint »Assassin‘s Creed 2« ein vollständigeres, zusammenhängenderes Spielgefühl zu bieten als sein Vorgänger. Die superbe, artistische Herangehensweise verwoben mit der landschaftlichen Schönheit lassen ein virtuelles Kunstwerk entstehen. Das Team aus insgesamt 450 Designern und Entwicklern will sich keine Fehltritte mehr erlauben und das gespaltene Publikum des ersten Spiels im perfekten Zweiten wieder vereinen. Vielleicht schon in wenigen Monaten darf man die Früchte der harten Arbeit bestaunen – und sich an ihrem süßen Geschmack erquicken.
Sabine Vogel
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KOMMENTARE:

ille97
das is das beste spiel was ich je gesehen hab
(18.10.09 16:14 Uhr)
PS3M sagt:

Ein ganzheitliches Erlebnis soll’s werden mit überraschendem Gameplay und brillanter Grafik. Die Mühe scheint sich zu lohnen.

Wertungstipp___8.5/10
Leserwertung__8.6/10

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AUF EINEN BLICK___

EAN:

Publisher Ubisoft
Entwickler
Preis
Genre Action-Abenteuer
Spieler 1
PSN Nein
USK-Freigabe

KURZ UND KNAPP___

Tödlich, tödlicher, Ezio – des Assassinen zweites Credo soll das spieltechnische Einerlei des Ersten ablösen.

DAS STECKT DRIN___

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