PREVIEW
Bulletstorm
Kettenreaktion oder Kapitulation?
Es ist eine traurige Tatsache, dass in Film und Fernsehen und leider auch in der Welt der Videospiele der Grad an zur Schau gestellter Gewalt Jahr für Jahr anzieht. Ob Ego-Shooter oder Survival-Horror, fast jedes Genre scheint sich durch das Brechen von Tabus in den Verkaufsolymp katapultieren zu wollen. Mit »Bulletstorm« haut der polnische Entwickler People Can Fly – Schöpfer der »Painkiller«-Reihe – in Kooperation mit Epic Games just in diese Kerbe. Denn dieser Ego-Shooter soll den Spieler ständig dazu motivieren, seine Gegner mit möglichst viel Kreativität und Variantenreichtum um die Ecke zu bringen. Wer Epic Games kennt, wird ahnen, dass das Blutbad technisch extrem attraktiv aufgemacht ist.

Fremde, verrückte Welt
Die Handlung ist bisher nur zu Bruchteilen enthüllt: Hauptdarsteller Grayson Hunt operiert irgendwann im 26. Jahrhundert als Teil der Elite-Friedenstruppe Dead Echo. Doch wegen Befehlsverweigerung wird er vom Föderationsgeneral Serrano ins Exil geschickt, wo er sich zusammen mit seinem ziemlich menschlich aussehende Androiden-Kumpel Ishi Sato seinen Lebensunterhalt als Pirat verdient. Doch das Rad des Schicksals dreht sich auch im 26. Jahrhundert stetig weiter: Zehn Jahre später sichten die beiden verkappten Freibeuter auf einem Streifzug den monströsen Schlachtkreuzer Ulysses, der unter Serranos Kommando steht. Voller Rachegelüste provoziert Grayson einen Unfall, der dazu führt, dass der Antrieb beider Schiffe versagt und sie ins Gravitationsfeld des nahen Planeten Stygia trudeln. Der Absturz ist unausweichlich.
Als Grayson wieder zu Bewusstsein kommt und sich aus dem Wrack seines Raumgleiters schält, findet er sich inmitten einer heruntergekommenen Kulisse wieder. Dabei scheint dieses Ödland ein wahres Paradies gewesen zu sein: Die verspiegelten Glasfassaden und die vielen Straßen und Brücken, die über den Canyons des Wüstenplaneten errichtet sind, zeugen von einer einstigen Hochkultur. Doch die Katastrophe, die diesen Garten Eden augenscheinlich zerstört haben muss, hat gewaltige Spuren hinterlassen. Ein Großteil der Gebäude wurde bis auf die Grundmauern zerstört, von der damaligen Infrastruktur ist so gut wie nichts mehr übrig. Einzig die Flora scheint keinen Schaden genommen zu haben: Die Wege sind gesäumt von meterhohen Kakteen mit gierigen Stacheln, die sich nach frischem Blut sehnen. Zudem lauern in allen Ecken und Winkeln überdimensionierte fleischfressende Pflanzen auf planlose Opfer, um diese im richtigen Moment zu verputzen. Und die menschlichen Überlebenden dieser vernichteten Zivilisation erscheinen wie durchgeknallte Psychopathen im Blutrausch. Sie haben sich zu mehreren Klans zusammengeschlossen und schlachten sich gegenseitig ab, wo sie nur können. Gut, dass wenigstens Graysons Robo-Begleiter Ishi noch intakt ist und klar denken kann. So schnappt sich Grayson seine erste Waffe, ein Sturmgewehr mit dem zynischen Namen Peacemaker Carbine – also Friedensstifter – und macht sich mit seinem Gefährten auf die Suche nach einem Ausweg – und nach seinem Erzfeind, General Serrano, mit dem er noch eine Rechnung offen hat.

Saftiges Feuerwerk
Als das Demospiel beginnt, ist die reine Einzelspieler-Kampagne bereits weiter fortgeschritten: Grayson und Ishi befinden sich oberhalb einer Mine und sehen gerade noch, wie eine bisher unbekannte Zielperson das Gelände mit einem Helikopter verlässt. Via L1-Schultertaste lässt Grayson sein Energie-Lasso aus dem Implantat an seiner linken Hand hervorschnellen und schließt damit einen Türmechanismus kurz. Jetzt heißt es größtmöglichen Schaden anrichten und sich in Windeseile einen Weg auf die andere Seite der Grube bahnen. Grayson schnappt sich ein Seil und rutscht daran in eine der vielen Wellblechbarracken weiter unten. Sofort eröffnet ein mit Propellern angetriebener Flugroboter das Feuer. Die L2-Schultertaste nimmt den Metallschergen genauer ins Visier und nach einem halben Magazin explodiert der Apparat in einem Regen aus zersplitterten Leiterplatinen. Der Boden bricht ein und gibt den Weg zu einer Energiestation frei, deren Eisentür aber von zwei Typen mit Irokesenschnitt verbarrikadiert wird. Ein Problem? Nicht wirklich. Mit seiner Schlitterattacke kommt Grayson in Schwung und kickt per Kreis-Taste direkt aus der Bewegung heraus die schwere Tür aus den Angeln – ganz ohne Munitionsverschwendung zerquetscht die Türe auch gleich die herumlungernden Freaks an der nächsten Wand. »Bad Touch +50« hebt ein kurz auftauchender Schriftzug über der Blutlache den Bonustreffer hervor. Ishi schließt sich mit den Spannungsversorgern der Energiestation kurz und bringt so das gesamte Maschinenkonglomerat zur Überhitzung. Die beiden suchen das Weite, links und rechts von ihnen Explosionen, Grayson schnappt sich das nächste Seil und hangelt sich mit abwechselndem Einsatz von L2- und R2-Schultertaste zu einem höher gelegenen Gebäude, in dem schon die nächsten irren Einheimischen lauern. Mit einem schnellen Kick befördert Grayson den ersten von ihnen den Abgrund herunter – »Vertigo +100«! Als nächstes zückt er den eigentlichen Star der Präsentation: Die Flail Gun verschießt zwei Granaten, die mit einem armlangen Stahlseil verbunden sind. Das explosive Duo kann per Knopf oberhalb des Waffenschafts ferngezündet werden. Was folgt, ist aus technischer Sicht sehr beachtlich, allerdings auch extrem blutig.

Geballte Ladung ohne Tabu
Graysons Geschosse wickeln sich um Hälse, Gliedmaßen und Oberkörper der heranstürmenden Gegner. Den Abzug an der Waffe antippen, das genügt, um den ganzen Haufen pronto in die Luft zu jagen – kein schöner Anblick, zumal die Gegner dank des akkurat berechneten Schadensmodells sehr detailliert in ihre Einzelteile zerplatzen. Der aufploppende Schriftzug »Gang Bang +150« kürt das Blutbad mit einer fetten Belohnung. Ein weiterer Gegner springt, zwei halbmondförmige Klingen schwingend, auf den Helden zu. Doch Grayson erwischt ihn noch rechtzeitig mit seinem Energie-Lasso, zieht den bösen Buben ein Stück an sich heran und tritt ihm seinen Schädel vom Torso. Klar, die Grafikqualität und flinke Dynamik dieser Action überwältigt im ersten Moment jeden Shooter-Veteranen, aber ob dieses Spielprinzip wirklich auf Dauer fesseln kann, ist fraglich. Wie schon angedeutet, bringen einem gewöhnliche Abschüsse nur einen Bruchteil der Kampfpunkten. Wer richtig absahnen will, muss die Angreifer vorher quälen oder auf brutale Weise abschlachten. Und die vielen Trefferzonen der Gegnerkörper tragen ebenso dazu bei wie die unzähligen Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung. So sackt ein Gegner schmerzgekrümmt in sich zusammen, wenn man seine Familienjuwelen perforiert hat; ein anschließender Kopfschuss wird als »Gnade« ebenfalls mit Extrapunkten belohnt. Oder du reißt einen gegnerischen Leib mit einer Flail-Granate direkt über einer fleischfressenden Pflanze in Stücke – »Dünger« nennt sich das dann. Einen explosiven Gegenstand in einen Angreifer kicken? Für diesen Nachbrenner gibt’s 50 Extrapunkte! Und selbst wenn einem dieser überzogene, aber dennoch irgendwie extrem niveaulose Humor anfangs noch ein Schmunzeln entlockt, fragt man sich doch relativ bald: Braucht es das wirklich? Müssen die Grenzen des guten Geschmacks immer noch weiter überschritten werden? Diese erste Kontaktaufnahme mit »Bulletstorm« hinterlässt auf alle Fälle sehr gemischte Gefühle. Denn das Ganze sieht gut aus; wahrlich eine Demonstration dessen, was die neuste Version der Unreal-Engine-3 so alles hervorbringen kann. Irre, mit welch farbenfrohem und eigenständigem Design einen der Planet Stygia binnen Minuten in seinen Bann zieht. Aber momentan sieht es leider ganz so aus, als stecke außer Blut nicht allzu viel Substanz hinter den schönen Bildern. Sicherlich wird das »Skillshot«-System Highscore-Jäger erfolgreich anspornen, wie das vor vielen Jahren schon »Serious Sam« geglückt ist. Aber der Rest scheint uns ein bisschen platt und arm an Spielwitz. Insbesondere würden wir dem Helden mehr Profil und Esprit wünschen. Bisher jedenfalls erinnern seine flachen Böser-Gangster-Sprüche an die Hirngespinste eines Frühpubertierenden nach drei mit »GTA« durchzockten Nächten. Keine Chance im Rap-Battle mit dem Duke. Allerdings ist es ohnehin fraglich, ob es diese Gewaltorgien je nach Deutschland schafft.
Vorschau Killzone 2 - PS3
PS3 Preview Spec Ops - The Line
PS3 Preview The Darkness 2 PS3M sagt:
Geschmacklose Punktejäger-Action für ganz Hartgesottene. Macht technisch viel her, wird in dieser Form in Deutschland aber wohl kaum erscheinen.
Wertungstipp___8.0/10
Leserwertung__9.0/10
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AUF EINEN BLICK___
Publisher Electronic Arts
Entwickler Epic Games/ People Can Fly
Preis
Genre Ego-Shooter
Spieler 1
PSN ja
USK-Freigabe
KURZ UND KNAPP___
Killen mit Methode: Der neue Sci-Fi-Shooter von People Can Fly belohnt spektakuläre Abschüsse.
DAS STECKT DRIN___


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