PREVIEW
Call of Duty: Black Ops
Erstmals enthüllt: Alle Mehrspieler- Details!
Bereits auf den diesjährigen Fachmessen E3 und Gamescom bewies Activision ein geschicktes Händchen für professionell inszenierte Spielepräsentationen. So auch am 1. September 2010. Der Branchenriese lädt PS3M als eines von wenigen deutschen Printmedien in die sonnenverwöhnte Millionenmetropole Los Angeles. Zweck der im California Science Center abgehaltenen Veranstaltung: Erstmals soll der Mehrspieler-Part des für Anfang November angekündigten Ego-Shooters »Call of Duty: Black Ops« enthüllt werden. Kurze Einblicke in die Einzelspieler-Kampagne, die die Sondereinsätze einer Spezialeinheit in Zeiten des Kalten Kriegs inszeniert, gibt es ja mittlerweile zu genüge. Entsprechend dreht sich bei der eröffnenden Präsentation alles um Abschuss-Serien, Waffenmodifikationen und alle übrigen Neuerungen, mit denen Entwickler Treyarch ein für alle Mal die Mehrspieler-Krone für sich beanspruchen möchte. Wissenswert: Fast alle Verbesserungen wurden – und werden noch immer – nach ausführlicher Rücksprache mit der Fan-Gemeinde ins Spiel integriert. Augenscheinlich haben die Amerikaner eine Menge aus der Kritik am Vorgängerspiel »Modern Warfare 2« gelernt. Was also ist wirklich besser? Worin liegen die größten Änderungen und welche Elemente sind kennzeichnend für das neue Mehrspieler-Erlebnis? Fragen, denen Mark Lamia, Chef von Treych, seine Dreifach-C-Fromel entgegensetzt: compete, customize, create. Das heißt übersetzt so viel wie: wetteifern, anpassen, erschaffen.

Innovations-Auftakt
Um dem ersten dieser Worte das passende Gewicht zu verleihen, folgt sogleich die Enthüllung des neuen, eigens für den Mehrspieler-Part entwickelten Trainingsmodus, indem man ausschließlich gegen KI-Gegner antritt. Ursprünglich als reines Entwickler-Werkzeug geplant, kann hier jeder seine Fähigkeiten ausloten und die insgesamt 14 geplanten Mehrspieler-Karten genau ausspionieren, bevor er sich dann gut vorbereitet ins Chaos echter Ranglisten-Gefechte stürzt. Im Offline-Betrieb lassen sich vor den Runden der Schwierigkeitsgrad sowie die genaue Anzahl der Bots einstellen, gegen die man antritt. So soll wirklich jeder die Möglichkeit haben, sich mit den Tücken der Mehrspieler-Schlachten vertraut zu machen, ohne dass er ein frustrierendes Erlebnis nach dem anderen davonträgt. Auch das Freischalten von neuen Waffen und Spezialfertigkeiten ist in diesem Modus möglich, allerdings unabhängig von allen anderen Mehrspieler-Modi, was durch ein separates Ranking-System sichergestellt wird. Besonders interessant: Die Möglichkeit, seine Teamfähigkeiten zu verbessern. Denn bis zu sechs Waffenbrüder können den Matches innerhalb des Trainingsmodus beitreten. Das macht absolut Sinn, schließlich testet der Spieler neue Waffen und Fertigkeiten nun nicht mehr in den oft sehr hektischen Ranglisten-Duellen, sondern innerhalb einer eher stressfreien Umgebung. Gleiches gilt natürlich fürs Kennenlernen der meisten verwinkelten und deshalb anspruchsvollen Karten.
Das Geheimnis hinter dem zweiten C lüftet Mark Lamia mithilfe eines etwa dreiminütigen Video-Trailers. Er gibt Einblicke ins neue, extrem umfangreiche Waffenarsenal von »Black Ops«. Treyarch hat so ziemlich alle Waffenprototypen aus der Zeit des Kalten Krieges zusammengetragen, mit teils sehr abgedrehtem Ergebnis: Flammenwerfer-Aufsätze für Sturmgewehre, Armbrüste mit ferngezündeten Explosivpfeilen und ballistische Messer, die ihre Klinge per Luftdruck verschießen, um nur einige Beispiele zu nennen. Hinzu kommt eine riesige Auswahl an Sprengstoffen sowie Raketen- und Granatwerfern. Diese teilweise recht exotisch anmutenden Schießeisen lassen zwar schon jetzt auf ein nur halbwegs realitätsnahes Spielerlebnis schließen, steigern aber die Abwechslung und den Funktionsumfang des Klasseneditors enorm. Bravo! In direkter Relation zu diesem umfangreichen Waffenarsenal steht auch die Einführung des neuen Bezahlsystems, hier »Call of Duty«-Währung oder kurz »COD«-Währung genannt. Denn nun wird nicht mehr automatisch bei Erreichen eines weiteren Rangs – was nach wie vor durch das Sammeln von Erfahrungspunkten geschieht – neues Ausrüstungsmaterial freigeschaltet. Vielmehr blättern Online-Krieger nun Bares auf den Tisch – ganz egal ob für Waffen, Aufsätze oder andere Ausrüstungsgegenstände. Den Zaster verdient man sich ähnlich wie Erfahrungspunkte, also durch gewonnene Matches und das Erfüllen zusätzlicher Aufgaben. Ein sehr kapitalistischer, gleichwohl begrüßenswerter Ansatz, der nicht zuletzt die Beziehung zwischen dem Spieler und seinem Arsenal intensiviert. Kurzum: Man hängt plötzlich noch mehr an seinen Waffen!

Ballern mit Poker-Flair
In den sogenannten Wager-Matches geht’s dann tatsächlich vorrangig ums Geldverdienen. Gemeint sind vier neue Spielmodi, in denen nicht nur der Beitritt erkauft, sondern auch vor Beginn ein gewisser Betrag gesetzt werden muss. Der Pott wird dann unter den besten drei Spielern der Partie im Prozentverhältnis 50, 30, 20 aufgeteilt – der Rest geht leer aus. Bei jedem Wager-Match-Typ starten alle Spieler mit den gleichen Bedingungen, zuvor freigespielte Waffen und Ausrüstungsgegenstände bleiben ergo außen vor. Auch auf Abschuss-Serien wird bei den Wager-Partien komplett verzichtet. Wie nicht anders zu erwarten, liegt der eigentliche Nervenkitzel somit in der Struktur der vier Modi selbst: Bei »One in the Chamber« etwa startet jeder Spieler mit einer Pistole, nur einer einzigen Kugel Munition, einem Messer und drei Leben. Jeder Kill füllt das eigene Magazin um ein weiteres Projektil. Genaues Zielen und geschicktes Nahkampfverhalten sind also Pflicht, um den Mitstreitern möglichst viele Leben abzuluchsen. Vor allem Westernfans werden diesen Modus lieben, kommt durch die akute Munitionsknappheit doch ein typisches Duell-im-Morgengrauen-Feeling auf.
Der Modus »Sticks and Stones« lässt sich zweifelsohne als die heimtückischste Wager-Match-Variante bezeichnen: Hier erhält jeder Teilnehmer bezeichnende Spezialausrüstung in die Hand gedrückt, nämlich ein ballistisches Messer, die Armbrust und den Tomahawk. Die beiden erstgenannten und schnellsten Waffen der Partie lassen bei erfolgreichem Abschuss die meisten Punkte aufs Konto wandern, ein Nahkampfangriff dagegen die wenigsten. Eine wirklich hundsgemeine Stellung in diesem Konzept nimmt der Tomahawk ein. Grund: Das Punktekonto des Opfers sackt schon bei nur einem Direkttreffer erbarmungslos auf Null ab. Ebenfalls Motivations-fördernd und ein weiterer Grund gezielt auf das Wurfbeil zu setzen, ist die Tatsache, dass das Spiel den jeweils Führenden einer solchen Sticks-and-Stones-Partie auf der Karte mit einer speziellen Markierung hervorhebt. So können selbst Schlusslichter innerhalb der Rangliste den Spieß ruckzuck umdrehen und doch noch auf einen Platz auf dem Siegertreppchen hoffen. Ist wie bereits erwähnt uneingeschränkt hinterhältig, hat sich aber im Praxistest während der anschließenden Mehrspieler-Sitzung als absoluter Stimmungsmacher herauskristallisiert – inklusive lautstarkem Gefluche versteht sich.
Das »Gun Game« starten alle Infanteristen hingegen nur mit einem rostigen Revolver. Jeder Abschuss bringt dem Spieler eine neue, bessere Waffe ein – die Verteilung erfolgt per Zufallsprinzip. Und: Nahkampf-Angriffe mit dem Messer töten den Feind in diesem Modus zwar nicht, stufen dessen Waffenstatus aber immer um eine Stufe zurück. Bis zu zwanzig neue Schießeisen kann man sich so erspielen – wer als Erster mit jeder Waffe einen Abschuss erzielt hat, beendet das Match als Sieger. Wirklich prickelnd ist dieser Modus speziell für erfahrene Spieler, können sie sich doch in Windeseile einen riesigen Vorteil verschaffen und weniger geschickte Teilnehmer ohne Kills auf dem Konto ratzfatz zu Kanonenfutter verarbeiten.
Auch »Sharpshooter«, der letzte Wager-Match-Modus, rüstet alle Spieler mit derselben Waffe aus. Dabei wechseln allerdings die Schießeisen inklusive Aufsätze alle 45 Sekunden – ebenfalls nach dem Zufallsprinzip. Wer Abschuss-Serien einfährt, kann Punkte-Multiplikatoren sowie Perks, also neue Spezialfähigkeiten freischalten. In der letzten Runde innerhalb einer solchen Partie zählen dann alle Punkte doppelt. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick extrem chaotisch und vielleicht sogar etwas zu sinnfrei. Tatsächlich aber ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sämtliche Waffenkombinationen beherrscht, sehr gering. Im Umkehrschluss ergibt sich gerade aus diesem sehr dominanten Zufallsfaktor – also im richtigen Moment gerade die passende Waffe in die Finger zu bekommen – die eigentliche Spannung. Zudem hat man in Sharpshooter-Spielen mit Abstand die besten Möglichkeiten, bis dahin unbekannte Waffenkonstruktionen auszuprobieren und damit einen Blick über den Tellerrand des eigenen, hart erarbeiteten Waffenarsenals zu erhaschen. »Borderlands« lässt grüßen – fein!
All diese neuen Team-Modi kann man zwar nicht wirklich als innovativ bezeichnen, da es sie in ähnlicher Form schon in anderen Ego-Shootern gibt, der Abwechslung sind sie aber in jedem Fall zuträglich und bringen eine äußerst intensive Prise Casino-Flair mit ins Spiel. Allen voran Clanspieler werden aber dennoch das Fehlen von neuen Team-basierten Modi anprangern. Allerdings ist diesbezüglich noch nichts in Stein gemeißelt.

Bleibende Eindrücke
Der Kreis schließt sich, als die Entwickler den letzten C-Punkt auf der Liste, der sich wiederum aus zwei Teilbereichen zusammensetzt, anhand weiterer Videopräsentationen erläutern. Das Modifizieren der eigenen Waffe geht demnach in »Black Ops« so weit, dass man eigene Embleme und Clan-Kürzel auf seinem Equipment anbringt. Und zwar mit einem umfangreicher Editor, mit dessen Hilfe eine Vorauswahl an Bildern gestalterisch kombiniert werden darf. Wie gut das funktioniert, zeigt einer der Entwickler, indem er die beiden Vorderläufe eines sich aufbäumenden Pferdes mit jeweils einer Pistole bestückt und das Ganze farblich anpasst – ganz zur Belustigung der Zuschauer. Man kann also gespannt sein, welch absurden – und bestimmt auch oft nicht jugendfreien – Kombinationen die Spielerschaft diesem witzigen Editor noch entlockt. Die Möglichkeiten erscheinen auf Basis des gezeigten Bildmaterials jedenfalls gigantisch.
Als letzter Punkt der Präsentation steht der neue Kino-Modus auf der Agenda. Denn ähnlich wie in »Halo: Reach« und vorherigen »Halo«-Teilen werden nun auch in »Black Ops« sämtliche Steuerdaten der aktuellen Mehrspieler-Partie gespeichert, um sie anschließend innerhalb eines praktischen Editors zu begutachten. Das Tolle daran: Man kann sich nicht nur in die Ego-Perspektive der einzelnen Teilnehmer beamen, sondern alles sogar mit einer freisteuerbaren Kamera aus Third-Person-Ansicht zu kurzen Filmchen zusammenschneiden. So lassen sich dann mit Leichtigkeit unvergessliche Partien und skurrile Momente festhalten und den konkurrierenden Spielern unter die Nase reiben. Wie genau das fertige Videomaterial veröffentlicht werden soll, stand zwar zum Zeitpunkt der Präsentation noch nicht genau fest, PS3M rechnet aber mit einem ähnlichen Konzept, wie es Bungie mit der »Halo«-Reihe verfolgt. Zusammenfassend wirkt dieser Kino-Modus schon jetzt sehr ausgereift. Auch die Abspielfunktions sind sehr zugänglich. Perfekt also, um das eigene Können sowie das seiner Gegner zu analysieren und daraus die entsprechenden Lehren zu ziehen!

Direkte Konfrontation
Im direkten Anschluss an diese überraschend umfangreiche Eröffnungspräsentation bekommt PS3M endlich einen Controller in die Hand gedrückt. Der Eindruck dieses Erstkontakts? Verdammt nah dran an »Modern Warfare 2«, was Fans prinzipiell begrüßen werden. Bei genauem Hinsehen machen sich die Feinheiten trotzdem schnell bemerkbar: Das Verhältnis von Aktion und Reaktion wurde zum Beispiel durch die verbesserte Physikengine ordentlich aufgepeppt. So fliegen mit einer Schrotflinte aus kurzer Distanz getroffene Gegner gut und gerne einige Meter durch die Luft. Anders formuliert: Die gesamte Ballistik fühlt sich wuchtiger und effektgeladener an als in den Vorgängerspielen.
Nun aber das Beste und sicherlich auch für die meisten »Call of Duty«-Fans Wichtigste zum Schluss: die neuen Abschuss-Serien und die damit verbundenen Spezialangriffe. Drei Abschüsse, ohne selbst umgenietet zu werden, verschaffen beispielsweise Zugriff auf das RC-XD. Mit diesem äußerst wendigen, ferngesteuerten Offroad-Flitzer neue Schleichwege auskundschaften und anschließend eine ganze Traube von Gegnern in die Luft jagen, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Mordsgaudi und lockert das Gameplay prima auf. Auch nett: Mit 11 Kills – damit ist übrigens in »Black Ops« die Obergrenze der maximal möglichen Abschuss-Serie erreicht – kann man entweder selbst den bereits aus der Einzelspieler-Kampagne bekannten Kampfhubschrauber steuern, oder ein ganzes Rudel Kampfhunde auf seine Gegner hetzen. Das alles liest sich nicht nur auf dem Papier wesentlich besser ausbalanciert als der Mehrspieler-Teil von »Modern Warfare 2«, sondern spielt sich auch tatsächlich so. Zumal man jetzt beim Einsatz eines Spezialangriffs zwar immer noch Kills verdient, nicht aber seine Abschuss-Serie erneut aufstockt. Hier ist also noch ehrliches Handwerk gefragt. Und das ist schließlich die beste Voraussetzung für ein faires Match, oder?
Alles in allem hinterlässt der »Black Ops«-Mehrspieler-Komplex somit ein rundum positives Bild mit zeigt viel Mut zur Veränderung. Man merkt einfach deutlich, dass Treyarch endlich aus dem Schatten von Infinity Ward treten und vieles sogar noch besser machen will – mit Erfolg!
Vorschau Killzone 2 - PS3
PS3 Preview Spec Ops - The Line
PS3 Preview Max Payne 3 PS3M sagt:
Technisch ausgereift und spielerisch fesselnd! Könnte ähnlich groß werden wie »Modern Warfare 2«.
Wertungstipp___9.0/10
Leserwertung__9.0/10
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AUF EINEN BLICK___
Publisher Activision
Entwickler Treyarch
Preis
Genre Ego-Shooter
Spieler 1-16
PSN ja
USK-Freigabe
KURZ UND KNAPP___
Kino-Modus, Wettsystem, nie gesehene Spielmodi – die neuen Mehrspieler-Features überzeugen.
DAS STECKT DRIN___

