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Medal of Honor

PS3M infiltriert den Mehrspieler-Modus

Die Sonne brennt, nur ein leichter Windzug zieht über die zerklüfteten Berge von Helmland im fernen Afghanistan. Aus dem spärlichen Schatten schälen sich Helikopter vom Typ UH-60-Black Hawk, Scharfschützen seilen sich ab, sichern das Gelände. Bradley-Schützenpanzer und Soldaten des 6. US-Rangerbataillons fallen über die Taliban-Hochburg herein. Das ist der Auftakt der Mehrspielerbeta des Shooters »Medal of Honor«.
Für Electronic Arts ist die Marschroute klar: Der Präsidentenpalast muss gestürmt und Genrekönig »Modern Warfare 2« entthront werden. Dafür schickt der US-Hersteller sein bestes Shooterteam in die Schlacht: Digital Illusion, kurz Dice, die mit »Bad Company 2« die Verkaufscharts und Herzen der Shootergemeinde erobert haben. Allerdings mit einer komplett zerstörbaren Welt, heftigen Boden- und Luftschlachten mit Panzern und Helikoptern – also ganz anders als die blitzschnellen Schieß-oder-stirb-Gefechte von »Call of Duty«. Wer mal in seine Freundesliste bei PSN schaut, sieht mindestens die Hälfte »CoD« zocken. Können die Schweden diese Übermacht also mit »Medal of Honor« brechen?


Elitäre Betaschlacht
Den Beweis soll eine Beta liefern. Neben der Missionskarte mit vordefinierten Zielen und eher offenem Terrain in den Bergwelten von Helmland gibt es schnelle Action in Kabul, einem typischen Häuserkampfszenario mit Team-Deathmatch-Charakter. Rein in die Beta dürfen nur Käufer der »Bad Company 2«-Spezialedition, Vorbesteller von »Medal of Honor« und ein paar Glückliche, die einen Code ergattern konnten. PS3M macht den Test und schickt auf Seiten der US-Army Captain Ben Mitchell in die Schlacht, für die Taliban Abdul Max Alhazred – die Fronten sind also geklärt.
Mitchell feuert eine Rakete ab, wartet auf den Einschlag und platzendes Mauerwerk – so ist er aus dem Golfkrieg sowie »Bad Company« gewohnt. Zwar hat der Sound richtig Wumms und schlägt das Geschoss mit einer gewaltigen Detonation ins Mauerwerk ein, werden Feinde umhergewirbelt und splittern Fensterscheiben… doch richtig zerlegen lässt sich hier nichts. Wie bitte? Da ackert im Hintergrund die Frostbite-Engine aus »Bad Company« und das meiste bleibt trotzdem intakt? PS3M erklärt im Kasten auf dieser Seite, warum diese Entscheidung durchaus sinnvoll ist.



Die ersten Minuten sind hart, Fließbandsterben gehört zum Tagesgeschäft. Aber genau das macht »Medal of Honor« aus: Man muss verdammt schnell sein, aus der Deckung feuern, sich von Kameraden decken lassen und dann zum nächsten Gebäude rennen – sonst sieht Mitchell die Radieschen schneller von unten als er »Tango auf 12 Uhr« schreien kann. Der Widereinstieg dauert aber nur maximal zwei Sekunden, geht also flott.
Ansonsten entfernt sich Dice extrem von allem, was man so kennt und lieb gewonnen hat, ja dreht fast schon das Rad der Zeit zurück. Zurück in eine Shooterwelt, in der es keine Perks gibt, also Spezialfähigkeiten, um schneller zu rennen, nachzuladen oder Messer zu werfen. Auch die Auswahl an Schießeisen wird zumindest in der Beta massiv reduziert, gerade mal zwei freischaltbare für jede Klasse. Darunter Schrotflinten, Sturm- und Scharfschützengewehre. Ferner gibt es nur drei Klassen, das hat Vor- und Nachteile: Ingenieure, die Panzer reparieren und MG-Stellungen errichten, oder medizinisches Personal fallen weg, dafür sind die Klassen wirklich perfekt ausbalanciert.



Der Sturmsoldat agiert als Spezialist für Sturm- und Maschinengewehre, schraubt Granatwerfer auf sein M16 und setzt auf eine Kombination aus Rauch- und Sprenggranaten. Ideal also für den Häuserkampf, um Gebäude zu stürmen, Missionsziele einzunehmen und zu halten. Die Spec-Ops-Eliteeinheit unterstützt ihn, räumt dicht gedrängte Gegnermengen per SPAS-12-Schrotflinte aus dem Weg und schaltet Panzer aus sicherer Entfernung per Raketenwerfer aus. Gedeckt werden die beiden vom Scharfschützen. Der ballert zu Beginn mit einem halbautomatischem Scharfschützengewehr, dem M21. Eine exzellente Wahl, mit der man schnell einen feindlichen Kopf in den Zoom nehmen, abdrücken und dann weiterrennen kann. Quasi ein Präzisionsgerät für alle, die sich verschanzen und auf ihr Opfer warten wollen.

Scharfschützen nehmen eine Schlüsselposition im Kampf um Helmland ein – nur sie können die Taliban von den MG-Stellungen fernhalten und so ihren Teamkameraden den Sturmangriff ermöglichen. Prinzipiell spielen sich Taliban und US-Einheiten identisch: Die Ak 47 hat eine leicht höhere Schussfrequenz als das US-Pendant M4, verzieht dafür eine Nuance mehr. Gleiches gilt für die Scharfschützengewehre Dragunov und M24; bei beiden sollte man die Luft per Stickdruck anhalten, um direkt zu treffen, nachladen kostet nicht selten das Leben. Etwas befremdlich wirkt zunächst das schmale Portfolio an Aufsätzen. Es gibt nur drei Typen, mit denen sich die Knarren veredeln lassen.
Da wären zum einen klassische Rot-Punkt-Visiere, zum anderen Schalldämpfer und spezielle Munition – Hohlspitz für Scharfschützen, mehr Durchschlagskraft für Schrotflinten. Mag zwar in der Theorie sehr wenig sein, reicht in der Praxis aber locker aus und verhindert allzu übermächtige Waffen. So gelingt der Einstieg vergleichsweise schmerzfrei; egal ob sich jemand gerade erst eine Playstation 3 gekauft oder Profi ist, alle ziehen mit gleichen Vorraussetzungen in die Schlacht.



Schieß, triff, werde belohnt

Beim Erfahrungspunktesystem zeigt sich Dice wenig kreativ und kopiert schlicht und einfach »Modern Warfare 2«. Für jeden Abschuss gibt es zehn Punkte, wer den Schädel trifft, kriegt fünf weitere. Wer beschossen wird und sich erfolgreich verteidigt, wird mit drei weiteren Zählern belohnt. Ebenfalls drei Punkte gibt’s für Schützen, die in direkter Nähe eines missionsrelevanten Objekts einen Treffer landen. Fleißig spielen lohnt sich also. Bravo! Leicht modifiziert wurden die Unterstützungsfähigkeiten wie Raketenangriffe. Während man in »Modern Warfare 2« Abschussserien landen muss, ohne zu sterben, geht’s hier darum, eine bestimmte Punktzahl zu erreichen.

Für jeden Treffer gibt’s zehn Punkte; wer 40 zusammen hat, darf zwischen Mörserschlag und Aufklärungsdrohne wählen. Der Spieler entscheidet also generell, ob er eher aggressiv vorgehen oder Informationen sammeln will. Das eröffnet eine Menge taktischer Möglichkeiten. Offensive Teams schicken den Gegner mit einer lenkbaren Tomahawk-Rakete oder dem Angriff einer Bomberstaffel in die Steinzeit. Wer hingegen sein Team langfristig unterstützen will, setzt eher auf defensive Fähigkeiten, schenkt ihnen Kevlarwesten oder zusätzliche Munition.

Bleibt also die Frage aller Fragen zu beantworten: Kann »Medal of Honor« beim aktuellen Stand der Dinge »Call of Duty« besiegen? Nein, aber etliche Fans abjagen! Allerdings sollte sich Entwickler Dice dringend noch ein paar neue, unverbrauchte Mehrspielermodi ausdenken, die für Langzeitspielspaß sorgen. Eventuell etwas in Richtung »Spezialeinheiten«-Koop-Modus wie in »Modern Warfare 2«. Vielleicht mit einem Squad von fünf Spielern, das taktisch vorgehen muss. Wäre mal eine sinnvolle Weiterentwicklung.
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PS3M sagt:

Cineastisch inszeniert, durchdacht designt. Was fehlt sind große Neuerungen. Der Kampf gegen das übermächtige »Call of Duty« wird richtig hart.

Wertungstipp___8.0/10
Leserwertung__7.33333333333/10

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AUF EINEN BLICK___

EAN:

Publisher Electronic Arts
Preis ab 50 Euro
Genre Ego-Shooter
Spieler 1 - 24
PSN ja
USK-Freigabe unklar

KURZ UND KNAPP___

Nur drei Klassen und sechs Waffen – »Bad Company«-Entwickler Dice greift mit Minimalismus an.

DAS STECKT DRIN___

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www.ps3m.de   www.360-live.de