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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Assassin's Creed 2

Ist Ezio ein würdiger Nachfolger Altaïrs?

Wie die Jungs und Mädels von Ubisoft Montreal auf den Stärken eines der erfolgreichsten Videospiele der letzten Jahre aufbauen, es gleichzeitig um etliche Schwächen erleichtern, das muss ihnen erstmal jemand nachmachen. »Assassin´s Creed 2« kommt deutlich intensiver und packender rüber als das Original vor zwei Jahren, soviel vorweg. Hier vermengt sich ein mittelalterlicher Zeitrahmen mit der Atmosphäre des Geheimnisvollen und Verschwörerischen, eine Atmosphäre wie sie beispielsweise Dan Browns Buch-Bestseller »Sakrileg« verströmt. Nach etwa einer Stunde Spielzeit entfalten sich die Dinge zu einer Größe und Mächtigkeit, dass einem die Sinne schwinden. Stark, was in diesem Spiel alles drin steckt. An Bildern, erhabenen Momenten und hochmotivierendem Gameplay. Leerlauf, Längen und sich wiederholende Sinnlos-Aufgaben? Fehlanzeige, die Fahnen-Sammlerei des arabischen Meuchelmörders Altaïr aus dem Vorgängerspiel ist Geschichte.
Dass durchgespielte Nächte eigentlich ab dem Moment unvermeidlich sind, wo die Disk mit der Beschriftung »Assassin´s Creed 2« in die Konsole gleitet, hängt zu großen Teilen mit der Qualität der Erzählung zusammen; mit der klaren Struktur aus Verrat und Intrigen, der motivierenden Suche nach Antworten.
Der Beginn der Reise
Diesmal reißt´s einen nach Italien, ins Jahr 1476: Europa im Aufbruch, die Republik Florenz als Wiege der Renaissance. Im Mittelpunkt steht das Leben des florentinischen Junggesellen Ezio Auditore. Anfangs ein Schürzenjäger, ein Großmaul, grün hinter den Ohren. Über Dialogszenen, locker zwischen die Missionen eingestreut, wird Ezio Teil eines gut erzählten Konflikts zwischen den beiden verfeindeten Herrscher-Clans Medici und Pazzi. Ezios Familie leidet, er selbst muss flüchten. Stunde um Stunde kommt Ezio den Hintergründen auf die Spur, entlarvt Verschwörer - und lässt sie büßen. Was die Tempelritter damit zu schaffen haben, inwieweit die Kirche und Papst Sixtus darin verstrickt sind, auch das wird beantwortet. Die Rahmenhandlung ist also durch Rätselhaftes geprägt, auf das Gameplay trifft das jedoch eher weniger zu. Das verlässt sich, von ein paar Schiebe- und Bilderpuzzles abgesehen, eher auf Action. Über Dächer turnen, sich erfolgreich dem Ziel nähern, Kämpfe bestehen, so was eben. Bei der Zielfindung helfen: Minikarte, eine per Taste jederzeit abrufbare Zoom-Übersicht inklusive filterbarer und von Hand editierbare Markierungen; plus das jederzeit zuschaltbarer »Adlerauge«, das in Falschfarben Neutrale, Feinde und Opfer kennzeichnet.
Zu Beginn? Ein paar Scharmützel, Wortgefechte, Botenläufe, bei der schönen Cristina Vespucci fensterln gehen – harmloses also. Während die Aufgaben aufeinander folgen, lernt man Zug um Zug das Basis-Gameplay und die Umgebung kennen. Vorerst ist Ezios kleine Welt durch transparente, flimmernde, kurzzeitig passierbare »Energievorhänge« vom Drumherum abgegrenzt – Kenner des Vorgängerspiels wissen, warum: »Assassin´s Creed 2« dient erneut ein skurriles Sci-Fi-Setting als Kontrastprogramm. Nur erfährt man das diesmal gleich zu Beginn, nicht erst per Überraschungseffekt nach Stunden.
Va Bene, ich erledige das
Mit der Zeit öffnet sich die Welt, mehr und mehr Teile von Florenz sind erreichbar. Die anfangs leere Karte füllt sich mit Straßen, Aufgaben und Möglichkeiten. Und wieder fasziniert diese Bewegungsfreiheit. Innerhalb der Grenzen turnt man nahezu ungehindert mit erstaunlichem Tempo herum. Wie Altaïr entwickelt sich Ezio bald zum Läufer, Freikletterer und Parkours-Akrobaten. Er rennt wie schwerelos an Wänden hoch, hangelt an Brüstungen entlang, hechtet über Giebel, stürzt sich in Straßenschluchten. Gottlob erledigt die Figur alles Wesentliche selbst, man gibt lediglich die grobe Richtung vor. Automatisches Erfassen der Umgebung, flottes Ausweichen, sicheres Einschätzen von Entfernungen und Richtungen, all das lernt man mit der Zeit. Sogar die teils dreifache Tastenbelegung ist irgendwann verinnerlicht. Für schnelles Klettern am Turm inklusive kurzer Distanzsprünge eine Schulter- und zwei Feuer-Tasten gedrückt halten, das klappt dann automatisch. Natürlich disqualifiziert sich »Assassin´s Creed 2« damit als Zwischendurch-Spiel. Dennoch, diese mühelose Nutzung des kompletten dreidimensionalen Raums, diese Loslösung von der Ebenerdigkeit, dieses Turnen an Wänden und auf Dächern, das wirkt so spielerisch und leicht! Bravo, vor allem weil man in Anbetracht der gewaltigen Ausmaße der Kulissen mehr Hänger und Steckenbleiber erwarten könnte. Aber es hakt selten.
Tatsächlich fühlt sich »Assassin´s Creed 2« wie ein beschleunigtes »Grand Theft Auto« an – gibt einem also viel Freiheit, zu tun was man möchte. Wer also auf Ezios Schicksal pfeifen, nur heraumlaufen und entdecken möchte, bitte sehr. Durch Erklettern hochgelegener Aussichtspunkte lassen sich viele Sperrgebiete freischalten. Die meisten sind aber doch mit der Handlung verknüpft. Man kann nebenher Schlägereien anzetteln und zu Boden Gegangene berauben; seine Fähigkeiten als Taschendieb perfektionieren; Schatzkisten plündern; gegen Bezahlung Ehebrecher vertrimmen. All das bringt »Florins« ein, florentinische Euros sozusagen. Marketender und Dottores tauschen das Bare gegen Ware: lederne und eiserne Schulter- und Körperpanzer, stärkere Stiefel, Handschutz oder größere Medizinbeutel zur Unterbringung von Heilpaste. Selbstheilungskräfte besitzt Ezio nur in eingeschränktem Maße, ebenso wie Waffen. Seine am Unterarm versteckten Dolche erhält er im Rahmen der Handlung, andere Klingen muss er kaufen. Schön, dass sich ein venezianischer Malchus-Dolch, des Söldners Streithammer oder das altsyrische Schwert nicht nur der Beschreibung nach in Sachen Schaden, Tempo, Schutz unterscheiden. Die Attribute sind tatsächlich spürbar. Bis zu zehn Waffen trägt Ezio bei sich, die Wahl klappt per Schultertaste, Analogstick und Auswahl-Rad blitzschnell.
Vorwärts, Insieme per la Vittoria!
Die anfänglichen Raufereien haben noch etwas Unkontrollierbares und wenig Motivierendes an sich. Aber sobald man nach zwei bis drei Stunden die ersten ernstzunehmenden Waffen besitzt, gewinnt das Kämpfen an Reiz. Ziel erfassen, fechten, blocken, kontern, ausweichen, greifen, zustechen, Gegner zu Boden werfen, von sich stoßen, per Kopfstoß ausknocken: schon die Standard-Gefechte gegen leichte und schwere Wachen, mehrere Mann starke Patrouillen und wieselflinke Diebe setzen angepasste Taktiken voraus. Die Zielverfolgung wechselt auf Kommando zu dem Angreifer, der einem gerade gegenübersteht. Die Gegner-KI geht in Ordnung, bei Fluchtszenen verfolgen einen die Jungs etappenweise hartnäckig. Nobelpreise würden sie dennoch keine gewinnen: Einmal um die Ecke, das reicht oft, damit sich die Verfolger mit verwirrten Stimmen aus der Umgebung trollen. Allerdings kommen einige Sprüche - und andere Dialoge - etwas zu unfreundlich und hart rüber, sind nicht immer treffsicher. Porca Miseria? Schon, aber im Großen und Ganzen kann man der deutschen Übersetzung bzw. Synchronisierung ordentliche Arbeit bescheinigen.
Die Spannung verdichtet sich, je mehr Anschleich- und Attentäter-Methoden Ezio erlernt. Aus versteckter Position die Kehle durchschlitzen; sich von oben auf das Opfer stürzen; kurz zustechen und aus dem Staub machen – da ist Selbstbeherrschung unabdingbar. Du willst unerkannt an Türstehern und Patrouillen vorbeischleichen? Such dir ein Rudel Straßendirnen, misch dich unter sie, mach sie zu deiner Gruppe, schick sie als Ablenkung voraus. Oder wähle »Geld« als Waffe und wirf ein paar Florins unters Volk, sorge für Aufruhr. All das lässt sich praktikabel handhaben. Bei der Einschätzung der Lage helfen optische Signale, etwa Aufmerksamkeitssymbole über den Köpfen der Wachen. Am Ende bleibt einem das Kampfsystem als gut kontrollierbar, variantenreich und genussvoll im Gedächtnis; auch wenn man sich stellenweise die Steuerung unkomplizierter wünschen würde. Ist´s tragisch, dass nach jedem Heldentod etwas Lauferei ansteht? Nein. Die Missionen sind überschaubar strukturiert, die kurzen Ladepausen prima kaschiert; die Zahl der Rücksetzpunkte reicht; nervtötende Massenkampf-Szenen sind selten. Man fühlt sich nie unfair behandelt, muss keinen Frust schieben. Der Schwierigkeitsgrad zeigt sich entgegenkommend; Könner dürften das Ganze eventuell als zu leicht empfinden.
Worte aus Stahl
Dank der Transportmittel bleiben einem aber allzu ausufernde Laufereien erspart. Auf dem Land lassen sich große Distanzen auf dem Rücken vielerorts bereitstehender Gäule bewältigen; gelegentliches Schwimmen macht Laune; außerdem laden Gondeln zum Rudern ein. Und man kann sich an markierten Stationen binnen eines Wimpernschlags an jeden freigespielten Ort teleportieren. Außerdem, so wird gemunkelt, habe der Künstler und Erfinder Leonardo da Vinci in seiner Werkstatt in Venedig ein Fluggerät in Arbeit. Längere Reisen werden in »Assassin´s Creed 2« gerne mal aufgelockert, beispielsweise mit einer Jagdszene an Bord einer Kutsche. Da soll Ezio eben erwähnten da Vinci nach Venedig bringen. Kaum in den Hügeln der Romagna angekommen, reiten Verfolger heran. Die Häscher abhängen, Hindernissen ausweichen, Feuerpfeile umkurven und an Bord Gesprungene abschütteln, das fühlt sich spannend an. Die überzeugende Physik-Simulation bedingt, dass sich die Kutsche bei allzu abrupten Manövern besorgniserregend aufschaukelt – anspruchsvolle Sache.
Aber warum möchte man´s meistern? Weil die Steuerung funktioniert und das Timing stimmt: Diese Mission, genau wie jede andere, ist nicht zu kurz und nicht zu lang, weder stupide noch übertrieben anspruchsvoll. Und sie fügt sich schlüssig in die Rahmenhandlung ein. Leonardo da Vinci wird nicht nur kurz für dieses eine Mal aktiviert, sondern systematisch über mehrere Stunden hinweg als Ezios Ratgeber und Freund der Familie Auditore aufgebaut. Ähnliches gilt für andere Figuren. Nur schade, dass einige davon technisch schlechter gezeichnet sind als andere. Ezios Geschwister beispielsweise kommen zu wenig menschlich rüber und berühren folglich deine Seele kaum. Und obwohl einen das voran gegangene Familiendrama erstaunlich kalt lässt, saugt dich das Ganze auf, zum Beispiel mit vielen schönen Kamerafahrten. Etwa jenen melancholischen Momenten, wenn Ezio das Attentatsopfer erreicht und sein Dolch dessen Fleisch durchbohrt. Dann ist Ezio für einen kurzen Zeitlupen-Moment allein mit dem Sterbenden, hält ihn im Arm und überlässt ihn mit tröstenden Worten seinem Schicksal.
Obwohl sich das Spiel hier und da historische Freiheiten leistet, stimmt das große Ganze. Oft, wenn Namen historischer Figuren fallen – Borgia, Michelangelo, Casanova und mehr – löst das ein wohliges Gefühl aus. Die Erzählung hat Hand und Fuß; die Charaktere sind unverwechselbar skizziert und ihren Gut-und-Böse-Positionen treu. Dabei hält die Erzählstruktur die Zügel straff in der Hand, man kann also nicht frei zwischen den Parteien wechseln. Einen statischen Eindruck machen Ezio, Florenz und Co. deshalb aber nicht, im Gegenteil. Es ist eine Lust, die Veränderungen in den Kulissen und im Verhalten der Menschen auf den Straßen zu beobachten und damit zu experimentieren. Wer etwa offen mordet, nimmt ein Plus an Aufmerksamkeit in Kauf, muss mit achtsameren Häschern und im Weg stehendem Volk rechnen. Dann ist es an der Zeit, zwei bis drei Steckbriefe von den Wänden zu reißen oder Klamotten umzufärben. Faszinierend, wie transparent und nachvollziehbar diese Mechanismen wirken.
Requiescat in pace
Und wie ist´s für Aug´ und Ohr? Flüssiger Grafikaufbau mit 30 Bildern pro Sekunde, nur ganz unauffällige Popups an Gräsern und anderen Details – Kompromiss gelungen. Die Optik sieht derart nach Postkartenidyll aus, dass man am liebsten Fotos schießen und an Freude verschicken möchte. Jedes einzelne Casa ein Schmuckstück aus getünchten Mauersteinen und Ziegeln, geschmückt mit Intarsien aus Holz und Marmor, das meiste davon wunderbar plastisch herausgearbeitet. Die Häuser liegen dicht an dicht, bilden den Raum für das Leben in den Stradas. Menschen aller Rassen – und erstaunlich wenig Klone - spazieren, plaudern, faulenzen. Dazwischen als Blickfang herrliche Skulpturen und Nachbauten florentinischer Sehenswürdigkeiten; die Kathedrale Santa Maria del Fiore, der Piazza della Signoria oder eine mittelalterliche Interpretation der Rialto-Brücke. Hier wie da laden hunderte, ja tausende Fenster und Rahmen, Balken und Dohlen, Mauern und Erker zum Klettern ein. Höhe gewinnen lohnt, schon des Blickes wegen. Diese Aussicht von den Dächern, von den Türmen der Kirchen und Dome: wie weit das reicht! Bis zum Horizont sind Strukturen von Stadt und Land erkennbar; das Grün der Zypressen und das Glitzern des Flusses Arno am Horizont vervollkommnen das Farbspektrum. Dass sich die Bauten aufgrund eines zwar nicht fließenden, immerhin aber schrittweisen bzw. missionsabhängigen Tag- und Nachtwechsels ständig in neuem Licht präsentieren, bildet aber nicht das eigentliche Sahnehäubchen. Nein, das i- und Schlusstüpfelchen unter diesen Reisebericht setzt die Musik. Wundervoll, wie der Soundtrack die häufig wechselnden Tempi und Stimmungen unterstreicht. Vor allem die spannungsgeladenen Momente gewinnen durch Herzschlag-Rythmen gewaltig an Intensität. Ganz großes Kino.
Und außerdem:

- Keine Mehrspieler-Optionen
- 51 Trophäen für Etappenziele, beispielsweise erfolgreiche Attentate, gefundene Assassinen-Gräber, gewonnene Wettläufe. Recht großzügige Ausschüttung: 3 Trophäen sind nach 5 Minuten abgeräumt, die Hälfte hat man nach etwa 10 Stunden
- Gibt´s für Online-Vorbesteller auch als »Black Edition« und als »White Editon« mit eigenem Cover zum Standard-Preis, plus kleiner Ezio-Sammelfigur und Freischalt-Code für Extrakarte »Santa Maria Dei Frari« in Venedig.
- Außerdem als aufwändige, knapp 300 Euro schwere »Limited Edition« in der Sammlerbox, mit limitierter Ezio-Sammlerfigur, drei exklusiven Bonusmissionen, 64-Seiten-Verschwörungsbuch in Lederumschlag und Soundtrack von Jesper Kyd
- Wir rechnen mit mehr Karten und Missionen als Download-Inhalte
Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken

KOMMENTARE:

Newton94
Verdammt gutes Spiel nur das Tearing nervt.
(02.02.10 12:18 Uhr)
scream2010
ich finde die grafick von AC2 eigendlich gar nicht so schlecht
der einziege markel ist
(15.01.10 15:39 Uhr)
scream2010
ich finde die grafick von AC2 eigendlich gar nicht so schlecht
der einziege markel ist
(15.01.10 15:39 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Wundervolle Details, tolle Weitsicht, großartige Animation

9
Sound _____________

Mitreißende Musik, ordentliche Effekte und Synchro

8
Steuerung __________

Teils kompliziert und umständlich, aber flott und vielseitig

8

URTEIL 9.1/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 9
Steuerung __________ 9

URTEIL 9.4 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Ubisoft

Entwickler Ubisoft Montreal

Preis ab 60 Euro

Genre Action-Abenteuer

Spieler 1

PSN ja

USK-Freigabe ab 16 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Großartiges Action-Abenteuer mit viel Atmosphäre und überwältigender Ausstattung.

FAQ

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