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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Blur

Schneller als ein Ritt auf der Kanonenkugel...

Spätestens nach acht Stunden wirst du es spüren. Sobald »Blur« die ersten Veranstaltungen für Audi R8, Koeniggsegg CCX-R und andere Fahrzeuge aus der Gruppe A aufmacht, ist‘s als hätte dich jemand auf einen Marschflugkörper geschnallt. Richtig schnelles Hardcore-Arcaderacing, ein mörderischer Temporausch.
So erklärt sich auch der Titel »Blur«. Der englische Begriff heißt zu Deutsch so viel wie verwischen oder verschwimmen. Und tatsächlich verschwimmen die Eindrücke, wenn du mit einem Gruppe-A-Teil über die Hügel von Hollywood zoomst; in den Schluchten von San Francisco nach Sprüngen gierst; im markanten Straßenbild von Barcelona das Tempo inhalierst. Du reagierst kaum, du funktionierst eher. Zackst wie in Trance nach links, nach rechts, kurzes anbremsen, das Lenkrad hart einschlagen, per Handbremse einen Drift auslösen und halten. Sobald die Fahrzeugfront in Richtung der nächsten Geraden zeigt: die Kreuz-Taste antippen und den Nitroboost loskicken. Sofort reißt‘s dich für ein paar Augenblicke nach vorne, und zwei Zehntelsekunden vor Ablauf des Countdowns querst du das Ziel. Jetzt durchpusten – endlich geschafft!

Aber du gewinnst nur drei Punkte. »Fans«, so nennt sich die andere Währung hier. Punkte gibt‘s für erreichte Spielziele, Fans für spektakuläre Manöver. Also gleich noch mal dasselbe. Wenn diesmal zehn Sekunden übrig bleiben, gäbe das vier Punkte. 20 Sekunden? Fünf Punkte. Wird aber erst klappen, wenn die Reflexe geschult sind.
Und du wirst deine Reflexe schulen wollen, denn »Blur« verkrallt sich in deine Motivation. Welches Rennspiel in den letzten Jahren hat die Stunden derart schnell verfliegen lassen? Allenfalls »Burnout Paradise«. Dabei steckt oberflächlich betrachtet nur wenig drin in »Blur«. Man räumt die Konkurrenz mit Fahrkönnen und Raketen beiseite, wie im Genre üblich.



Eine Mischung aus »Project Gotham Racing« und »Mario Kart Wii«, überspitzt formuliert. Nur stehen statt putziger Kinderkarts eben 70 original lizenzierte, detailgetreu nachgebaute Sportautos am Start. Die Spielmechanik? Leuchtende Symbole auf der Strecke erwischen, bis zu drei der darin enthaltenen Waffen und Powerups an Bord holen und auf Kommando einsetzen. Bemerkenswert, dass sich Minen, Zielsuchraketen, Schilde, Nitroboost und andere Offensiv- und Defensivwaffen so herrlich planbar und taktisch einsetzen lassen. Richtig gut kontrollierbar, der Zufall hat Pause. Egal ob Jäger oder Gejagter, du weißt immer, wo auf der Strecke du welche Extras findest, und kannst entsprechend deine Linie wählen. Schön auch, dass man an dem grundsätzlich simplen Waffensystem – sammeln und feuern – mit der Zeit etliche Feinheiten entdeckt; teils durch Spieltipps, teils durchs Ausprobieren. Beispielsweise lässt sich ein Nitroboost als Stoppbremse nutzen, toll vor engen Kurven. Man kann per Viereck-Taste jederzeit jedes der maximal drei Extras an Bord aktiv schalten; und per Dreieck-Taste Überflüssiges über Bord kippen. Klasse besonders beim Online-Gameplay, wenn der befreundete Mitspieler dringend ein Reparatur-Extra braucht. Diese Kleinigkeiten machen »Blur« so erlebenswert, gerade im Mehrspieler-Modus. Gnadenlos kettet einen das Online-Gameplay mit seiner karriereartigen Struktur an sich!


Die Struktur des Karrieremodus – offline, aber auch online – verdient Hervorhebung. Eigentlich ein klassischer, geradliniger Stufenaufbau. Die erste Karrierestufe mit sechs frei wählbaren Herausforderungen ist zu Beginn freigeschaltet. Weitere Karrierestufen werden erreichbar durch Bestleistungen und Triumphe aller Art. Parallel dazu öffnet sich der Fuhrpark. Erst die Leistungsgruppe D, dann C, B und schließlich A. Das sorgt für einen sanft ansteigenden Schwierigkeitsgrad; ganz unabhängig davon, welchem der drei Basis-Schwierigkeitsgrade man sich stellt. Als Kulissen dienen mal so, mal so abgesteckte Rundkurse in neun hübschen, aber nicht sonderlich spektakulären Kulissen: die nächtliche Skyline von New York City und die sonnige Silhouette von San Francisco zum Beispiel.

Bricht man‘s runter, finden sich in jeder Karrierestufe letztlich Herausforderungen aus drei Gattungen. Rundrennen natürlich, gegen 19 austrainierte, hart kämpfende und fair fahrende Computergegner. Fahrkönnen ist ebenso entscheidend wie Kenntnis der Waffen. Kompliment dafür, dass man fast immer mindestens einen Gegner zu bekämpfen hat. Trotzdem fühlt sich das nie choreographiert an. Kein Gummiband-Effekt, der Jäger künstlich einbremst oder Verfolger beschleunigt. Der Modus »Zerstörung« gleicht einer Hetzjagd: Jage flüchtenden Computergegnern Raketen in den Hintern, das sichert Zeitboni und bremst die Stoppuhr. Ebenso spannend: »Kontrollpunkt«, eine rasante Hatz durch Checkpoints, mit der Stoppuhr als Gegner und Zeitbremsen beziehungsweise Nitroboosts als Helfern.



Tja, und mehr ist da nicht. Neun Karrierestufen mit je sechs Herausforderungen plus Bosskampf, das ergibt unterm Strich 63 Rennen. Klingt nach wenig, fühlt sich aber nach genug an. Warum? Weil es ebenso viele Feinheiten zu entdecken gibt. Zum Beispiel, dass Pfützen und raues Gelände dich bremsen können. Die Fahrzeugwahl ist deshalb umso entscheidender. Ein Hummer-Truck oder ein Käfer-Offroader kommen mit sowas eben spürbar besser klar als ein Lambo oder BMW M3. Hübsch auch, dass »Blur« mit der Zeit etliche Bonusziel-Symbole auf der Strecke platziert. Wer mag, fährt drüber und durcheilt parallel zum Hauptrennen zehn Zeittore oder legt einen 20 Sekunden langen Drift hin. So was gibt richtig viele Extrapunkte. Und man muss gar kein Highscore-Jäger sein, um das prickelnd zu finden. Wie einen das Ganze von einer Karrierestufe zur nächsten lockt; wie Siege, Drifts und coole Manöver mit immer neuen Autos, Fahrzeugklassen, Herausforderungen und Strecken belohnt werden, das ist große Motivationskunst. Funktioniert aber nur deshalb so gut, weil der Spielfluss stimmt. Kurze Ladepausen, Neustarts dauern nur Augenblicke, Schnupperrennen machen Lust auf folgende Karrierestufen.

Da fügt sich eines zum anderen, und das können Muss-alles-perfekt-abschließen-Profis genauso genießen wie Will-nur-mal-sehen-Piloten. Wer bloß durchmarschieren und attraktive Autos ausprobieren mag, bitte sehr. Ist auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad für 12 bis 16 Stunden Spaß gut. Man hat dann vieles gesehen, aber halt nicht alles. Hat vielleicht die Bosskämpfe verpasst, die als rasante Einer-gegen-Einen-Duelle inszeniert sind. Hier erhält nur Zutritt, wer innerhalb einer Karrierestufe vorgegebene Aufgaben meistert: Ramme drei Autos ins Wasser, jage zehn Autos in eine Blitzattacke, so was eben. Dafür braucht‘s dann schon wirklich Reflexe, Fahrkönnen und Kenntnis der Waffen. Wer im Bossduell siegt, kann dessen exklusive Waffenerweiterungen in allen bisher freigespielten Autos nutzen. Vier statt drei Raketen? Ein länger aktives Schild? Klingt nach Kleinkram, macht wegen des oft rassiermesserscharfen Timings aber den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage aus.



Wer danach sucht, wird freilich Kritikpunkte finden. Den kompakten Umfang des Karrieremodus zum Beispiel, oder dass hier letztlich doch nur bewährte Ideen vermengt sind. Wieso gibt‘s kein Tuning, nur das bisschen Umlackieren der Autos? Und wäre nicht auch ein Rahmenprogramm vorstellbar, dass die Bossgegner vorstellt? So sind sie nur profillose Namen, die als Texte über den Fahrzeugdächern schweben. Umgekehrt gibt es etliche Gründe für viel Schwärmerei. Die sehr übersichtliche Struktur des Hauptmenüs zum Beispiel; den geilen Motorsound; die stilsichere Inszenierung der Starts mit vorantreibender Musik, schnellen Schnitten und interessanten Perspektivenwechseln. Letztlich münden alle Pro- und Kontra-Argumente aber in einem Satz: »Blur« schlägt momentan alles im Genre. Begeisternde Droge!
(rl)
Ausgabe:06/10
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test King of Fighters
weiter PS3 Test Lego Harry Potter Die Jahre 5-7
PS3M sagt:
Grafik _____________

Flüssiger und schneller Bildaufbau, attraktive Details

8
Sound _____________

Mitreißender Motorsound, bisschen Begleitmusik. Passt!

8
Steuerung __________

Sehr handlich und präzise, glasklare Bedienung. Tolle Drifts!

9

URTEIL 8.8/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 8
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 9

URTEIL 8.8 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Activision

Entwickler Bizarre Creations

Preis ab 60 Euro

Genre Arcaderacing

Spieler 1 - 20

PSN Ja

USK-Freigabe ab 12 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Der neue Arcaderacer aus der Werkstatt, in der schon »Project Gotham Racing« entstanden ist.

FAQ

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