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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Brütal Legend

Von Experten bestätigt: Mehr Metal gibt’s in keinem Spiel

Da dürfte mancher die Augen weit aufgerissen haben, als der populäre US-Entwickler Tim Schafer im August 2007 seine Pläne für sein neues Vorhaben offenlegte: ein Actiongame mit Heavy-Metal-Thema, just von jenem Mann, der einst für Lucasarts das herrlich schräge, aber nicht im entferntesten schwermetallige Grafikabenteuer »Day of the Tentacle« aus der Taufe gehoben hatte! Wenn man freilich weiß, dass Tim Schafer auch hinter dem mit Witz, Hubraum und Einfällen ebenfalls bestens ausgestatteten Biker-Abenteuer »Vollgas« steht, dann liegt der Gedanke an ein »Brütal Legend« schon nicht mehr ganz so fern...

Um was geht es also? Um den besten Roadie der Welt, Eddie Riggs. Ihn verschlägt es in eine Parallel-Welt, die aussieht wie ein Plattencover von Iron Maiden: schwer, schräg, eisern, skurril. Hier also trifft Riggs auf eine Widerstandsgruppe, die gegen den finsteren Despoten Lord Doviculus und seinen Glam-Metal-Schergen General Lionwhyte ins Feld zieht. Macht Sinn, schließlich wurde - so erzählt es das Introvideo - Eddie vom Oberdämon Ormagöden für die Aufgabe auserwählt. Bleibt die Frage: Ist Riggs Retter oder Zerstörer? Das zeigt sich im Spielverlauf und bis das Finale erreicht ist, wird man ganz großartig unterhalten. Ähnlich wie in seinem letzten Werk »Psychonauts« erschafft Tim Schafer erneut eine ganz eigene Welt mit Heerscharen durchgeknallter Figuren. Das alles kennen zu lernen, das wird nicht nur Fans von hartem Rock und schnellen Riffs begeistern.
Prinzipiell handelt es sich um ein klassisches Action-Abenteuer mit offener Spielwelt. Per Axt und magischer Gitarre schnetzelt Eddie Legionen von Höllenmonstern. Fühlt sich ganz angenehm an, wenn auch nicht ganz so schnell wie etwa in »Ninja Gaiden«. Von den Rebellenführern Lita und Lars Halford nimmt Eddie diverse Aufträge an – zum Beispiel gefangene Headbanger aus der Sklaverei befreien. Schon bald erhält der Roadie Unterstützung, etwa durch die hartgesottene Leder- und Stiernackentypen, die alles aus dem Weg moshen, was nicht bei Zwei von der Bühne ist. Im Verlauf des Spiels kommen weitere Gehilfen dazu, darunter auch durchgeknallte und sexy Groupies. Mit jedem neuen Begleiter lernt Riggs spezielle Koop-Attacken, etwa die praktische Moshpit: da bilden Headbanger einen schützenden Ring um den Roadie herum. Oder die Feuerunterstützung, dann nimmt Riggs die Mädels huckepack und lässt sie wild um sich feuern. Etwas taktische Tiefe kommt ins Spiel, indem man seinen Begleitern per D-Pad Befehle erteilt - einen Aufruf zur Attacke, beispielsweise. Im Spielverlauf kommen etliche solcher Kleinigkeiten zusammen, das anfangs recht geradlinige Gameplay entfaltet mit der Zeit interessante Facetten, verändert etappenweise komplett seinen Charakter. Etwa dann, wenn Eddie mit seinem Hotrod namens »Druid Plow« - zu deutsch: Druiden-Pflug - durch die Steppe fetzt. Ist die Revolte in vollem Gang, gesellen sich strategische Winkelzüge hinzu. Und in dicken Schlachten offenbart sich die ganze Macht des D-Pad, denn damit darf man Horden von Headbangern und Groupies ins Feld entsendet. Diese Schlachten sehen großartig aus, sind aber leider auch mit negativen Gefühlen behaftet. Viel zu oft wird man nämlich ins kalte Wasser geworden, der Spieler hat zeitweise keine Ahnung, was als nächstes zu tun ist. Teilweise übersieht man nur eine winzige Kleinigkeit und ist so den Sieg los. Prinzipiell ist es begrüßenswert, dass sich das Gameplay derart abwechslungsreich zeigt; aber »Brütal Legend« gibt einem manchmal das Gefühl, als könne es sich nicht entscheiden, was es nun genau sein will.
Dafür machen die Bosskämpfe aber so richtig Laune. Etwa gehen ein riesiges Cthulhu-artiges Tentakel-Monster, dem Eddie letztendlich die Axt in den nicht vorhandenen Schädel rammt und danach erstmal Luftgitarre spielt. Jep, wie bereits erwähnt liegt das Highlight vor allem beim Humor im Spiel. Das beginnt bei der eben angesprochenen Szene mit Situationskomik und hört bei herrlich absurden Sprüchen auf. Wenn verdutzte Headbanger Eddie etwa fragen, wie er denn die Revolution starten will, antwortet dieser mit einer lässig im Mundwinkel hängenden Zigarette: »Natürlich mit der Power des Metal!« Zusätzlich lockern zahlreiche Anspielungen auf die Metal-Szene das Geschehen auf, was Kennern ein Grinsen nach dem anderen auf die Lippen zaubert. Aber keine Sorge, auch ohne Hintergrundwissen zündet ein Großteil der Gags. Liegt vor allem an den genialen Sprechern. Die passen zwar auch im Deutschen hervorragend, wer des Englischen mächtig ist, sollte aber unbedingt diese Tonspur vorziehen. Da leisten die Vertoner, allen voran Jack Black, einfach noch bessere Arbeit. Sämtliche Dialoge laufen dabei komplett in der Engine ab. Die Grafik wirkt auf den Blick nicht weltbewegend, der überzogene Stil passt aber, sowohl bei den Figuren als auch bei der Spielwelt. Speziell die Mimik sorgt dafür, dass einem die Charaktere schnell ans Herz wachsen: Ganz egal, ob man mit Eddie entspannt in seinem Hotrod dahin braust oder auf den völlig überforderter Lars Halford trifft, die Gefühlslage der Figuren erkennt man sofort. Und die Spielwelt? Da sind überdimensionale Äxte auf weiten Steppen verteilt, es gibt riesige Knochenhaufen voller seltsamer Schädel und blubbernde Lava-Seen. Jep, das könnte wirklich ein herrliches Plattencover sein. Die Musik? Judas-Priest und Black Sabbath, na klar, aber auch für die Masse eher unbekanntere Bands, etwa Enslaved, Emperor und Carcass, hier sind nahezu alle Facetten des Metals abgedeckt - das belegt außerdem, wie viel Liebe zur Materie in diesem Spiel steckt.

Das alles kombiniert mit einer ganz extremen Gag-Dichte, die sich allerdings nicht bis zum Schluss hält. Aber trotz dieser Macken ist das Ganze einfach so launig, so humorvoll, so spielenswert und unterhaltsam an wie nur selten ein Videospiel. Fans von Tim Schafers Werken kennen das ohnehin nicht anders und können bei dieser Huldigung an die Metal-Musik blind zugreifen. Und auch Metal-Freaks machen nix verkehrt, der kauf lohnt allein schon wegen der herrlichen Gastauftritte von Lemmy Kilmister, Ozzy Osbourne und anderer Metal-Prominenz.
Nicholas Buracas/rl
Ausgabe:11/2009
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken
PS3M sagt:
Grafik _____________

Stilsicher, mehr gibt es nicht zu sagen

8
Sound _____________

Perfekter Soundtrack, tolle Sprecher

9
Steuerung __________

Fix erlernt und passend

8

URTEIL 8.0/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 7
Sound _____________ 9
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.1 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Electronic Arts

Entwickler Double Fine

Preis ab 60 Euro

Genre Action-Abenteuer

Spieler 1 - 8

PSN Ja

USK-Freigabe ab 18 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Wenn Metzelei auf Metal und Jack Black trifft, kommt das hier heraus

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