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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Bulletstorm

Gekürzt und trotzdem gut?

Der Shooter-Markt ist übersättigt. »Call of Duty« und andere Genre-Größen lassen in diesem Sektor keinen Raum für neue Marken. Ungefähr so äußerte sich Cliff Bleszinski, Produzent von »Bulletstorm« und einer der führenden Köpfe bei Epic Games Anfang Februar dieses Jahres. Der Zeitpunkt für eine solche Anspielung war strategisch geschickt gesetzt. Denn schließlich feuert der »Giers of Wohr«- und »Unreal Tournament«-Macher dieser Tage in Koproduktion mit dem polnischen Studio People Can Fly seine neueste Schöpfung in die Regale: den Ego-Shooter »Bulletstorm«. Ein im Original ziemlich blutiges Machwerk – das nach starken Schnitten hierzulande trotzdem eine USK-Freigabe erhalten hat. Wir prüfen, ob diese Verstümmelung überhaupt Sinn machen oder sich der Kauf der USK-Version überhaupt lohnt.
Zunächst zur Story: Grayson Hunt hat sich als berüchtigter Weltraumpirat viele Feinde gemacht und säuft wie ein Loch. Eines Tages schippern Gray und seine Crew in ihrem Klasse-B-Schlachtschiff vom Typ Spectreziellos durchs Weltall und stoßen auf die Ulysses, den gewaltigen Raumkreuzer von General Sarrano. Gray hat dem Kerl vor langer Zeit Blutrache geschworen. Nun scheint der Moment gekommen, sie in die Tat umsetzen. Sofort bläst er zum Angriff – bestimmt auch, weil er total besoffen ist. Natürlich geht alles schief, aber irgendwie schafft‘s dieser Teufelskerl tatsächlich, seine Nussschale so in die Ulysses krachen zu lassen, dass beide Schiffe der Anziehungskraft des nahe gelegenen Planeten Stygia erliegen. Grays Fregatte stürzt als erste ab; nur der Kern seines Trupps überlebt. Doch konnte keiner von ihnen erahnen, dass auf diesem Planeten der Teufel los ist. Das Team findet so etwas wie eine tief gefallene Hochkultur: Die Menschen verhalten sich wie Kannibalen, sehen aus wie Punks auf Steroiden oder mutierten zu Pizzagesichtern. Und sie alle sind im wahrsten Sinne des Wortes »wahnsinnig« gastfreundlich.



Fantastisch bombastisch

Gekämpft wird in »Bulletstorm« ausschließlich aus der Sicht von Gray. Ein wahrer Teufelskerl, der ein paar verdammt coole Moves auf dem Kasten hat: Per Kreis-Taste verpasst du deinen Kontrahenten einen gewaltigen Tritt, ein doppeltes Antippen der Kreuz-Taste katapultiert dich mit einer Blutgrätsche nach vorne. Zum Sprinten dieselbe Taste gedrückt halten – was für ein Tempo! Gleich zu Spielbeginn findet man eine mächtige Energie-Peitsche, mit der sich gezielt Feinde – auch wenn sie hinter einer Deckung kauern – in Nahkampfreichweite ziehen lassen. Das klappt gleichsam mit Objekten. Auf diese Weise kann man sich explosive Gegenstände von überall aus der Spielumgebung herbeiholen und den Freaks direkt vor den Latz kicken.

Primär aber setzt »Bulletstorm« auf wuchtige Kanonen mit übergroßem Kaliber und gewaltiger Durchschlagskraft. Gemeint sind abgedrehte Sci-Fi-Knarren, jede von ihnen mit Sekundärfeuerfunktion. Wie etwa die Flailgun, die zwei mit einer Kette verbundene Granaten verschießt, die sich um Köpfe und Glieder des Gegners winden und dort haften bleiben. Ist das Opfer ordentlich verschnürt, erledigt der Fernzünder den Rest. Ihr Zweitfeuer wiederum schleudert eine alles durchschneidende Kette in Richtung Krawall-Pulk. Der alternative Feuer-Modus des Screamers hingegen platziert eine kleine Raketenladung im Feindeskörper und schickt ihn per Luftpost ins Jenseits – was für ein Feuerwerk! Noch krasser geht’s mit dem Penetrator zur Sache. Eigentlich ein Bergbaugerät, verschießt er rasch rotierende Stahlbolzen, die die bösen Buben an die Innenwände von Gebäuden pinnen. Ergebnis: lebende Ventilatoren! Auch nett: Das Scharfschützengewehr namens Head Hunter verschießt lenkbare Geschosse ähnlich dem Seeker aus »Singularity«. Insgesamt gibt’s sieben einzigartige Schießeisen. Aber damit nicht genug: Gefragt sind Kunstschüsse, sprich die gezielte Verkettung von Aktionen, die dem Gegner Schaden zufügen. Freaks über Abgründe treten, mehrere von ihnen per Sprengsatz in einen Feuerball verwandeln, Exekutionen mit verschiedenen Waffentypen – insgesamt 131 dieser Skillshots sind gelistet und wollen entdeckt werden. Sie alle bringen massig Extrapunkte und – je nachdem wie viele Schergen in die Kettenreaktion verstrickt sind – einen ordentlichen Multiplikator. Die so gewonnen Skillpunkte tauscht man an Versorgungskapseln gegen Munitionsvorräte ein, oder schaltet damit neue Waffen und Sekundärfeuerfunktionen frei. Cool und motivierend zugleich.



Beschnittenes Glück

Kreatives Feind-Ausknipsen ist also Pflicht, um dem Chaos in den Ruinenstädten von Stygia Herr zu werden. An beschriebenem Punktesystem hat sich somit auch in der deutschen Version nichts geändert. Und das trotz grenzwertiger Aktionen wie »Barmherzigkeit«: erst feuert man dem Gegner in die Weichteile, dann erlöst man ihn. Oder »Brennendes Loch« für eine gezielte Ladung zwischen die Pobacken. Die Körperanimationen sind in der deutschen wie auch der internationalen Version absolut identisch. Allerdings fließt in der USK-Fassung kein Tropfen Blut, die Körper der Widersacher lassen sich nicht zerstückeln, verglühen nicht und ihre Leichen zappeln bei Beschuss auch nicht herum. Auswirkungen auf den Spielverlauf hat das zwar keinen, allerdings bilden die Schnitte einen krassen Kontrast zum vom Entwickler ursprünglich beabsichtigten Spieldesign.

Denn nicht nur in den vielen Zwischensequenzen in Spielgrafik stehen Grayson und seine KI-Begleiter im Dialog über das, was um sie herum abgeht. Letztere setzen sich ausschließlich aus derben Sprüchen zusammen, die zwar allesamt witzig und originell daherkommen, sich jedoch gleichzeitig das Prädikat »grenzwertige Fäkalsprache« gefallen lassen müssen. Ganz egal welche Menschen in diesem Spiel aufeinander treffen, sie schimpfen, beleidigen und fluchen was das Zeug hält – Wörter wie »Kackfresse« oder »Pisswichse« sind da keine Seltenheit.



So wirken sich die Schnitte zwar nicht auf die Story und deren Verständnis aus, schaden aber der ganz speziellen Atmosphäre, die durch die kompromisslose Machart in der internationalen Version erreicht wird. Es verwundert einfach, wenn Gray auf verstümmelte Leichen am Wegesrand anspielt, da aber gar keine zu sehen sind. Überhaupt hätte ein wenig Feintuning an der Tonspur wahre Wunder gewirkt, um auch der deutschen Version zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen. Denn die ist durch die Testosteron-getränkte Rambo-Action mit dem fehlenden Blut-Faktor ohnehin schon angeschlagen.

Dennoch: Die gesamte Jagd auf General Sarrano erstreckt sich über etliche Höhepunkte und fein ineinander verwobene Spannungsbögen. Etwa wenn man per Fernsteuerung einen haushohen T-Rex-Robo – von Gray auch Tapsi genannt – durch die Feindbasis stapfen lässt, um hier mit Lasergeschützen mal richtig aufzuräumen. Einfach alles hat episches Ausmaß: Die Architektur der Kulissen ist allerorts kolossal weitläufig und in malerischer Anmut gehalten. In jedem größeren Kampf springen gefühlte 200 Gegner über die Klinge und die Story schildert ganz nebenbei ein zwar fiktives, aber krasses Verbrechen an der Menschheit. Auch das Technikgerüst auf Basis der »Unreal Engine 3.5« leistet Großartiges und feuert mit konstanten 60 Bildern pro Sekunde eine Postkarten-Optik nach der anderen auf den Bildschirm. Entsprechend fällt’s nach kurzer Zeit kaum mehr auf, dass die Charakterzeichnung nicht mehr Tiefe bietet als Abziehbilder aus dem Kaugummi-Automaten. Denn die fetten Boss-Begegnungen, das knappe Dutzend Mini-Spiele in Form von Fahrzeugsequenzen sowie die zahllosen Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielumgebung brennen sich bei jedem ins Hirn ein, der das hier gespielt hat – die derben Sprüche inklusive.

Insgesamt also ein großartiges Actionbrett, das in der deutschen Version nicht ganz so perfekt wirkt wie im Original. Deshalb schlägt an dieser Stelle ein Punktabzug von fünf Zählern nach dem Komma zu Buche. All jene, die auf die Import-Version setzen, können den aber gern wieder zur Gesamtwertung dazu zählen...
Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken

KOMMENTARE:

Sai Hatake Wilk
interessantes spiel aber ob die stori gut ist ?
(23.03.11 21:49 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Grafikgranate mit Details bis zum Umfallen

9
Sound _____________

Fetzige Sounds und gute deutsche Synchronisation

8
Steuerung __________

Als würdest du Marcus Fenix aus der Ego-Perspektive lenken – genial!

9

URTEIL 8.4/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 8
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 9

URTEIL 8.8 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Electronic Arts

Entwickler Epic Games

Preis ab 60 Euro

Genre Ego-Shooter

Spieler 1 - 16

PSN ja

USK-Freigabe ab 18 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Wüste Sci-Fi-Schießerei mit herber Gangart, kranken Sprüchen und einer gehörigen Schippe Selbstironie.

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