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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Colin McRae Dirt 2

Mehr Show, mehr Stars, mehr Schmutz, mehr Spielmodi. Reicht’s für den Saisonsieg?

Marokko, über 40 Grad im Schatten. Der Motor heult auf, kann das Erscheinen der grünen Signalleuchte kaum abwarten. Dein Blick aus dem Cockpit des rot-weiß lackierten Mitsubishi Eclipse GT ist fokussiert. Nichts kann dich jetzt mehr ablenken. Weder das kreischende Publikum am Streckenrand, noch dein seltsamer Totenschädel-Glücksbringer auf dem Armaturenbrett. Dann endlich ist es so weit. Die Ampel springt auf grün, die Kraft von 200 PS drückt dich in den Schalensitz. Ab jetzt ist volle Konzentration gefragt, denn du nimmst an einem Trailblazer-Event teil, einer Solo-Disziplin, die dich mitten durch die nordafrikanische Wüste führt. Kein Co-Pilot, der nützliche Hinweise zum Streckenverlauf preisgibt – nur du, deine Höllenmaschine und die Zeit. Nur wenn du extrem schnell bist, erhascht du vielleicht noch einen Blick auf die Stoßstange des Vordermanns, der zeitversetzt zu dir gestartet ist. 60 Sachen, 120, 180 – schon auf der ersten Gerade erreichst du irrwitzige, für Rallyefahrten eher ungewöhnliche Geschwindigkeiten. Schotterpiste, massive Gesteinsformationen und Grasbüschel rauschen vorbei. Eine faszinierende Kulisse, allerdings durchweg graubraun gefärbt. Hier vorausschauend zu fahren, ist nur noch dank der stets eingeblendeten Karte möglich.
Dann die erste richtig fiese Haarnadel-Kurve. Du leitest einen eleganten Handbremsen-Drift ein, verschätzt dich jedoch mit dem Timing. Unaufhaltsam schlittert das bis jetzt unversehrte Vehikel einer Felswand entgegen. Dann der Aufprall: hart, dumpf, unbarmherzig. Wie eine Ziehharmonika drückt es die linke Seite des Wagens zusammen. Totalschaden! Denkt man sich zumindest in den ersten Sekunden, bis Renn-Kollege Dave Mirra die Nützlichkeit der Sofortwiederholung anpreist. Mit der Funktion lassen sich Unfälle aller Art einfach zurückspulen. Moment mal, Sofortwiederholung? Hochgeschwindigkeits-Solo-Rennen durch die Wüste? Dave Mirra? Was hat Codemasters mit dem neuen »Dirt«-Spiel angestellt? Klingt mittlerweile nach einer Mischung aus »Race Driver Grid«, Extrem-Sport-Events und vielen neuen Gesichtern. Stimmt auch. Doch keine Sorge, nach unzähligen Tagen mit der Testversion des Spiels können wir alle Zweifler beruhigen: Der Sinneswandel funktioniert hervorragend und macht richtig Lust auf Vollgas, Drifts und weite Sprünge. Selbst wenn das klassische Rallye-Zeitfahren im Karriereverlauf mehr und mehr durch viele andere Spaßdisziplinen in den Hintergrund gedrängt wird.
Alles neu?
Zum Beispiel die Disziplin Gate Crasher. Sie verlangt das Rammen von dutzenden Schaumstoff-Barrieren, die in regelmäßigen Abständen auf einer Von-A-nach-B-Strecke verteilt sind. Für jede geplättete Barriere regnet’s Bonussekunden auf das Zeitkonto. Wer nach Überqueren der Ziellinie die meisten Restsekunden vorweisen kann, ist der Sieger. Erinnert ein bisschen an die Hütchen-Fahrten aus »Project Gotham Racing« und macht vor allem aus der Cockpit-Perspektive mächtig Spaß. Oder »Last Man Standing«, hierzulande besser bekannt als Ausscheidungsrennen: sechs Fahrer, eine Arena, und eine gnadenlos rückwärts tickende Uhr. Nach 60 Sekunden katapultiert’s den Letztplatzierten aus dem Rennen, dann alle 20 Sekunden den nächsten am hinteren Ende der Platzierungsliste. Anspannung pur. Vor allem wenn nachts gerast wird, durch die Wahl eines höheren Schwierigkeitsgrades nur ein oder zwei Rückspul-Joker – statt fünf auf »Leicht« – zur Verfügung stehen und der Wagen schon beim Start sichtlich ramponiert wurde. Apropos ramponieren: Auf Wunsch lässt sich das Schadensmodell von »vollständig« auf »nur optisch« ändern – semmelt man dann bei voller Fahrt gegen ein Hindernis, sind keine Einschränkungen in Fahrverhalten und Geschwindigkeit zu befürchten. Bleiben die schweißtreibenden Dominanz-Rennen. Auch hierbei handelt es sich um eine Rundkursdisziplin, die in großen Arenen ausgetragen wird. Gefahren wird im Pulk, wie in gut der Hälfte aller Herausforderungen während der Karriere. Die Rennstrecke ist in Sektoren unterteilt. Wer in der Mehrzahl der Sektoren die schnellste Zeit herausfährt, gewinnt. Durchhaltvermögen, möglichst wenig Zusammenstöße und gute Kenntnisse der Strecke sind damit Grundvoraussetzungen für einen Platz auf dem Siegertreppchen.
EP sind Trumph
Noch mehr Erfahrungspunkte gefällig? Dazu kann man so genannte Aufträge erfüllen: hier 500 Punkte für das Abfahren von insgesamt 80 km Strecke, da 200 Punkte für insgesamt zehn Salto Mortale, dort 1000 Punkte fürs Umnieten von 500 Umweltobjekten. Ein durchdachtes Konzept, dass die Motivation auf konstant hohem Level hält. Immer wieder ertappt man sich dabei, in der Auftragsliste nachzuschauen, wofür man in Kürze neue Erfahrungspunkte einstreichen wird. Gedanken wie »noch sieben Überholmanöver, dann winken weitere 1000 Erfahrungspunkte und damit der Zugang nach China« schwirren durch den Kopf, wecken Erinnerungen an so manches Rollenspiel.

Wie sehr einen das Ganze packt, jedenfalls sofern man keine waschechte Simulation erwartet, merkt man spätestens an solchen Dialogen: »Liebling, wenn du jetzt noch einmal vom Erreichen irgendwelcher Erfahrungslevel sprichst und nicht gleich die Konsole ausschaltest, dann weißt du ja, wo du diese Woche schlafen darfst – auf der Couch!« Hm, in diesem Fall vielleicht sogar keine so schlechte Idee.
Sönke Siemens
Ausgabe:09/2009
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken
PS3M sagt:
Grafik _____________

Schnell, spektakulär, vortrefflich modellierte Lizenz-Fahrzeuge

8
Sound _____________

Feinste Motorengeräusche, toller Alternative-Soundtrack

8
Steuerung __________

Griffig, geradlinig, genial – und komplett konfigurierbar

9

URTEIL 8.6/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.9 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Codemasters

Entwickler Codemasters

Preis ab 60 Euro

Genre Rennsimulation

Spieler 1 - 8

PSN Ja

USK-Freigabe ab 6 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Rallye trifft Extremsport – eine Liaison, die nicht nur im Mehrspieler Früchte trägt.

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