TEST
Crysis 3
Dschungelkönig oder Georgina?
Kamelblut trinken und Schafshoden essen?
Dschungelprüfungen für Anfänger! Die wirklichen Gefahren lauern nicht im australischen Z-Promi-Camp, sondern im New York des Jahres 2047, wo die fiese CELL-Corporation ihr Unwesen treibt. PS3M spannt den Cyber-Bogen und nimmt dich mit in die grüne Betonhölle.

Am Horizont wölbt sich die gigantische Kuppel des Liberty Dome, durch deren wabenförmige Struktur fahle Sonnenstrahlen einfallen. Einige von ihnen tänzeln über die tiefblaue Wasseroberfläche der gefluteten Bürgersteige, andere brechen sich auf den dunklen Visieren der maskierten CELL-Truppen, die in den Häuserschluchten patrouillieren. Wie giftgrüne Venen schlängeln sich überdimensionale Ranken die ruinösen Hochhausfassaden entlang, Beton und Stahl sind eine Symbiose mit der exotischen Fauna eingegangen. Im Manhattan des Jahres 2047 ist der urbane Dschungel wortwörtlich zu nehmen, überragen riesenhafte Bäume die nunmehr überwucherten Straßenzüge. Der Bau des Liberty Dome ist der aus »Crysis 2« bekannten CELL-Corporation geschuldet. Angeblich dient die Kuppel dazu, das Gebiet von den Spuren der außerirdischen Invasoren Ceph zu reinigen, die 23 Jahre zuvor New York attackierten. In der Zwischenzeit ist CELL zu einer übermächtigen Institution aufgestiegen – ganz zum Unmut von Protagonist Prophet. Der ist überzeugt, dass CELL mit gefährlicher Ceph-Technologie experimentiert und diese Operationen unter dem Schutz des Liberty Dome sowie dem dort verbauten Sicherheitssystem HADES durchführt. Zudem ist er sich sicher, dass die Aliens entgegen der Aussagen von CELL nicht ausgelöscht wurden: Visionen des Alpha Ceph, dem Anführer der Extraterrestrischen, plagen seinen Geist, denn in Prophets Hightech-Rüstung Nanosuit 2.0 schlummert unter anderem auch Alien-Technologie. Zusammen mit seinem Raptor-Teamgefährten Michael »Psycho« Sykes dringt Prophet in die Kuppel ein, um CELL endgültig das Handwerk zu legen.

Mach mir den Predator
Sonderlich viel Tiefgang bietet diese Story freilich nicht, beschwört sie im Verlauf der rund achtstündigen Kampagne doch lediglich die altehrwürdige Weltende-Thematik. Wirklich störend ist das bei einem derart auf Action getrimmten Titel wie »Crysis 3« nicht. Ebenso wenig wie der leicht pathetische Handlungsstrang rund um Hinterkopf-Tattoo-Träger Psycho, der in einem grausamen Eingriff von CELL-Wissenschaftlern bei vollem Bewusstsein aus seiner Nanosuit geschnitten wurde. Nicht nur, dass Psycho wegen der Vorgänge in den Skinning Labs – zu Deutsch Häutungslabore – auf Rache an seinen Folterern sinnt: Der Hitzkopf hat zudem damit zu kämpfen, fortan als gewöhnlicher Mensch in die Schlacht ziehen zu müssen. Protagonist Prophet hingegen muss sich der Frage stellen, wie viel von ihm überhaupt noch menschlich ist und ob seine mit Ceph-Technologie bestückte Nanosuit 2.0 nicht bereits die Kontrolle übernommen hat. Immerhin: Er trägt damit die fortschrittlichste Hardware überhaupt am Leib. Mit Hilfe dieser Hightech-Rüstung ist es dem Helden möglich, einen auf Harry Potter mit Tarnumhang zu machen und nahezu unsichtbar zu werden. Möglich wird der Zaubertrick durch Nanofasern, die die Umgebung scannen und diese Bilder dann auf die Oberfläche des Nanosuit übertragen. Folglich kannst du den von Hause aus extrem actionlastigen, trotz einiger weitläufiger Gebiete linear angelegten Ego-Shooter der deutschen Entwicklerschmiede Crytek auch verstohlen angehen. Wer den Schleichansatz wagt, löst viele Situationen subtiler. Um CELLs elaboriertes Verteidigungssystem zu schrotten, muss Prophet den Fulton Hydrodamm sprengen. Ein Geschwader Helikopter durchschneidet den blauen Himmel, Betonruinen spiegeln sich im kühlen Nass der überfluteten Umgebung. Gelber Signalrauch steigt auf, während ein Trupp Soldaten die Lage im Gebiet bespricht. Von seiner erhöhten Position aus steht es Prophet offen, ob er direkt angreift oder unauffällig vorgeht. Dank Nanosuit kann nun in den Visier-Modus gewechselt werden, in dem Feinde hervorgehoben sind – in diesem Modus kann Prophet zwar nicht feuern, jedoch Gegner markieren, die außerhalb des Visier-Modus nun durch Umrandungen hervorgehoben sind. Ist dies getan, aktiviert er die Tarn-Matrix des Nanosuit. Sodann werden seine Waffe und der – für den Spieler freilich nicht einsehbare – Rest seines Körpers von einem Daten-Cluster überzogen und verschmelzen mit der urbanen Dschungellandschaft. Gleichzeitig nimmt eine Energieleiste am Bildschirmrand langsam ab. Bei völliger Entleerung ist die praktische Unsichtbarkeit dahin. Während das Abfeuern einer gewöhnlichen Waffe die Leiste augenblicklich leersaugen würde, verhält sich das mit Prophets permanent verfügbaren Hightech-Bogen gänzlich anders. Mit Druck auf Steuerkreuz rechts fährt das metallische Mordinstrument in einer superben Animation zu voller Größe aus. Das Spannen des Cyber-Bogens klingt eher nach knirschenden Metallzähnen denn nach einer Sehne, bevor der Pfeil davonschießt und eine CELL-Maske durchbohrt. Der Clou: Durch das Abfeuern des Predator-Bogens bleibt die Tarn-Matrix erhalten. Wenn du also als unsichtbarer Hightech-Krieger durch niedergebrannte Bauruinen, meterhohes, sich im Wind wiegendes Gras kriechst und mit schnellen Stealth-Kills Söldnern von hinten das Genick brichst, fühlst du dich mitunter tatsächlich wie die tödlichen Aggressoren aus den »Predator«-Filmen – großes Atmosphäre-Plus!

Befriedigend auch die Möglichkeit, verschiedene Pfeiltypen einzusetzen: Geschosse mit elektrischer Pfeilspitze können in Tümpel geschossen werden und darin umherwatende Feindsoldaten brutzeln, Explosivbolzen hingegen CELL-Männern das Fliegen lehren. Dadurch fühlt sich das Schleichen, gerade in weitläufigen Arealen, ungemein intensiv an. Kehrseite ist allerdings, dass sich die Energieleiste viel zu schnell wieder regeneriert und Crytek es dem Spieler zu leicht macht, die Tarnfähigkeit auszunutzen. Trotz dieses kleinen Balancing-Problems macht die Tarn-Matrix im Zusammenspiel mit dem Bogen Laune und hebt »Crysis 3« etwas von Genre-Standardkost ab.

Mach mir den Arnie
Wer Herumkreuchen albern findet, braucht sich nicht zu sorgen. An keiner Stelle des Spiels wird man zum Tarnen gezwungen, sodass »Crysis 3« auf Wunsch wie ein regulärer Shooter gespielt werden kann. Zusätzlich oder je nach Spielweise auch alternativ zum Tarnmodus kann via L1-Taste die Rüstung Prophets verstärkt werden, sodass Treffer zunächst Nanosuit-Energie rauben, bevor es an Prophets Gesundheit geht. Und wer keine Cyber-Bögen mag: Unter dem Liberty Dome stehen Prophet jede Menge Knarren zur Verfügung. Die Auswahl reicht von gewöhnlichen Sturmgewehren wie dem 4-Millimeter-Geschosse spuckenden SCAR Mod 2, dem vollautomatischen Maschinengewehr Mk. 60, über das futuristische, mit zehn Läufen bestückte Schnellfeuer-Gewehr Typhoon, bis hin zum taktischen L-Tag-Granatenwerfer. Ganze 26 Todesbringer zuzüglich Granaten und Sprengsätze karrt Entwickler Crytek zur Waffenschau an – alle Achtung! Shooter-Fans dürften zudem angesichts der zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten frohlocken. Bei fast jedem Kugelspucker können Feuermodus und Aufsätze per Halten der Select-Taste dem persönlichen Geschmack angepasst werden. Da wundert es nicht, dass sich einige unschöne Doppelbelegungen ergeben – Granaten werden etwa über zweimaliges schnelles Antippen der Dreieck-Taste ausgewählt. Da wird deutlich, dass die »Crysis«-Serie ihre eigentliche Heimat auf dem PC hat. Diesen kleinen Makel verzeiht man aber ob der komfortablen Einstellungsmöglichkeiten gern – spätestens dann, wenn man eine der fantastisch designten Alien-Waffen in den Händen hält. Gegen Mitte der Handlung greifen nämlich die ausgelöscht geglaubten Ceph an. Neben dem normalen Grunt-Fußvolk besteht deren Armee unter anderem aus Flammen-spuckenden Scorcher-Drohnen, getarnten Stalker-Einheiten und mit X-Pac-Mörser bewaffneten schweren Einheiten, doppelt so groß wie Prophet. Haucht man denen mit besonderen Tötungen – einem Kopfschuss oder einem Meuchel-Kill – das Leben aus, explodieren sie nicht wie bei einem gewöhnlichen Mord. Stattdessen bleibt ihr außerirdischer Körper erhalten und sie lassen organisch wirkende Waffen fallen – Favorit von PS3M: Der Reaper, ein Plasmawerfer mit Propeller-artigem Lauf – Wahnsinn! Die fünf Arten der Alien-Waffen sind echte Design-Highlights und spielen in einer Liga mit denen eines »Unreal Tournament« oder »Prey«.

Großstadt-Hölle
Dass Crytek hingegen erneut New York als Schauplatz ausgewählt hat, bleibt gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die manchmal suboptimale Gegner-KI, die CELL-Jungs und Aliens oft seltsame Laufrouten und den plumpen, direkten Angriff wählen lässt. Und obgleich die Frankfurter Entwickler den Spieler durch Kanäle, auf Dämme, in düstere Sumpfgebiete oder ein schlicht großartiges finales Level schicken: Bei der optischen Vielfalt wäre noch mehr drin gewesen. Nichtsdestotrotz verdient die generelle Optik des Spiels größtes Lob: Angetrieben von Cryteks hauseigenem Grafikmotor »Cry Engine 3« zeigt sich das zerstörte New York von seiner besten Seite. Irre hübsche Spiegelungen und Lens-Flare-Effekte auf Prophets Visier machen die Rüstung spürbar, vermitteln dir als Spieler das Gefühl, selbst in der Nanosuit 2.0 zu stecken. Fantastische Lichtbrechungen zieren die Oberflächen des überall präsenten Wassers, Stiefelschritte der CELL-Soldaten sorgen für realistische Wellenkreise. Dazu sich wiegende Flora, detaillierte Beschilderungen und imposante Hochhausfassaden: klasse! Selbst wenn hier und da mal eine matschige Textur das Bild ziert und auch mal Objekte aufpoppen: »Crysis 3« sieht an vielen Stellen schlicht atemberaubend schön aus und fasziniert regelmäßig durch ein grandioses Effektgewitter. Handwerklich gelungen ebenfalls die elektronisch angehauchte Musik, das Sounddesign sowie die Sprecher – zumindest im beim Test ausschließlich vorliegenden englischen O-Ton. Die deutsche Verkaufsversion wird jedoch eine lokalisierte Tonspur enthalten. So bleibt ein Shooter, der in seinem Kern nicht ganz so überragend ist, wie er ausschaut, aber dennoch in der Oberliga spielt, durch tolle Spielbarkeit glänzt und zeigt: Action made in Germany macht auch 2013 Laune! Die urbane Dschungelprüfung besteht Crytek jedenfalls mit Bravour.

Am Horizont wölbt sich die gigantische Kuppel des Liberty Dome, durch deren wabenförmige Struktur fahle Sonnenstrahlen einfallen. Einige von ihnen tänzeln über die tiefblaue Wasseroberfläche der gefluteten Bürgersteige, andere brechen sich auf den dunklen Visieren der maskierten CELL-Truppen, die in den Häuserschluchten patrouillieren. Wie giftgrüne Venen schlängeln sich überdimensionale Ranken die ruinösen Hochhausfassaden entlang, Beton und Stahl sind eine Symbiose mit der exotischen Fauna eingegangen. Im Manhattan des Jahres 2047 ist der urbane Dschungel wortwörtlich zu nehmen, überragen riesenhafte Bäume die nunmehr überwucherten Straßenzüge. Der Bau des Liberty Dome ist der aus »Crysis 2« bekannten CELL-Corporation geschuldet. Angeblich dient die Kuppel dazu, das Gebiet von den Spuren der außerirdischen Invasoren Ceph zu reinigen, die 23 Jahre zuvor New York attackierten. In der Zwischenzeit ist CELL zu einer übermächtigen Institution aufgestiegen – ganz zum Unmut von Protagonist Prophet. Der ist überzeugt, dass CELL mit gefährlicher Ceph-Technologie experimentiert und diese Operationen unter dem Schutz des Liberty Dome sowie dem dort verbauten Sicherheitssystem HADES durchführt. Zudem ist er sich sicher, dass die Aliens entgegen der Aussagen von CELL nicht ausgelöscht wurden: Visionen des Alpha Ceph, dem Anführer der Extraterrestrischen, plagen seinen Geist, denn in Prophets Hightech-Rüstung Nanosuit 2.0 schlummert unter anderem auch Alien-Technologie. Zusammen mit seinem Raptor-Teamgefährten Michael »Psycho« Sykes dringt Prophet in die Kuppel ein, um CELL endgültig das Handwerk zu legen.

Mach mir den Predator
Sonderlich viel Tiefgang bietet diese Story freilich nicht, beschwört sie im Verlauf der rund achtstündigen Kampagne doch lediglich die altehrwürdige Weltende-Thematik. Wirklich störend ist das bei einem derart auf Action getrimmten Titel wie »Crysis 3« nicht. Ebenso wenig wie der leicht pathetische Handlungsstrang rund um Hinterkopf-Tattoo-Träger Psycho, der in einem grausamen Eingriff von CELL-Wissenschaftlern bei vollem Bewusstsein aus seiner Nanosuit geschnitten wurde. Nicht nur, dass Psycho wegen der Vorgänge in den Skinning Labs – zu Deutsch Häutungslabore – auf Rache an seinen Folterern sinnt: Der Hitzkopf hat zudem damit zu kämpfen, fortan als gewöhnlicher Mensch in die Schlacht ziehen zu müssen. Protagonist Prophet hingegen muss sich der Frage stellen, wie viel von ihm überhaupt noch menschlich ist und ob seine mit Ceph-Technologie bestückte Nanosuit 2.0 nicht bereits die Kontrolle übernommen hat. Immerhin: Er trägt damit die fortschrittlichste Hardware überhaupt am Leib. Mit Hilfe dieser Hightech-Rüstung ist es dem Helden möglich, einen auf Harry Potter mit Tarnumhang zu machen und nahezu unsichtbar zu werden. Möglich wird der Zaubertrick durch Nanofasern, die die Umgebung scannen und diese Bilder dann auf die Oberfläche des Nanosuit übertragen. Folglich kannst du den von Hause aus extrem actionlastigen, trotz einiger weitläufiger Gebiete linear angelegten Ego-Shooter der deutschen Entwicklerschmiede Crytek auch verstohlen angehen. Wer den Schleichansatz wagt, löst viele Situationen subtiler. Um CELLs elaboriertes Verteidigungssystem zu schrotten, muss Prophet den Fulton Hydrodamm sprengen. Ein Geschwader Helikopter durchschneidet den blauen Himmel, Betonruinen spiegeln sich im kühlen Nass der überfluteten Umgebung. Gelber Signalrauch steigt auf, während ein Trupp Soldaten die Lage im Gebiet bespricht. Von seiner erhöhten Position aus steht es Prophet offen, ob er direkt angreift oder unauffällig vorgeht. Dank Nanosuit kann nun in den Visier-Modus gewechselt werden, in dem Feinde hervorgehoben sind – in diesem Modus kann Prophet zwar nicht feuern, jedoch Gegner markieren, die außerhalb des Visier-Modus nun durch Umrandungen hervorgehoben sind. Ist dies getan, aktiviert er die Tarn-Matrix des Nanosuit. Sodann werden seine Waffe und der – für den Spieler freilich nicht einsehbare – Rest seines Körpers von einem Daten-Cluster überzogen und verschmelzen mit der urbanen Dschungellandschaft. Gleichzeitig nimmt eine Energieleiste am Bildschirmrand langsam ab. Bei völliger Entleerung ist die praktische Unsichtbarkeit dahin. Während das Abfeuern einer gewöhnlichen Waffe die Leiste augenblicklich leersaugen würde, verhält sich das mit Prophets permanent verfügbaren Hightech-Bogen gänzlich anders. Mit Druck auf Steuerkreuz rechts fährt das metallische Mordinstrument in einer superben Animation zu voller Größe aus. Das Spannen des Cyber-Bogens klingt eher nach knirschenden Metallzähnen denn nach einer Sehne, bevor der Pfeil davonschießt und eine CELL-Maske durchbohrt. Der Clou: Durch das Abfeuern des Predator-Bogens bleibt die Tarn-Matrix erhalten. Wenn du also als unsichtbarer Hightech-Krieger durch niedergebrannte Bauruinen, meterhohes, sich im Wind wiegendes Gras kriechst und mit schnellen Stealth-Kills Söldnern von hinten das Genick brichst, fühlst du dich mitunter tatsächlich wie die tödlichen Aggressoren aus den »Predator«-Filmen – großes Atmosphäre-Plus!

Befriedigend auch die Möglichkeit, verschiedene Pfeiltypen einzusetzen: Geschosse mit elektrischer Pfeilspitze können in Tümpel geschossen werden und darin umherwatende Feindsoldaten brutzeln, Explosivbolzen hingegen CELL-Männern das Fliegen lehren. Dadurch fühlt sich das Schleichen, gerade in weitläufigen Arealen, ungemein intensiv an. Kehrseite ist allerdings, dass sich die Energieleiste viel zu schnell wieder regeneriert und Crytek es dem Spieler zu leicht macht, die Tarnfähigkeit auszunutzen. Trotz dieses kleinen Balancing-Problems macht die Tarn-Matrix im Zusammenspiel mit dem Bogen Laune und hebt »Crysis 3« etwas von Genre-Standardkost ab.

Mach mir den Arnie
Wer Herumkreuchen albern findet, braucht sich nicht zu sorgen. An keiner Stelle des Spiels wird man zum Tarnen gezwungen, sodass »Crysis 3« auf Wunsch wie ein regulärer Shooter gespielt werden kann. Zusätzlich oder je nach Spielweise auch alternativ zum Tarnmodus kann via L1-Taste die Rüstung Prophets verstärkt werden, sodass Treffer zunächst Nanosuit-Energie rauben, bevor es an Prophets Gesundheit geht. Und wer keine Cyber-Bögen mag: Unter dem Liberty Dome stehen Prophet jede Menge Knarren zur Verfügung. Die Auswahl reicht von gewöhnlichen Sturmgewehren wie dem 4-Millimeter-Geschosse spuckenden SCAR Mod 2, dem vollautomatischen Maschinengewehr Mk. 60, über das futuristische, mit zehn Läufen bestückte Schnellfeuer-Gewehr Typhoon, bis hin zum taktischen L-Tag-Granatenwerfer. Ganze 26 Todesbringer zuzüglich Granaten und Sprengsätze karrt Entwickler Crytek zur Waffenschau an – alle Achtung! Shooter-Fans dürften zudem angesichts der zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten frohlocken. Bei fast jedem Kugelspucker können Feuermodus und Aufsätze per Halten der Select-Taste dem persönlichen Geschmack angepasst werden. Da wundert es nicht, dass sich einige unschöne Doppelbelegungen ergeben – Granaten werden etwa über zweimaliges schnelles Antippen der Dreieck-Taste ausgewählt. Da wird deutlich, dass die »Crysis«-Serie ihre eigentliche Heimat auf dem PC hat. Diesen kleinen Makel verzeiht man aber ob der komfortablen Einstellungsmöglichkeiten gern – spätestens dann, wenn man eine der fantastisch designten Alien-Waffen in den Händen hält. Gegen Mitte der Handlung greifen nämlich die ausgelöscht geglaubten Ceph an. Neben dem normalen Grunt-Fußvolk besteht deren Armee unter anderem aus Flammen-spuckenden Scorcher-Drohnen, getarnten Stalker-Einheiten und mit X-Pac-Mörser bewaffneten schweren Einheiten, doppelt so groß wie Prophet. Haucht man denen mit besonderen Tötungen – einem Kopfschuss oder einem Meuchel-Kill – das Leben aus, explodieren sie nicht wie bei einem gewöhnlichen Mord. Stattdessen bleibt ihr außerirdischer Körper erhalten und sie lassen organisch wirkende Waffen fallen – Favorit von PS3M: Der Reaper, ein Plasmawerfer mit Propeller-artigem Lauf – Wahnsinn! Die fünf Arten der Alien-Waffen sind echte Design-Highlights und spielen in einer Liga mit denen eines »Unreal Tournament« oder »Prey«.

Großstadt-Hölle
Dass Crytek hingegen erneut New York als Schauplatz ausgewählt hat, bleibt gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die manchmal suboptimale Gegner-KI, die CELL-Jungs und Aliens oft seltsame Laufrouten und den plumpen, direkten Angriff wählen lässt. Und obgleich die Frankfurter Entwickler den Spieler durch Kanäle, auf Dämme, in düstere Sumpfgebiete oder ein schlicht großartiges finales Level schicken: Bei der optischen Vielfalt wäre noch mehr drin gewesen. Nichtsdestotrotz verdient die generelle Optik des Spiels größtes Lob: Angetrieben von Cryteks hauseigenem Grafikmotor »Cry Engine 3« zeigt sich das zerstörte New York von seiner besten Seite. Irre hübsche Spiegelungen und Lens-Flare-Effekte auf Prophets Visier machen die Rüstung spürbar, vermitteln dir als Spieler das Gefühl, selbst in der Nanosuit 2.0 zu stecken. Fantastische Lichtbrechungen zieren die Oberflächen des überall präsenten Wassers, Stiefelschritte der CELL-Soldaten sorgen für realistische Wellenkreise. Dazu sich wiegende Flora, detaillierte Beschilderungen und imposante Hochhausfassaden: klasse! Selbst wenn hier und da mal eine matschige Textur das Bild ziert und auch mal Objekte aufpoppen: »Crysis 3« sieht an vielen Stellen schlicht atemberaubend schön aus und fasziniert regelmäßig durch ein grandioses Effektgewitter. Handwerklich gelungen ebenfalls die elektronisch angehauchte Musik, das Sounddesign sowie die Sprecher – zumindest im beim Test ausschließlich vorliegenden englischen O-Ton. Die deutsche Verkaufsversion wird jedoch eine lokalisierte Tonspur enthalten. So bleibt ein Shooter, der in seinem Kern nicht ganz so überragend ist, wie er ausschaut, aber dennoch in der Oberliga spielt, durch tolle Spielbarkeit glänzt und zeigt: Action made in Germany macht auch 2013 Laune! Die urbane Dschungelprüfung besteht Crytek jedenfalls mit Bravour.
Ausgabe:03/13
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Dead Island: Riptide
PS3 Test Injustice: Götter unter uns PS3M sagt:
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Grafik _____________
Wunderschöner Großstadtdschungel dank Cry Engine 3 |
9 |
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Sound _____________
Überragendes Sounddesign, treibende Musikuntermalung |
9 |
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Steuerung __________
Geschmeidig und trotz Doppelbelegungen krisenfest |
8 |
URTEIL 8.5/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 9 |
| Sound _____________ | 9 |
| Steuerung __________ | 9 |
URTEIL 6.5 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher Electronic Arts
Entwickler Crytek
Preis ab 50 Euro
Genre Ego-Shooter
Spieler 1 - 16
PSN ja
USK-Freigabe ab 18 Jahren
KURZ UND KNAPP __
Deutsche Handwerkskunst mit Außerirdischen, einem zerstörten Big Apple und Hightech-Spielzeug.

