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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Darksiders

Apokalyptisches Action-Rollenspiel im Test

Dieses Spiel bringt alles mit: Fantasy, offene Welt, erfrischende Schnetzeleien, temporeiche Balleraction, dicke Bossgegner ? und einen Held, der Harpyien zum Frühstück verspeist
Verbeuge dich, Unwürdiger. Denn ich bin Krieg, der Reiter der Apokalypse. Wer bist du schon? Ein Mensch, der auf seiner Couch sitzt und glaubt, ich würde nach links rennen, wenn du das wünschst. Oder springen. Oder töten. Was hast du in den letzten 20 Stunden geleistet? Glaubst du das ist ein Actionspiel? Ich habe tausenden Harpien die Flügel ausgerissen. Ich habe die Fledermauskönigin Tiamat besiegt, die riesige Vogelspinne, den Sandwurm, die…

Eines macht Krieg bei diesem Action-Rollenspiel mit seinen Ansagen vom Start weg klar: Menschen sind Staub, Menschen sind Maden. Wie gut also, dass »Darksiders« keinen menschlichen Helden zum Dreh- und Angelpunkt macht. Sondern eben Krieg als Heldenfigur, und die Apokalypse als Schauplatz. Im biblischen Sinne, wobei sich die Macher viele Freiheiten lassen. Die weiteren Reiter »Krankheit« und »Hunger« bleiben außen vor, und »Tod« hält sich in der Nebenrolle. In handwerklich gut gemachten Zwischensequenzen erzählen stellenweise exzellente Synchronsprecher von der Offenbarung des Johannes, der Endschlacht zwischen den Legionen der Hölle und der himmlischen Armee. Eigentlich soll die Menschheit an deren Ende für ihre Sünden bezahlen – doch der alles vernichtende Meteoritenhagel trifft die Erde zu früh. Aber wer hat aufs Knöpfchen gedrückt? Der Rat, eine höhere Macht und Konzil aus Felsfiguren, befindet Krieg für schuldig, beraubt ihn seiner magischen Kräfte, gibt dem Reiter jedoch die Chance den wahren Unhold zur Strecke zu bringen. Die Geschichte ist spannend, kommt später richtig in Fahrt, entwickelt sich zu einem epischen Konflikt, erzählt von Verschwörung, Verrat und Intrigen.


Aller Anfang ist blutig
Der Oberbösewicht? Nennt sich Zerstörer. Um gegen dessen Höllenlegionen zu siegen, muss Krieg zunächst zu alter Stärke finden, sein Streitross Ruin befreien und seine alten Waffen zurückerlangen, den dämonischen Revolver und den Kreuzklingenbumerang. Doch auch zu Beginn ist Krieg nicht machtlos: Mit schnellen Kombos, mächtigen Hieben und seinem alles zerquetschenden Tremor-Handschuh schneidet und zerteilt er Mutanten wie überreife Früchte. Er wirft muskelbepackten Kolossen Autowracks an den Kopf, lässt magische Schwerter aus dem Boden sprießen, hechtet agil von Vorsprung zu Vorsprung, klettert Wände empor und löst kleine Schieberätsel. Statt wie in »Bayonetta« in eine lineare Welt eingeschlossen zu sein und von Bosskampf zu Bosskampf zu hetzen, öffnet sich die postapokalyptische US-Großstadt von »Darksiders« – ähnlich wie in Activisions indiziertem Actiongame mit dem Mensch-Mutanten-Prototypen – von Level zu Level, bietet viel Raum zum Erkunden. Es warten feuchte, unterirdische Tunnelsysteme, Portale in die Hölle oder unterirdische Seen, in denen seltene Artefakte verborgen liegen. Schlussendlich gibt es keine Grenzen mehr, Krieg bekommt Flügel verliehen, reitet Greifen, setzt Ketten zum Überwinden von Abgründen ein, findet mehr und mehr Waffen und tötet damit unzählige Mini-, Zwischen- und Endbosse in sechs riesigen Arealen, den Dungeons. Hier finden sich die Hauptmissionsziele. Wie man zu jedem gelangt, verrät eine Karte. Mit ihrer Hilfe lokalisiert der Spieler wichtige Bezugspersonen wie Höllenfürst Samael oder den Steingolem, die wiederum Mordaufträge vergeben. Wählbare Nebenmissionen gibt’s indes keine.


Die Dungeons selbst sind so stimmig erbaut, wie man es nur selten erlebt: Diese harten Linien, die Detailverliebtheit, die Mischung aus Manga und Comic. All das haucht Szenarien wie beispielweise der Gotikkathedrale oder den später folgenden Lava-Ebenen etwas Erhabenes ein. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg und der Einstieg ist langatmig. Es warten zu viele tumbe Herausforderungen wie »Töte 60 Gegner in einer Minute« und dergleichen. Solche Aufträge erfüllt, werden Tore zu neuen Bereichen geöffnet. Nächste Gameplay-Säule: Die für jeden Kill vergebenen Seelenpunkte. Sie füllen den Lebensbalken und werden in je zwölf passive Fähigkeiten wie Schadensmaximierung, Gift- oder Feuerresistenz, sowie zwölf aktive Fertigkeiten wie Spezialschläge, Sprungattacken oder den Klingensturm investiert. Mit letzterem mäht Krieg herrlich flüssig animiert durch Feindhorden. Ähnlich wie in »Sacred 2« werden die Spezial-Angriffe komfortabel in vier Slots auf dem Digipad geschoben. Das rund ums Seelenkonzept gestrickt Wirtschaftssystem wirkt durchdacht – zumindest für Entdecker. Wer etwa einen der 28 Orden der Totenlegion findet, sackt direkt mal 240 Seelen ein. Alle anderen dagegen verteufeln die Sammelei. 3500 Seelen will Händler Vulgrim für die mächtige Chaossense. Dafür 1000 Mutanten töten? Das kann dauern! Obwohl der Schwierigkeitsgrad kaum nennenswerte Stolpersteine in den Weg legt. Selbst auf »apokalyptisch« kommt man gut voran.


Von Blut und Bossen
Warum also das hier spielen? Weil es so wahnsinnig atmosphärisch ist und einen mit cleveren Tricks immer weiter lockt. Beispiel Kathedralen-Level: Hier brechen plötzlich zwei mächtige Gegner durch die Decke. Der eine ein blutroter Koloss, sieht aus wie Satan, mit riesigen Schwingen. Der andere: Abadon. Anführer der himmlischen Heerscharen, die nicht gerade mit Leier und Goldkleidchen daher kommen, sondern mit Laser-ähnlichen Waffen kämpfen. Für ein paar Sekunden sieht man die beiden, sie winden sich am Boden, verbeißen sich wie tollwütige Hunde- und verschwinden wieder gen Dachgiebel. Boah, da will ich hin, dem will ich einheizen – denkt der Spieler. Dem Bosskampf so nahe, doch vorher wollen noch zwei Zwischenbosse gelegt werden. Das hier inszeniert die sechs Endschlachten als Trophäe, die man sich hart erarbeiten muss. Der Eisritter ist schnell geknackt – flink mit der R1-Schultertaste einen Satz nach rechts machen, den Schlägen ausweichen, angreifen, zurückziehen. Das ein paar Mal, schlussendlich den Todesschlag mit Kreis-Hämmern einleiten – der Kerl zerfällt in zwei Hälften. »Darksiders« mag’s blutig, die Gewalt wirkt jedoch so überzogen, dass die deutsche Version ungeschnitten erscheinen kann. Ohnehin treibt eher die Abwechslung. Schon im nächsten Moment zertrümmert ein Monstrum in besagter Szene die angrenzende Mauer. Ein riesiger, fetter Troll, dessen Kopf glatt als Eiterbeule durchgeht. Der Kerl hat schlechte Manieren, schmeißt mit Säulen um sich und schnappt sich einen Käfig – will Krieg erwischen. Quicktime-Event, schnell gegen den Käfig stützen, dann mit Kreis und R1-Schultertaste raus rollen. Doch was erspähen Kriegs rachsüchtige, weißfunkelnde Augen da? Fußballgroße Eiterblasen, die grün blinken. Optimal für die Kreuzklingen, eine Art Bumerang. Mit Feuer tut’s doppelt weh, daher lädt Sadist Krieg seine Waffe erst energetisch auf, zielt dann mit dem rechten Stick auf eine Fackel, visiert jede einzelne Wunde an – R2 drücken, schon saust der Bumerang los, entzündet erst sich selbst und dann den grölenden Eitermann. Clever: Aus dem Eiter krabbeln wiederum Mutanten, die ihren Herrn mit Giftatem unterstützen. Da Krieg nun schnell ausweichen und kaum noch in den Nahkampf gehen kann, setzt er auf zwei bleihaltige Argumentationsverstärker: die dämonischen Revolver. Speziell dieser stete Wechsel zwischen Nah- und Fernkampf fordert, aber warum zur Hölle haben die Bossgegner keine Lebensanzeige? Man weiß nie, wie viele Schläge der Kerl noch verträgt; das nervt. Und dennoch spielt man immer und immer weiter: Weil »Darksiders« gar nicht mehr aufhört einem neue Waffen zum Malträtieren der Gegnerschar anzubieten: Maschinenpistole, Raketenwerfer, Plasmastab. Später verwandelt sich Krieg auf Knopfdruck gar für kurze Zeit in den apokalyptischen Reiter, eine Feuerbestie. Vorher will allerdings sein Pferd Ruin befreit werden. Das pechschwarze Streitross trampelt Gegner nieder und gibt den Bosskämpfen Dampf. Insgesamt also eine richtig gute Action-Schlachtplatte, die sich allerdings zu viel Zeit lässt: Der Anfang zieht sich mit unendlichem Kleinvieh-Häckseln, erst nach drei, vier Stunden kommen die richtig, dicken Bosse. Doch durchhalten lohnt sich! Wirklich!
Benjamin Kratsch
Ausgabe:01/10
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter Ps3 Test Mafia 2
weiter PS3 Test Kane & Lynch 2

KOMMENTARE:

Ofenbürste
Dem kann ich nur zustimmen. Klasse Game.
(13.01.10 15:51 Uhr)
allzweckjack
ich sag nur: zuschlagen. top titel!
(12.01.10 17:34 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Flüssige Action, unverwechselbarer Stil, tolles Figurendesign

8
Sound _____________

Mystisch, furchteinflößend, orchestral und voller Höhepunkte

8
Steuerung __________

Fließender Nahkampf, aber hakelige Balleraction

7

URTEIL 8.3/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 8
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.6 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher THQ

Entwickler

Preis ab 60 Euro

Genre Action-Rollenspiel

Spieler 1

PSN Nein

USK-Freigabe ab 18 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Schnetzeln, ballern, klettern, fliegen und reiten – cineastisch inszeniert, mit biblischem Hintergrund.

FAQ

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