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 TEST 

 

Enslaved

Einmal Endzeit und zurück

Du denkst, Nathan Drake ist ‘ne coole Sau? Draufgängerisch, gutaussehend, auch mal einen Spruch auf den Lippen? Vergiss den Milchbubi, und mach dich bereit für Monkey. Das ist der Held aus Namco Bandais neuestem Actionabenteuer »Enslaved: Odyssey to the West«. Der verspeist Drake zum Frühstück und spült anschließend mit der Coolness eines Richard D. Riddick nach. Dieser Monkey ist sowas von derb, einzigartig und aberwitzig – sein Charme wäre ein bereits mehr als ausreichender Grund, ihm ein komplettes Spiel zu widmen. Doch »Enslaved« hat noch viel mehr kauzige Charaktere und Ideen im Schlepptau – nur ein Grund, warum das Game in der Redaktion eingeschlagen hat wie eine Bombe. Ein weiterer Grund: Das hier spielt sich so flott und mühelos wie »Uncharted« – eine gesunde Gameplay-Mischung aus Klettern, Kämpfen und Rätseln aus Third-Person-Ansicht also. Doch »Enslaved« bringt sehr wohl auch eigene Ideen mit. Zum Beispiel die frische, unverbrauchte Story. Angesiedelt in New York City, 150 Jahre nach einem gigantischen Roboter-Krieg, sind nur noch wenige Teile der Ostküstenmetropole besiedelt. Kleine Kolonien entstanden, wo die Menschen glaubten, in Sicherheit zu sein. In Sicherheit vor den noch immer durch die Lande ziehenden Kriegsrobotern, die Jagd auf alles Lebende machen. Aber seit einiger Zeit bedroht ein weiterer Feind den Frieden: Sklavenjäger. Die verfrachten Menschen auf fliegende Schiffe und bringen sie nach Westen – von wo noch nie jemand zurückgekehrt ist. Bis jetzt. Denn dem eigenbrötlerischen Monkey mit den leicht affigen Gesichtszügen und der steilen Sturmfrisur gelingt die Flucht. Mithilfe der ebenfalls gefangen genommenen Technik-Göre Trip, die mit einem Kurzschluss im System dafür sorgt, dass die Türen in die Freiheit offenstehen. Ein Traumstart für ein Dream-Team? Weit gefehlt! Denn nach einem abenteuerlichen Absturz und einer langen Ohnmacht erwacht Monkey mit einem fiesen Gedankenkontroll-Stirnband um den Kopf. Wer ist für diese Scheiße verantwortlich? Natürlich Trip, das süße, kleine, rothaarige Mädel mit dem kessen Augenaufschlag – dieses Biest! Um die Wirkung des Stirnschmucks mit Monkeys eigenen Worten zu beschreiben: »Sie hat mich versklavt. Wenn ich nicht tu, was sie sagt, fügt sie mir Schmerzen zu. Wenn ich dann immer noch nicht spure, bringt sie mich um.« Treffend, überaus treffend. Fortan ist Monkeys Leben an das von Trip gebunden. Stirbt sie, muss auch er dran glauben. Auch, wenn der wenig zivilisierte, raubeinige Monkey Trip jetzt am liebsten den Kopf abreißen und in den Hals kacken würde – er muss ihr gehorchen. Zumindest, bis er sie zurück in ihr hunderte Kilometer entferntes Kolonisten-Dorf gebracht hat, das ist ihre Bedingung.



Kommando: Hilf mir!
Dass diese Zweckgemeinschaft, so spinnefeind sich die Helden zu Beginn auch sein mögen, im Spielverlauf zu einer engeren Beziehung wird, versteht sich quasi von selbst. Giften sich Trip und Monkey zu Spielbeginn noch mit makaberen Sprüchen an, entwickeln sie sich später zu einer Art Pärchen wider Willen. Schön, dass das Spiel dabei die schnulzigen Momente immer locker durch den Kakao zieht – und der Grobhobel Monkey sich seine Gefühle sowieso nicht eingestehen mag. Das Ergebnis: herrlich komische Dialoge und Ingame-Zwischensequenzen – übrigens in toll vertontem Deutsch – die ein bisschen an Peggy und Al Bundy aus »Eine schrecklich nette Familie« erinnern. Zum Brüllen! Genauso, wie die tolle Mimik übrigens, die dank Motion-Capturing beinahe lebensecht wirkt. Grandios!
Zähneknirschend macht sich das ungleiche Duo also auf den Weg – und der ist beschwerlich. Anders als in vielen anderen Endzeit-Szenarien kämpfen sich die Helden hier nicht durch Schutt, Asche und graue Trümmer, sondern durch ein zerstörtes Amerika, das die Natur zurückerobert hat. Das ehemalige Chrysler Building ist von grünen Ranken überwuchert, der Hudson River hat sein geradliniges Flussbett verlassen und strömt nun mit reißenden Fluten querfeldein. Was für ein krasses, atemberaubendes Design! Einfach mal den Blick schweifen lassen und staunen – das kommt hier richtig fett!
Monkey ist‘s gewohnt, sich allein durch diese unwegsame Wildnis zu schlagen, macht die Not zur Tugend und benützt rostige Straßenlaternen, wackelige Neonreklameschilder und bröckelige Häuserfassaden als Kletterobjekte. So gelangt er wie ein Äffchen an der Liane ohne größere Probleme von A nach B und macht dabei auch noch eine umwerfend coole Figur. Wie der »Prince of Persia« hangelt er an korrodierten Regenrinnen entlang, die schüttere Skyline von New York City im Auge und das Ganze locker lässig nur mit Antippen der Kreuz-Taste: Mann, fühlt sich das geil und geschmeidig an!
Die schwächliche Trip hingegen, die ihr Leben lang hinter sicheren Dorfmauern verbracht hat, muss da passen. Zum Glück ist die Umgebung schon so morsch, dass Monkey mit schierer Muskelkraft einen Weg für Trip ebnen kann. Hier tritt er ein rostiges Gitter lose, dort kullert er eine Baustoffröhre über einen klaffenden Abgrund – irgendwie geht’s immer weiter. Wenn auch nicht immer sofort ersichtlich. Manchmal ist nicht nur Körper- sondern auch Hirnakrobatik nötig, um den richtigen Weg zu finden; und natürlich auch gutes Teamwork. Monkeys und Trips gegensätzliche Fähigkeiten aus Muskelkraft und Köpfchen spielen nur allzu oft herrlich zusammen. Zwar kann der Spieler Trip nie selbst steuern, wohl ihr aber über die L1-Schultertaste Befehle erteilen. Zum Beispiel irgendwo einen Schalter umzulegen, im richtigen Moment loszulaufen oder das Gebiet mit einer Radar-Libelle auf Minen zu scannen. Auch ohne echten Koop-Partner macht das eine Mords-Gaudi, den richtigen Kniff rauszukriegen und mit den Möglichkeiten zu spielen. Tolle Motivationskurve! Währenddessen kann Monkey seine Muskeln spielen lassen, riesige Container aus dem Weg räumen und Gegner mit seinem Kampfstab kurzschließen.



Kommando: Greif an!
Denn die Gegner in »Enslaved« sind nicht aus Fleisch und Blut. Es sind Kampfroboter, sogenannte Mechs, die mit Schneid- und Schusswaffen und scharfen Blechzähnen angreifen. Da gibt es Schild-Mechs, Funk-Mechs, Standgeschütz-Mechs, Abrissbirnen-Mechs – eben alles, was das tödliche Roboter-Repertoire so hergibt. Mit blinder Zerstörungswut kommt selbst der hünenhafte Monkey hier nicht weit. Stattdessen gilt es, die Umgebung nach Deckungsmöglichkeiten abzusuchen und mit der Kurzschluss-Attacke die Stromkreise der Blechkameraden kurzfristig lahmzulegen. Kämpfen mit Grips, das funktioniert großartig! Schild-Mechs müssen zum Beispiel von hinten attackiert werden, wo ihr Schild nicht wirkt. Funk-Mechs sollten hingegen immer zuerst ausgeschaltet werden, denn sie funken in wenigen Sekunden nach Unterstützung – die auch nie lange auf sich warten lässt. Ein paar leichte Schläge mit der Viereck-Taste und ein knallharter Überkopf-Finalschlag mit dem Dreieck-Knopf sorgen aber schon bald im wahrsten Sinne des Wortes für Funkstille. Wie es sich für künftigen Elektroschrott gehört kracht’s und explodiert’s bei diesen Gefechten an allen Ecken und Kanten. Ein wahres Effekt-Feuerwerk aus Blech und Maschinenöl – toll! Wenn’s doch mal ganz brenzlig wird, holt man sich bei Trip über das Befehlsmenü Hilfe. Der Rotschopf kann mit einer Art Laserpointer grelle Lichter zur Ablenkung projizieren und zieht so die Aufmerksamkeit der Robos für kurze Zeit auf sich. Spielt sich sehr flott und sehr präzise. Hat Monkey es hingegen mit mehreren Blechfeinden zu tun, sollte er auch stets sein Plasmaschild mit Druck auf die R1-Schultertaste zuschalten. Doch Obacht, die Energiereserven des Elektro-Schutzes halten nicht ewig. Das bringt richtig schöne Spannung rein! Neben Monkeys eigenem Leben, das bei jedem dieser Kämpfe auf dem Spiel steht, gilt es aber in erster Linie, die schwächliche Trip zu beschützen. Leider hat die Göre aber ein Talent dafür, das Unglück förmlich anzuziehen. Kaum lässt man sie aus den Augen, hängt ihr schon ein »C-Dog« an den Fersen. Na toll! Jetzt muss alles sehr schnell gehen. Fluchs wird Trip huckepack genommen und los geht eine wilde Verfolgungsjagd entlang des Hudson Rivers. Wahnsinn, wie cineastisch die Kamera hier mitzieht. Der C-Dog rammt immer wieder umherstehende Baukräne, Schrauben, Stahlträger und alte Ölfässer fliegen dem Duo um die Ohren, drohen, sie unter sich zu begraben. Erinnert glatt an den letzten »Terminator«-Kinostreifen! Von Momenten wie diesen hat »Enslaved« Dutzende im Gepäck. Das ist ganz großes Kino zum Mitspielen!



Kommando: schönere Texturen!
Was du bis jetzt gelesen hast, klingt doch verdächtig danach, als könnte »Enslaved« selbst ein »Uncharted« locker in die Tasche stecken? Stimmt. In puncto Gameplay, Story, Charaktere und Kinoflair steht dieses Actionabenteuer der großen Sony-Produktion in nichts nach. Wohl aber auf technischer Seite, denn hier liegt die große Schwachstelle. Die zugrunde liegende Unreal-Engine sorgt bisweilen für sehr matschige Texturen, die stellenweise erst nach und nach aufpoppen. Ein Optik-Faux-Pas, der das eigentlich so herausragende Design der Umgebungen und Animationen runterzieht. Das soll aber nicht heißen, dass »Enslaved« hässlich wäre. Ganz im Gegenteil: Die Szenerien begeistern mit viel Liebe zum Detail, mit Ideen und Charme – genau wie die Charaktere. Und im schnellen, fetzigen Gameplay fallen die schmierigen Ziegelsteinwände und die verwaschenen Grasflächen kaum ins Auge. Wohl aber, wenn sich Monkey gerade an einer solchen in Deckung klemmt und die Kamera sehr nah heranzoomt. Hier dürfen die Macher gerne mit einem Patch nachbessern. Bitte. Unbedingt.
Und ansonsten? Gibt’s einfach nix zu meckern. Punkt.
Ausgabe:10/10
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken
PS3M sagt:
Grafik _____________

Herrlich bunt und neuartig, leider schwächelnde Texturen

8
Sound _____________

Sehr gute deutsche Sprecher und musikalische Untermalung

9
Steuerung __________

Schön flott und mit zahlreichen Aktionsmöglichkeiten.

9

URTEIL 9.0/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.9 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Ninja Theory

Entwickler Namco Bandai

Preis ab 60 Euro

Genre Actionabenteuer

Spieler 1

PSN ja

USK-Freigabe ab 16 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Abenteuerliche Endzeit-Odyssee mit dem coolsten Affenmann der Videospielgeschichte.

FAQ

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