TEST
F1 2010
Ein Fest für Motorsport-Fans!
Wahre Formel-1-Fans sind Menschen von einem ganz besonderen Schlag. Sie kennen jeden Sponsorenaufkleber auf dem Wagen ihres Idols. Sie wissen, in welchem Winkel die Kurve zur langen Ostgeraden auf dem Bahrain International Circuit genommen werden muss. Und sie erkennen den Unterschied zwischen dem Jaulen eines 056 Motors von Ferrari und dem eines RS27-2010 von Renault – und zwar ohne mit dem Ohrläppchen zu zucken. Das nennt man echte Passion, das sind die echten Motorsport-Enthusiasten. Und genau weil es dieses Leute gibt, hat sich die Redaktion zum Test von »F1 2010« auch einen solchen Verrückten eingeladen: Pierre Jope ist seit 1993 Formel-1-Fan, kennt jeden Wagen, hat sogar selbst schon im Wagen des Minardi-F1-Teams gesessen. Von ihm wollte PS3M wissen, ob Codemasters neuestes Werk auch wahre F1-Fanatiker zufriedenstellen kann. Übrigens: Wer selbst mal zum Lesertester werden möchte, der schaue ins Forum. Dort laden wir immer wieder Lesertester in die Redaktion ein. Übrigens: PS3M hat Formel-1-Pilot Sébastien Buemi getroffen und ihn in einem Interview über seine Karriere und Zuneigung zu Videospielen ausgefragt. Das ganze Interview gibt's hier.

Glaubhafter Rennzirkus
Eines vorweg: Wer bei dieser F1-Simulation staubtrockene Menüs erwartet, der wird positiv überrascht. Denn »F1 2010« feiert die Formel 1 als knallharten und gleichsam glamourösen Rennzirkus. Das zeigt sich schon kurz nach dem Spielstart. In einem inszenierten Interview mit einer jungen Reporterin legt der angehende F1-Pilot seine Eckdaten fest: Name, Spitzname, Herkunft. Außerdem Rennstall und Fahrkönnen – und somit einen von vier Schwierigkeitsgraden. »Das ist gut gemacht, richtig schick, gibt einem das Gefühl, ein echter Fahrer zu sein«, urteilt Lesertester Piere. Und auch das Hauptmenü zeigt, wie Codemasters mit dem Mythos F1 umgeht: Die Menüpunkte werden geschickt auf Personal-, Mechaniker- und Teamwagen innerhalb eines realistisch nachgebauten Fahrerlagers projiziert. Das kennt man bereits aus »Dirt 2«, das schaut modern und atmosphärisch aus. Interessant: Je nach Team ändert sich freilich das Design der Teambusse und -wagen. Kennern fällt schnell auf, dass – egal ob man nun bei BMW Sauber F1 oder Force India anheuert – tatsächlich alle Sponsorenlogos an der richtigen Stelle platziert sind. Auch die Farbwahl passt wie die Felge auf den Reifen. Was Details und Feinarbeit angeht, wird hier wirklich Großartiges geleistet. Das gilt auch für die 24 Fahrer, die 12 Teams sowie alle verfügbaren Wagen: Button und Hamilton bei Vodafone, Vettel und Weber beim Redbull-Team, Glock und di Grassi bei Virgin – alle Personen, Outfits und Fahrzeuge sind klar erkennbar. Lediglich ein Makel fällt auf: Für die Strecke Valencia konnte Sauber-Team als Lokalsponsor die Fast-Food-Kette Burger King gewinnen. Doch deren Logo fehlt auf den Flanken der Wagen. Ebenso fehlen Ersatzfahrer wie Klien und Ricciardo. »Die vermisse ich aber in keinster Weise«, sagt Leser Pierre.

Knallhart oder Kinderkram?
Spielerisch konzentriert sich »F1 2010« auf das Wesentliche. Windschatten-Duelle, Fahrschul-Lektionen und anderer Schnickschnack wie einst bei »F1 Career Challenge« für Playstation 2 bleiben außen vor. Stattdessen locken ein Karrieremodus, Zeitrennen und natürlich Mehrspieler-Modi. All das jedoch ist sehr liebevoll ausgearbeitet – und sehr herausfordernd. Speziell Einsteiger haben's schwer, selbst im einfachen Schwierigkeitsgrad. Zwar unterstützen Lenkhilfe, Bremshilfe und eingeblendete Ideallinie ungemein, wirken so gesehen jedoch nur im Hintergrund. Wer sich erstmals an das Genre herantastet, muss also viel Geduld und Lernbereitschaft mitbringen. Profis hingegen werden die Stringenz sowie den Hang zur Authentizität lieben. Und gleich mal sämtliche Einsteigerhilfen abschalten: dann aber ist Realismus pur angesagt. Mit harschen Mitteln erzieht einen das Spiel zur schnellen und sauberen Fahrweise, also zu genau dem, was man bei echten Rennen beobachten kann: Präzise und zackig folgen die Vorderräder in fast jeder Situation den Lenkkommandos des Fahrers. Das klappt auch hier ganz prima. Denn Gas und Bremse, per Schultertasten dosiert, reagieren sehr sensibel. Den Vordermann fies anrempeln, die 800-PS-Karren rabiat durchs Kiesbrett scheuchen oder wie de la Rosa beim Rennen am 29. August durch ein unglückliches Abbremsen gleich zwei Plätze verlieren – du hast dein Schicksal in der Hand! Toll: Ein Aufenthalt im Kiesbett verschmutzt die Reifen und wird kurzzeitig mit weniger Grip bestraft. Nutzt man eine weiche Reifenmischung, haftet der Dreck sogar länger als bei einem harten Mix. »Genauso will ich das haben. Das ist's, was die Formel 1 ausmacht: die Herausforderung jederzeit konzentriert zu sein; blitzschnell zu reagieren.« Wer rempelt, gewollt oder ungewollt Unfälle provoziert, übers Grün abkürzt oder gar verlängert, der bekommt Zeitstrafen aufgebrummt. »Das ist auch bei richtigen Rennen so«, erklärt Piere. Nur: F1-Anfänger, die bisher nur »Need for Speed« und Co. gespielt haben, werden die Strafen frusten – gut daher, dass sie sich abschalten lassen. Leider hapert's hin und wieder bei der Fairness des virtuellen Strafaufbrummers. Dem stimmt Pierre ebenfalls zu: »Die Strafen sind realistisch, aber ich habe das Gefühl, sie werden viel zu leichtfertig verteilt«.

Gran Prix und Co.
Trotzdem lohnt die Schinderei und das Inkaufnehmen der kleinen Macken ungemein, denn nicht nur der Grand Prix und eine Ein-, Zwei-, und Siebenjahres-Karriere stehen auf dem Programm, sondern auch Training, Qualifikation, ja sogar Rennstallwechsel – eben alles, was dazuzählt. »Das erfordert Wochen harter Arbeit, Konzentration und mindestens 30 Dosen Redbull«, meint F1-Experte Pierre. Den Ferrari mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit über den nassen Asphalt jagen, sich näher und näher an die Kontrahenten heranarbeiten während Wasserlinien übers Visier ziehen, Gischtwolken von den Rädern aufgewirbelt werden – das sind die magischen Momente, die hier bezaubern. Wer kämpft, schwitzt und zittert, erlebt verdiente, nein, eroberte Höhepunkt. »F1 2010« ist kein Kinderkram, sondern eine Tortur, im positiven Sinne. Langsam aber sicher lernt man die Feinheiten kennen: die Benzinmenge und damit das Gewicht des Wagens, der Reifentyp, die Abstimmung von Fahrwerk, Motor und Frontflügel – alles hat spürbaren Einfluss aufs Fahrverhalten. Selbst Wind, Trockenheit und der auf die Strecke prasselnde Regen, der sich wiederum in Pfützen sammelt und dann die Wagen auflaufen lässt, spielen eine Rolle. Wahnsinn! Entsprechend darf während des Rennens per Digi-Pad festgelegt werden, was beim nächsten Boxenstopp zu machen ist. »All diese Dinge zu berücksichtigen, das fesselt an die Konsole«, bilanziert Pierre. »Dennoch würde ich mir noch mehr Einstellungsmöglichkeiten wünschen.«
Abseits der Karriere warten die nicht minder fordernden Zeitrennen und Wettfahrten gegen die eigene Bestzeit, dargestellt als Geisterfahrer. Dazu der Mehrspieler-Modus, der sich dank stabilem Netzcode hervorragend für spannende Turniere eignet. Dies im Hinterkopf ist’s umso ärgerlicher, dass es an einigen zentralen Punkten hapert. »Die KI-Gegner verhalten sich manchmal echt merkwürdig«, kritisiert F1-Fan Pierre. »Unrealistisch treiben sie ihre motorisierten Geschosse oft im Zickzack über die Piste, provozieren dadurch aber immerhin brutale Positionskämpfe, die mitreißen.« Ein Kritikpunkt, dem PS3M nur zustimmen kann. Und auch wenn die Grafik wahrlich imposant aussieht, mit tollen Details und fantastischem Wetter protzt – speziell der Regen und die extrem akkurat nachgebildeten Boliden begeistern – wird vieles durch eine eher mäßige Bildwiederholrate erkauft. 30 Bilder, mehr ist nicht drin. Einbrüche? Gibt’s Gott sei Dank kaum. Dennoch ist's für ein Game, bei dem man mit über 300 Sachen über den Asphalt brettert, eher wenig. »Das schlägt aufs Geschwindigkeitsgefühl«, rügt Rennprofi Pierre und ergänzt: »Für ein paar Bilder mehr, hätte auch ich auf einige Details verzichtet«. Dennoch: Insgesamt ist »F1 2010« ein mehr als gelungenes F1-Debüt für Codemasters. Eben ein Game, das den Mythos F1 zelebriert; und eine großartige Ausgangsbasis für weitere Simulationen – hoffentlich mit frischen Ideen und vielen Überraschungen.
Ausgabe:
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
PS3 Test Street Fighter X Tekken PS3M sagt:
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Grafik _____________
Fantastische Fahrzeugmodelle, authentische Strecken |
8 |
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Sound _____________
Reale Motorsounds, gute deutsche Sprecher |
8 |
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Steuerung __________
Sehr anspruchsvoll, verlangt einem jedoch viel Können ab |
8 |
URTEIL 8.2/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 8 |
| Sound _____________ | 7 |
| Steuerung __________ | 7 |
URTEIL 7.2 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher Codemasters
Entwickler Codemasters Birningham
Preis ab 50 Euro
Genre Rennsimulation
Spieler 1 - 12
PSN ja
USK-Freigabe ab 0 Jahren
KURZ UND KNAPP __
Das beste F1-Game seit Jahren. Eine gelungene Hommage an den Mythos Formel 1.



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