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 TEST 

 

FIFA 10

Fußball im Adrenalinrausch: Explosive Zweikampfduelle

Verdammt, bei der Vierer-Abwehrkette des FC Schalke 04 gibt es kein Durchkommen! Rafinha, Höwedes und Westermann machen die Räume dicht, jeder Angriff der gelben Borussen aus Dortmund zerschellt an der blau-weißen Defensivmauer. Doch »FIFA 10« bietet eine neue, clevere Methode um selbst die härteste Abwehrkette zu knacken: Kurz den Stick nach rechts tippen und BVBs Stürmer Nelson Valdez dreht seine Schulter nach rechts, täuscht an, Stick nach links umreißen und schon umkurvt Valdez den völlig verdutzten Rafinha. Generell ist die Beweglichkeit der Spieler ein Traum. Doch jetzt heißt es die Nerven behalten, den Schuss-Knopf nur kurz drücken, sonst segelt die Kugel in die Wolken. Auch hier versteckt sich eine große Neuerung des neuesten EA-Sprosses: Die Schussleiste ist jetzt in fünf farbliche Bereiche unterteilt, von Hellgrün über Gelb bis Rot. Hellgrün steht beispielsweise für einen leichten Schuss, bietet sich an, um den Ball am Keeper vorbei in die Maschen zu drücken oder in Kombination mit der L1-Schultertaste eine herrliche Bogenlampe hinzulegen. Dunkelgrün sind für Schüssen mit mittlerer Wucht optimal und Gelb ist ein guter Partner für Kicks aus 25 Metern Entfernung.
Generell sind Fernschüsse jetzt deutlich akkurater kontrollierbar: In den rund 200 Testmatches gelingen der Redaktion mehr als 30 Tore aus über 25 Metern Entfernung. In »FIFA 09« ging der Ball fast immer übers Tor, wer allerdings erstmal gelernt hat, wie man exakt das Ende des roten Bereichs erwischt, der zirkelt den Ball mit etwas Glück auch aus 25, 30 oder 35 Metern ins Eck. Wer nun laut aufschreit und glaubt, die Balance gerate außer Gefahr, der darf sich beruhigt wieder hinsetzen, an seinem Getränk nippen und die Torhüter anfeuern: Die Keeper haben ebenfalls einiges dazu gelernt, können die Distanz von Schützen besser abschätzen und vollführen wahre Glanzparaden: Dortmunds Rückhalt Roman Weidenfeller hechtet nach einem Ball, kann die Kugel gerade so wegfausten. Er landet unsanft auf dem staubigen Boden des Signal Iduna Parks. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt, der feindliche Stürmer schnappt sich den Abpraller, zieht Vollspann ab. Weidenfeller hechtet von der linken in die rechten Ecke, mit den Fingerspitzen lenkt er den Ball ins Aus. Wer sich die anschließende Wiederholung in 1080p-Spielgrafik mit sechs verschiedenen Kameraeinstellungen anschaut, der wird zwei Dinge feststellen: Zum einen wurde die Grafik gegenüber »FIFA 09« noch mal deutlich aufgewertet, die Texturen der Trikots wirken schärfer, durchnässen bei Regen, Mimik und Gestik passen besser. Zum anderen wird er aber auch merken, dass sich die Grafik weg vom Realismus, hin zu leicht künstlichem Design entwickelt hat. Kein echter Comic-Look, doch die Spieler wirken wie mit starken Farben überzeichnet. Nicht wirklich schlecht, aber eindeutig Geschmackssache.
Aber gibt es auch etwas, das an »FIFA 10« wirklich nervt? Leider ja. Etwa, dass die Zuschauermassen immer noch aussehen wie direkt aus dem Klon-Labor, zudem sind sie verpixelt und unansehnlich. Auch die Sprüche des Moderatorenduos passen selten zu dem, was auf dem Rasen passiert. Wirklich übel ist allerdings ein Torwart-Bug: Dribbelt der Spieler auf den gegnerischen Torwart zu, läuft dieser automatisch aus seinem Kasten. In der Regel ist das sinnvoll, so macht er den Raum enger, baut Druck auf den Schützen auf. Doch »FIFA«-Kenner drücken einfach die L1-Schultertaste in Kombination mit dem Kreis-Schussknopf und lupfen den Ball mit Glück direkt ins Tor. Hoffentlich wird dieser Fauxpas direkt via Patch behoben, denn das will so gar nicht ins Gesamtbild dieses großartigen Sportspiels passen. Electronic Arts schafft es nämlich, fast alle Kritikpunkte des Vorgängerspieles auszumerzen und perfektioniert einige Bestandteile. Fängt schon bei den kurzen Ladepausen an: von der Mannschaftsauswahl zum Spielbeginn dauert es gerade mal 10 Sekunden.
Weiter geht’s in den Zweikämpfen. Die fühlen sich richtig explosiv an: Wo die Kicker in »FIFA 09« fast zaghaft nach dem Ball stocherten, setzen sie hier alle Körperteile ein, lehnen sich auf, drücken Verteidiger mit der Schulter zur Seite, drängeln ihren Gegenspieler ab. Das macht wohlgemerkt nicht nur der ballführende Kicker, sondern auch alle drum herum. Das Spiel ohne Ball ist deutlich ausgefeilter, die Jungs denken mit, nehmen automatisch starke Stürmer in Manndeckung, laufen sich frei, erkennen Lücken und spielen präzise Pässe. Neu sind auch die direkten Freistöße, um schnell seine Überzahl in der gegnerischen Hälfte auszunutzen. Fehler wiederum wurden konsequent ausgespielt: Steilpässe sind seltener tödlich, die KI reagiert nicht mehr wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner. Auch der Managermodus wurde Detailverbesserungen unterzogen, die Menüs sind übersichtlicher, die Spielertransfers gut nachvollziehbar, die KI der anderen Manager reagiert auf alle Aktionen. Bietet man zu wenig, schnappt einem der Konkurrent den Traum-Stürmer vor der Nase weg. Kurz: Es ist Fußball wie er sein soll, Fußball wie aus einem Guss. Wer sich »FIFA 10« zulegt, bekommt ohne Zweifel eine der besten Sport-Simulationen unserer Zeit.
Benjamin Kratsch
Ausgabe:10/09
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test King of Fighters
weiter PS3 Test Lego Harry Potter Die Jahre 5-7
PS3M sagt:
Grafik _____________

Hervorragende, lebensechte Animationen, etwas zu farbenfroh

8
Sound _____________

Atmosphärische Fangesänge, das Stadion als Hexenkessel - toll!

8
Steuerung __________

Nahezu perfekt, reagiert extrem schnell, bietet optimalen Bewegungsfreiraum

9

URTEIL 8.9/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 8
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 9

URTEIL 9.2 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Electronic Arts

Entwickler EA Sports

Preis ab 60 Euro

Genre Sport

Spieler 1 - 20

PSN Ja

USK-Freigabe ab 0 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Ein Spiel, wie es Fußballenthusiasten kennen und lieben. Schnell, taktisch, mit neuen Möglichkeiten. Nur die Keeper-KI strauchelt zeitweise.

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