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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Heavy Rain

Sex, Gefühle, Emotionen...

Was macht ein gutes Videospiel aus? Es ist das Gefüge aus überzeugender Technik, spannender Story und interessantem Gameplay. Ein wahrlich hervorragendes Spiel dagegen, das muss technisch gar nicht so sehr überzeugen. Es muss einfach anders sein. Muss dich mitreißen, von der ersten Sekunde an. Es muss durch eine Handlung und Figuren geprägt sein, die du ins Herz schließt. Charaktere, mit denen du lachst und leidest, und bereitwillig die schwersten Zeiten durchstehst. Kurzum: Es muss Gefühle wecken.
Und in diesem Punkt ist »Heavy Rain«, das heiß ersehnte Krimi-Abenteuer von Quantic Dream, eine echte Meisterleistung. Aber analysieren wir die Indizien von Anfang an. Das Spiel beginnt recht harmlos in der amerikanischen Kleinstadt Lexington: Man begleitet die vier wechselnden Charaktere – den Architekten Ethan Mars, die Journalistin Madison Paige, den Privatdetektiv Scott Shelby und den FBI-Agenten Norman Jayden – durch den Alltag. Lernt sie beim Duschen, Rasieren und anderen Nebensächlichkeiten kennen, bevor sie in das Drama um den Origami-Killer verwickelt werden. Fade? Nein, denn die Szenen sind interessant geschnitten, die Kamera setzt die hervorragende Gestik und Mimik bestens ins Bild, fängt Liebe, Freude, Trauer, Hass, eben all diese Stimmungen gekonnt ein. Wenn Ethan in einem Moment mit seinem Sohn Shaun im Garten spielt, und im nächsten mit seiner Frau streitet; wenn Tränen fließen; spätestens dann bildet sich ein Kloß im Hals – man fühlt mit. Die Geschichte nimmt jedoch erst so richtig an Fahrt auf, als man mehr über den sogenannten Origami-Killer erfährt: ein Serienkiller, der es auf Jungs im Alter zwischen neun und 13 Jahren abgesehen hat. Er entführt die Kinder am helllichten Tag, immer im Herbst, wenn es viel regnet. Wenn man sie vier Tage später auffindet, sind sie bereits tot – ertränkt in Regenwasser.



Charakterstark?
Die Geschichte wird in kleinen Häppchen erzählt, jede Szene kaum länger als 15 Minuten. In jedem Abschnitt übernimmt ein anderer Charakter die Hauptrolle. Glatt gebügelte Protagonisten gibt es in »Heavy Rain« nicht. Jeder der Vier wirkt menschlich, hat Schwächen. Das hier sind keine Superhelden, sondern Typen wie du und ich. Und keiner der Vier hat zu Anfang irgendetwas mit den anderen zu tun. Erst im Laufe der Geschichte entstehen Beziehungen – oder besser: sie können entstehen, wenn sich der Spieler in bestimmten Situationen dazu entscheidet. Solche Entscheidungen beeinflussen den Verlauf massiv. Du kannst das Spiel spielen, wie du es möchtest. Es gibt nur sehr wenige Einschränkungen und Vorgaben. Doch der Spieler sollte nicht leichtfertig handeln. Denn wenn eine Spielfigur durch gedankenloses Verhalten stirbt, kann nicht einfach vom letzten Speicherpunkt neu geladen werden. Warum? Weil es keine Speicherpunkte gibt. Das Spiel nimmt seinen Lauf, ganz egal was zuvor passiert ist. Es orientiert sich am Geschehenen und baut es in die voranschreitende Handlung ein.



Quick-Time-Falle?
Auch das Gameplay ist einzigartig. Auf den ersten Blick sieht alles stark nach einer normalen Steuerung aus der Verfolgerperspektive aus. Doch statt sich mit dem linken Analogstick zu bewegen, läuft die Figur durch Gedrückthalten der R2-Taste. Der linke Stick ändert die Blickrichtung. Aktionstasten zum Öffnen von Türen und Bedienen von Gegenständen? Hier nicht. Mit Tastenkombinationen oder Stick-Drehungen, die über Bildschirmsymbole angedeutet sind, wird die Bewegung der Hände nachgeahmt. Ein Beispiel: Ethan will einen Schluck Orangensaft aus dem Tetrapack nehmen. Um das zu bewerkstelligen, wird ein leichter Schlenker nach oben mit dem Analogstick ausgeführt. Die Figur setzt sich das Getränk an die Lippen und kippt die Pappverpackung nach oben. Wer die Bewegung zu schnell ausführt, wird sich mit dem Saft bekleckern. Nichts für Grobmotoriker. Auch von der Sixaxis-Funktion des Controllers macht »Heavy Rain« Gebrauch; beispielsweise, wenn es gilt, über einen schmalen Steg zu balancieren, oder sich durch unablässiges Zappeln aus einer Handfessel zu befreien. Die ungewöhnliche Steuerung ist aber nur am Anfang gewöhnungsbedürftig. Schon nach gut 30 Minuten erscheinen die Bewegungen logisch. Oft kann man sich schon im Voraus denken, welche Bewegung als Nächstes nötig ist. Hektisch wird es hingegen, wenn die Spielfigur in Panik gerät oder sich in einer Gefahrensituation befindet. Dann geht es in erster Linie um Reaktionstests – Quicktime-Events, die über den Ausgang der Situation entscheiden. Je heikler die Szene, desto schwieriger werden sie. Die Symbole auf dem Bildschirm verschwimmen, flackern wirr umher. Muss der Charakter besonders unangenehme oder schwierige Aktionen durchführen – etwa sich selbst verletzen – wird’s zugleich für den Spieler unangenehm. Dann wollen bis zu fünf Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Echte Fingerakrobatik, aber eine durchaus witzig umgesetzte Idee, die nicht nur die Spielfigur an ihre körperlichen Grenzen bringt. Nervt eigentlich nur dann, wenn das Ausführen der Tastenkombination über Leben und Tod entscheidet. Dann frustet es, wenn man versehentlich von der Taste rutscht oder den Halt am Stick verliert. Zum Glück gestattet das Spiel hier oft mehrere Anläufe. Wer aber gar nicht weiter kommt, darf jederzeit im Spiel den Schwierigkeitsgrad wechseln. Eine schöne Lösung, wenn man eine Figur nicht gerade beabsichtigt um die Ecke bringen will.



Nix zu meckern?

Bei all dem Lob darf man nicht vergessen: Auch »Heavy Rain« hat seine Schwächen. Und die machen sich hauptsächlich technisch bemerkbar. Immerhin war das gute Stück knappe vier Jahre in der Entwicklung – und das sieht man ihm stellenweise auch an. Zwar hat man selten so lebensechte Charaktere gesehen, deren Gestik und Mimik absolut real und glaubwürdig wirken. Wenn es allerdings um die Interaktion mit anderen Personen oder Gegenständen geht, fallen Schlampigkeiten auf: Die Kollisionsabfrage, insbesondere bei Nahaufnahmen, arbeitet nicht immer fehlerfrei. Küssen sich zwei Figuren, bleibt zwischen den Lippen eine unsichtbare Grenzlinie. Solche Macken fallen umso mehr auf, da die Charaktergestaltung generell extrem stilsicher rüberkommt. Ab und zu, besonders zu Beginn einer Szene, fallen außerdem sacht ruckelnde Bilder auf. Ein Schluckauf, der sich zum Glück sehr schnell wieder legt. Weiterhin ist zu bemerken, dass die Entwickler zwar eine hervorragende, deutsche Tonspur eingebaut, die Lippenbewegungen der Charaktere jedoch nicht angepasst haben. Schade, aber kaum störend. Bis auf diese kleinen Schönheitsfehler bleibt »Heavy Rain« jedoch eine runde Sache. Kaum ein Spiel kommt so erwachsen rüber, ohne langweilig zu werden. Kein Spiel konnte bis jetzt so lebensechte Charaktere vorweisen, mit denen sich nahezu jeder Spieler identifizieren kann und sie deshalb unweigerlich ins Herz schließt. »Heavy Rain« ist eine Gefühls-Achterbahn. Der Preis um mitzufahren? Lediglich etwas Aufgeschlossenheit und genug Toleranz, auch neuen Konzepten eine Chance zu geben. Denn dieses Erlebnis aus Emotion, Thriller und Dramatik hat Besseres verdient, als gleich von vornherein als reine Quick-Time-Schlacht abgestempelt zu werden.
Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken

KOMMENTARE:

Der_Weisse_Spion!
Es hat einige schwächen,doch die bemerkt man beim zocken nicht!
(18.06.11 14:05 Uhr)
Hulkamaniac1
Ein sehr spannendes Spiel!
(24.12.10 13:31 Uhr)
NEAERA
Defenitiv ein Knaller das Spiel. Bitte mehr davon. Good Job,Quantic Dream
(09.03.10 12:49 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Wunderbar erwachsen mit starker Mimik, gelegentlich etwas ungelenke Animationen

8
Sound _____________

Unterstützt mit mal weichen, mal wilden Klängen perfekt die Atmosphäre

9
Steuerung __________

Neuartig, aber handlich. Geht nach kurzer Eingewöhnung in Fleisch und Blut über

9

URTEIL 9.0/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 9
Steuerung __________ 8

URTEIL 9.4 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Sony

Entwickler Quantic Dreams

Preis ab 60 Euro

Genre Krimi-Abenteuer

Spieler 1

PSN ja

USK-Freigabe ab 16 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Ein Psycho-Thriller voller Gefühle und erwachsener Stärke – aber auch kleinen technischen Schwächen.

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