TEST
Little Big Planet 2
Schaffe, schaffe Weltenbauer
Mit »Little Big Planet« hat Sony anno 2008 das Sackhüpfen revolutioniert. Sein Nachfolger, »Little Big Planet 2« setzt noch eins drauf. Denn das wahnwitzige, skurrile Abenteuer um das Sackleinen-Maskottchen namens Sackboy mit dem Reißverschluss-Bauch hat sich vom kreativen Plattform-Game zu einer »Kreativ-Plattform für Games« entwickelt. Dabei ist die Basis auch diesmal wieder die gelungene Mischung aus kurzweiliger Jump-and-Run-Kampagne und einem umfangreichen Baukasten für eigene Levels. Die Story: denkbar verschwurbelt, total Banane und deshalb für Groß und Klein so unterhaltsam. Das böse Negativitron – eine Art intergalaktischer Staubsauger-Roboter – hat das komplette Universum samt Sackboy und aller anderen Bewohner aufgesaugt. So geht’s ja nun nicht! Zusammen mit seinen Freunden des Allianz-Geheimbundes –die Puppenfrau und Kuchenbäckerin Victoria, der Möchtegern-Elvis Avalon und weiteren total verqueren Zeitgenossen – macht sich der Sackleinen-Junge auf, Negativitron einen Knoten in den Saugschlauch zu zwirbeln. Seine Reise aus einer Art 2D-Sidescrolling-Ansicht mit 3D-Elementen führt Sackboy durch insgesamt sechs verschiedene Welten mit jeweils rund zehn Levels. Da gilt es, die Kuchen-Backmaschine in der Bäckerei von Victoria vor der Explosion zu retten, oder in der Irrenanstalt der verrückten Eve die Insassen vor den hoch entzündlichen Teufelchen zu beschützen. Herrlich anzusehen sind vor allem die schrägen Figuren und ihre Ausarbeitung. Weil Anstaltsleiterin Eve zum Beispiel einen Vogel hat, trägt sie stets einen Käfig auf dem Kopf. Eine Welt gibt sich dabei kunterbunter, kreativer und verrückter als die andere. Es geht vorbei an haushohen Bücherregalen, durch das Innenleben eines Computers mit seinen Schaltkreisen und in das Hirn eines verrückten Professors. Geworfene Sahnetorten und Schwämme ebnen den Weg auf hoch entlegene Ebenen, ein Wasserspeier-Helm löscht brennende Grasflächen und kugelrunde Roboter-Hamster helfen dem Sackjungen durch futuristische Rennröhren. Auch, wenn die Level oft schon nach etwa zehn Minuten absolviert sind: Hier gibt es so viel zu sehen, bestaunen, lachen und Sammelbares zu entdecken – da will man jeden Zentimeter erkunden.

Meine Blubbl!
Auch diesmal gibt‘s überall Seifenblasen zu ergattern, die entweder die Punkteleiste für den Level-Highscore füllen oder bestimmte Gegenstände enthalten. Etwa neue Kostüme und Stoffe für den Sackjungen, Sticker und Objekte für den Baukasten – aber dazu später mehr. Was man damit anstellen kann? Nun, der Sackboy selbst kann sich verändern. Statt dem schnöden braunen Leinenstoff kann man ihm beispielsweise ein fesches Baumwollweiß verpassen. Dazu eine Marilyn-Monroe-Frisur, eine Sternchen-Sonnenbrille, ein Hula-Röckchen, Schwimmflossen und einen Malerpinsel. Nicht, dass das irgendwelche Auswirkungen aufs Spiel hätte – aber cool und individuell schaut’s eben aus. Die sammelbaren Sticker sind sowohl dekorativer als auch nützlicher Natur. Auf den passenden Klebeflächen in Levels per Tastendruck angebracht, öffnen sie unter anderem Türen zu Geheimverstecken oder Bonuslevels. Alternativ sehen sie einfach bunt und hübsch aus. Du siehst: Die grenzenlose Kreativität beginnt schon bei der eigenen Spielfigur – und das ist nur der Anfang. Um all diese wunderbaren Kleinigkeiten zu entdecken, brauchst du aber zwingend eines: Freunde. Die komplette Kampagne lässt sich wieder kooperativ zu viert spielen – und manche Rätsel benötigen eben mehr als einen Sackboy für die Lösung. Davon abgesehen: Mit mehreren macht die aberwitzige Sackhüpf-Tour sowieso noch mehr Spaß. Denn da kann man nicht nur gemeinsam schmunzeln und sich durch die Geschicklichkeits-Parcours helfen, sondern auch allerhand Schabernack treiben, schubsen, pöbeln und fiese Grimassen ziehen. Was für ein spielenswertes Chaos!

In Physik nicht aufgepasst?
Wie schon im Vorgängerspiel bestehen die Levels im Wesentlichen aus Geschicklichkeits- und Jump-and-Run-Elementen. Sackboy überspringt tiefe Abgründe, legt Schalter für Türen um, beschmeißt Gegner mit Kuchen und anderen zuckersüßen Wurfgeschossen und hangelt sich an Lampen, Kränen und Seilen gen Level-Ausgang. Oft ist dabei nicht nur Fingerspitzengefühl gefragt, sondern auch logisches Denken. Denn auch »Little Big Planet 2« setzt wieder auf zahlreiche Physikspielereien. Die scheinbare 2D-Welt entpuppt sich schnell als Szenario mit mehreren Tiefenebenen, zwischen denen der Sackjunge auf Knopfdruck wechselt. Versperrt augenscheinlich eine Wand den Weg, reicht zum Beispiel ein Hüpfer in die hintere Ebene, um hinter dem Hindernis vorbeizumarschieren. Die Kamera schwenkt dabei vorbildlich mit. Leider hat der Leinen-Kompagnon noch immer Probleme damit, die Steuerkommandos akkurat umzusetzen. Die Sprünge wirken träge, werden leicht verzögert ausgeführt und nicht immer gelingt der Ebenenwechsel beim ersten Versuch. Eben das Manko, das zu den größten des Vorgängerspiels zählt, plagt nun also auch den Fortsetzungstitel – schade, vor allem weil das ab und zu auch zu unverschuldeten Sackboy-Toden führt. Auch wenn die Rücksetzpunkte in einem Level sehr fair gesetzt sind, frustet diese Tatsache auf Dauer. Dafür hat Sackboy einige neue Hilfsmittel für den Kampf gegen das Negativitron erhalten. Unter anderem den Greifhaken, mit dem er sich wie an einer Liane an bestimmten Objekten entlang schwingt; den Krafthandschuh, mit dem er selbst schwerste Objekte durch die Gegend schiebt; und den Kreatinator-Helm, der mit bestimmten Geschossen wie Plasma, Wasser oder Torten bestückt wird. Das war’s dann aber schon an großen Veränderungen – zumindest, was die Kampagne angeht. Da die mit rund zehn Stunden Spielzeit aber recht schnell abgefrühstückt ist, setzt Sony in puncto Langzeitmotivation auf den stark aufgemotzten Levelbaukasten. Von einem »Kasten« kann dabei eigentlich schon gar nicht mehr die Rede sein. Aus dem einstigen Kreativspielplatz ist eine wahre Mega-Baustelle geworden.

Vorhang auf!
Nicht mehr nur eigene Jump-and-Run-Levels lassen sich damit entwerfen; nein, ganze Spiele, egal welchen Genres, kann der begabte und gelehrige Spieler bauen. Gelehrig deshalb, weil eine ganze Menge Vorarbeit und Zeit vergeht, bis die Unmengen Details und Feinheiten des Editors verstanden und verinnerlicht wurden. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 52 Baukasten-Lektionen mit jeweils etwa fünf bis zehn Minuten Lernzeit. Ganz zu schweigen von der Zeit, die man investiert, um am Ende ein funktionierendes Spiel aus dem Hut zu zaubern. Klare Sache: Das hier ist was für passionierte Bastler. Nichts für Leute, die mal eben zwischendurch ein kleines Level bauen wollen. Vor allem junge Spieler werfen hier schnell das Handtuch – auch wenn die Lektionen charmant vom deutschen Sprecher vertont und mit allerlei Anleitungs-Videos und hübschen Animationen aufgemacht sind. Lass dich nicht täuschen: Das hier ist echt harte Arbeit!
Wer die Grundlagen einmal beherrscht, darf sich auf seinem »Mond« genannten Planeten aber so richtig austoben. Er nämlich dient als Ausgangspunkt für jede Baustelle. Leveleingang und Zielmarkierung bilden den Grundstein für jedes Spiel. Was dazwischen liegt, ist ganz deiner Fantasie und Kreativität überlassen. Nahezu alles lässt sich verändern, manipulieren, umbauen, einrichten – ganz einfach mit dem Popit-Cursor, einer Art Mauszeiger mit Seil daran, das sich geschmeidig über den Bildschirm navigieren lässt. Das beginnt schon bei den Umgebungsmaterialien. Da gibt es Pappe, Styropor, Schwamm, Glas, Wiese, Stein, futuristische Raumschiffwände, und, und, und… Zudem können diese Materialien nach Lust und Laune verformt und deformiert werden, sodass daraus die kuriosesten Objekte entstehen. Das geht mit dem Controller hervorragend und präzise. Wer die Einzelteile anschließend mit Leim verklebt, bastelt damit zum Beispiel Fahrzeuge, Stühle, Kühe oder Hochhäuser. Allein mit der Gestaltung der Umgebung kann man Stunden verbringen, überall noch neckische Details anbringen, einen Hingucker einbauen und für Überraschungsmomente sorgen. Wie wär’s zum Beispiel mit einem Horror-Szenario, wo in einem düsteren Gang beim Betreten die Lichter ausgehen und Nebel aufzieht? Das geht – sofern richtig platziert – mit einer Nebelmaschine und Lichtsensoren. Auch Hintergrundgeräusche und -musik lassen sich einspielen; ebenso wie selbst geschnittene Videosequenzen mit verschiedenen Kameraperspektiven, Schwenks und Bildübergängen. Du siehst: Ich versuche gar nicht erst, dir die vollständige Komplexität des Editors näher zu bringen. Das würde den Rahmen dieses Tests bei Weitem sprengen. Klar ist aber: Je komplexer die eigene Idee, desto schwieriger und zeitaufwendiger die Umsetzung – aber umso eindrucksvoller auch das Ergebnis.

Spielen, kreieren, teilen
Fertige Spiele dürfen wie gewohnt mit der Community geteilt werden. Die Spiele werden online hochgeladen und für andere zur Verfügung gestellt; so will Sony für stetig neuen Levelnachschub sorgen. Aber wird das gelingen? Keine Frage: »Little Big Planet 2« ist abermals eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings nicht mehr ganz so zugänglich für Jedermann wie sein grandioser Vorgänger. Was für viele der Kreativ-Spielplatz ist, den sie sich schon immer gewünscht haben, kann für manch andere abschreckend wirken und verschüchtern. Für diejenigen bleibt dann aber immerhin die Möglichkeit, sich an den selbst erschaffenen Fantasie-Welten der anderen Spieler kostenfrei zu bedienen. Und wenn die ähnlich fleißig sind wie beim ersten Teil, werden die »Little Big Planet 2«-Server in kürzester Zeit regelrecht geflutet.
Wenn dich übrigens auch das Bastelfieber packt, dann nutz deine Kreativität doch, um nebenbei ein paar tolle Preise abzustauben – im großen Levelbau-Wettbewerb von PS3M. Wie das geht und wie du teilnimmst, erfährst du in Kürze hier auf www.ps3m.de.
So oder so: Wer nur ein Fünkchen Kreativität besitzt oder seine Spiel-Ideen schon immer mal in die Tat umsetzen wollte, der findet in »Little Big Planet 2« sein Mekka.
Ausgabe:02/11
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
PS3 Test Street Fighter X Tekken PS3M sagt:
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Grafik _____________
Gestochen scharf, mit jeder Menge Details und putzigen Animationen |
9 |
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Sound _____________
Passende deutsche Sprecher und eher unauffällige Musikuntermalung |
8 |
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Steuerung __________
Ist zwar einfach zu erlernen, hakt aber an vielen Stellen |
7 |
URTEIL 9.2/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 8 |
| Sound _____________ | 9 |
| Steuerung __________ | 8 |
URTEIL 9.4 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher Sony
Entwickler Media Molecule
Preis ab 60 Euro
Genre Jump ‘n’ Run
Spieler 1-4
PSN ja
USK-Freigabe ab 0 Jahren
KURZ UND KNAPP __
Sackleinen an die Macht! Dieses Hüpfspiel-Paket ist groß, detailreich und abermals absolut charmant.


KOMMENTARE:
Und dann habe ich noch ein kurzes Versus Spiel gebaut, um Ehrlich zu sein, aber erstmal nur für eine Trophäe :-)
Werde mich irgendawann mal gezielt an ein gutes Versus Spiel wagen, aber ich brauche erstmal eine gute Idee.
Wer die Level mal spielen will, dann sucht mal nach: miknat