TEST
Mafia 2
Ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst!
Mille grazie, Mamma, aber ich verzichte. Ich meine: Ich bin jung, gerade frisch aus dem Krieg zurück und voller Tatendrang! Ich habe meinem Land, bella America, einen ehrvollen Dienst erwiesen und soll jetzt leben wie ein Bettelmann? No, amico. Nicht mit mir. Ich werde die Schulden meiner Famiglia begleichen. Und danach will ich Reichtum, Macht, schöne Frauen, mein Leben genießen. Und ich weiß auch ganz genau, wie ich das anstelle...

Vito, der Ehrenmann
Wie der junge Vito, italienischer Schönling und Protagonist aus »Mafia 2« das anstellt, das erfahren auch die Spieler nur kurze Zeit später. Kaum ist Vito nämlich in seiner Heimatstadt, Empire Bay, angekommen, trifft er auf Joe Barbaro, seinen alten Compagno und Freund aus Kindertagen. Während Vito noch daheim mit Mamma und Sorella Francesca die Zuppa di Pollo löffelt, vor dem Essen betet und in seinem alten Kinderzimmer mit Baseball-Postern und Teddybären nächtigt, ist Joe mittlerweile ein gemachter Mann. Er nennt ein großes Apartment sein Eigen, fährt teure Autos und ist in seinem Viertel bekannt dafür, ausschweifende Partyorgien mit reichlich Mädels und hartem Schnaps zu feiern – sehr zum Leidwesen seiner Nachbarn. Ein Lebensstil, dem Vito unbedingt nacheifern will – koste es, was es wolle. Diesen Wunsch lässt sich Joe nicht zwei Mal vortragen. Kurzerhand stellt er Vito einigen »einflussreichen Persönlichkeiten« vor – Oberhäupter der ansässigen Mafia.
Und siehe da, wenig später flattern schon die ersten, Geld einbringenden Aufträge ins Haus. Worum es sich dabei handelt? Ma, non è chiaro? Um schmutzige Deals natürlich, kleinere und größere Straftaten, um Raub, Erpressung und Mord. Kurzum: dreckige Mafiageschäfte. Es dauert nicht lang, dann hat Vito genug Geld zusammen, um die Schulden seines verstorbenen Vaters zu begleichen. Doch der groß gewachsene Sizilianer mit dem kantigen Gesicht hat Blut geleckt.
Er will mehr, strebt nach Erfolg und Macht und ist bereit, sein Ziel mit Gewalt umzusetzen. Ein Vorhaben, zu dem auch die Spieler gern bereit sind, denn selten wurde ein Actionspiel so stimmig, so authentisch und so abwechslungsreich präsentiert, wie »Mafia 2«. Klar, Parallelen zu Genrekollege »GTA IV« sind dabei unverkennbar. Auch Vito wird aus der Verfolgerperspektive durch die riesige, fiktive Metropole Empire Bay gesteuert, knackt und stiehlt bei Bedarf Autos, erfüllt einen Auftrag nach dem anderen, um die Story weiterzuführen – über insgesamt 14 Kapitel und knapp 30 bis 40 Stunden Spielzeit hinweg. So weit nichts Besonderes.

Doch »Mafia 2« versteht es wahrhaft meisterlich, eine fiktive und doch verblüffend real wirkende Geschichte zu erzählen, deren Charaktere mehr sind, als bloße Polygonfiguren. Dieses Spiel ist ein Kriminalfilm, ein Thriller, der dich mitreißt und der es schafft, Höhen und Tiefen der Erzählung auf die Gefühlslage des Spielers zu projizieren. Auch nach Stunden ist man noch schockiert, wenn Vito einem alten Mann skrupellos eine Kugel in den Kopf pustet; oder ein Bandenkrieg zwischen Triaden und der Cosa Nostra in einem blutigen Massaker voller Schlachtermesser und Blei endet. Dio mio, selbst Francis Ford Coppola hat diese erdrückende, tonnenschwere Atmosphäre in seinem Kultfilm »Der Pate« nicht besser einfangen können. Tanto rispetto für diese Leistung!
Che dramma!
Dass »Mafia 2« storytechnisch ein ziemlich bitteres Bonbon ist, wird dem Spieler nicht erst klar, als für Vito die ersten Probleme beginnen und er sich immer tiefer in ein Gespinst aus Intrigen und Schicksalsschlägen verstrickt. Kaltblütige Morde und bedingungsloser Gehorsam der Mafiosi gegenüber ihrem Don lassen mitunter einen dicken Kloß im Hals entstehen. Trotzdem versucht das Spiel, diese Leichenhaus-Stimmung bisweilen gut aufzulockern, zeigt immer wieder vergnügliche Szenen aus dem Leben von Vito und Joe – um sie im nächsten Augenblick gnadenlos mit Füßen zu treten, in den Sand zu drücken und auf sie zu spucken. Augenblicke zum Luftholen gibt es nur ausgesprochen selten, hier folgt Schicksalsschlag auf Schicksalsschlag; knallhart und erbarmungslos. Das mag bisweilen fast schon depressive Launen auslösen, strickt die dichte Story um Aufstieg und Untergang aber prägnant weiter. Die nächste Zwischensequenz? Stets heiß erwartet! Und von denen gibt es, grazie a Dio, mehr als genug. Vor und nach jeder Mission mindestens eine. Und però! Diese Videos haben's in sich! Nicht nur wegen der unglaublichen Detailtiefe und der brillanten Animationen, sondern vor allem auch wegen der hervorragenden Eindeutschung. Gefühle und Emotionen werden durch die Sprecher wie auf dem Silbertablett präsentiert – und sogar etwaige, italienische Akzente kommen nicht künstlich rüber. Bravissimo – da sieht man ausnahmsweise auch darüber hinweg, dass die Dialoge oft nicht lippensynchron ablaufen.

La mia vita – una battaglia
Zwar nehmen Rendersequenzen und Dialoge einen großen, wenn nicht gar den größten Stellenwert in »Mafia 2« ein, das Gameplay sollte man dennoch nicht vernachlässigen. Haben die Ragazzi von 2K Czech löblicherweise auch nicht getan. Abwechslung heißt die Devise. Zu Anfang ist naturalmente alles noch harmlos. Geld bei Typen eintreiben, die sich mit ihren Rückzahlungen etwas zu viel Zeit lassen, zum Beispiel. Einige von denen lassen sich bereits mit großen Worten – oder großen Knarren – überreden, bei anderen braucht's schon etwas härtere Töne in Form von Faustkämpfen. Mit der Kreis-Taste schnelle, leichte Kinnhaken austeilen, mit der Dreieck-Taste mit Schmackes ausholen und bei alledem natürlich die Deckung nicht vernachlässigen. È facile, ein Kinderspiel. Dann gilt es wiederum, einen Tresor mit Benzinmarken auszurauben oder in einen Juwelierladen einzubrechen. Bei solchen Missionen sollte Vito in erster Linie verdeckt arbeiten und wenn möglich am Ende ungesehen entwischen. Ein Nervenkitzel ohnegleichen! Nur selten und im äußersten Notfall kommt hier die Pistola zum Einsatz. Ganz anders bei späteren Aufträgen: Erpressung, Beschattung, Mord. Hier geht nichts ohne die passenden Arme da Fuoco, Schusswaffen. Das Arsenal ist reichhaltig: Standardkaliber ist die 1911 Semi – eine kleine Pistole mit geringer Durchschlagskraft aber hohem Maß an Präzision. Perfekt, um einzelne Malfattore gezielt auszuschalten. Per Kopfschuss zum Beispiel. Niente paura, Blutströme halten sich trotz der ausufernden Gewalt stark in Grenzen. Schrotflinte, Remington 870 und andere Klassiker legen hingegen gleich ganze Gegnertruppen schlafen. Selbstverständlich fehlt aber auch die Mafia-Wumme schlechthin, die Thompson M1928 – kurz Tommy Gun – nicht. Wer die auspackt, hat es wahrscheinlich gerade mit einer halben Armee zu tun – ehrlich, kommt gar nicht so selten vor! Eine Schande hingegen, dass es abseits der Hauptmissionen keine Möglichkeiten gibt, sich in Nebenaufträgen auszutoben. Prinzipiell hat der Spieler nur zwei Möglichkeiten: entweder, er begibt sich zum nächsten Auftraggeber, der auf der Karte mit einem roten Punkt markiert ist; oder er treibt sich ziellos in der offenen Welt von Empire Bay herum, geht vielleicht ein paar neue Klamotten einkaufen und was trinken – è tutto. Schade!

Dafür sind die Hauptaufträge aber nicht nur extrem aufwändig inszeniert und stets von einer guten Story gestützt, sie fordern dem Spieler auch ganz schön was ab. Dumme KI war gestern. Denn schwarzhäutige Drogendealer, schlitzäugige Triadenhorden, verfeindete Mitglieder anderer Familien und viele weitere Widersacher sind richtig harte Nüsse. Und Vito ist nun mal kein Superuomo, der mal eben 50 Ladungen Schrot und mehr wegsteckt. Im Gegenteil, auch hier bleibt Entwicker 2K Czech sehr realistisch: Ein Kopfschuss und Vito segnet sofort das Zeitliche. Zwei bis drei Treffer mit der Pistole und ein verschwommener, grau-roter Bildschirm verkündet: Du bist gestorben. Ganz schön harter Tobak, aber fairerweise gilt für die Gegner das gleiche. Wer dem frühzeitigen, bleiernen Tod entgehen will, muss clever agieren und Deckungsmöglichkeiten für sich nutzen. Schnell per Tipper auf die Kreuz-Taste hinter eine Kiste schlittern oder sich an eine Mauer pressen und von dort mittels R2-Taste eigene Salven verteilen – das ist die goldene Überlebensregel. Ma attenzione! Die Umgebungen in »Mafia 2« sind teilweise zerstörbar und wer eben noch hinter einem Hafencontainer gekauert hat, könnte im nächsten Moment schon im freien Schussfeld stehen. Bringt Spannung rein!

Im Sumpf des Verbrechens
Nun wären derlei harte Feuergefechte wohl doch ein bisschen einfacher, wenn sie nicht zwei wesentliche Probleme hätten. Numero uno: die Kamera. Die liefert in Videosequenzen zwar richtig cineastische Augenblicke, im Spielgeschehen selbst nervt sie hingegen oft massiv. Denn sie klebt dermaßen dicht am Geschehen, dass die Sicht auf wichtige Dinge oft versperrt oder beeinträchtigt wird. Ganz besonders fällt das in engen Treppenhäusern und Fluren auf, wo aus der Third-Person-Ansicht fast schon eine »Ego-Perspektive-mit-Resten-der-Hutkrempe« wird. Und seine Gegner in einem wilden Schusswechsel nicht rechtzeitig erfassen zu können – peccato, ein wahres Todesurteil! Und numero due: Speicherpunkte, denn davon gibt es viel zu wenige. Innerhalb eines Auftrages, der auch mal eine halbe Stunde und länger dauern kann, wird nur selten automatisch gespeichert; manuelles Speichern ist nur im eigenen Haus möglich. Mamma mia, ist das ärgerlich, wenn man nach dem Ableben alles noch mal von vorn erledigen muss! Frustrante!
Wer sich aber schon nach der ersten Spielstunde richtig in das Game und sein Spielprinzip verliebt hat – und das wird unweigerlich passieren, promesso – verzeiht solche kleinen Fehltritte. Nessuno è perfetto. Niemand ist perfekt, auch »Mafia 2« nicht. Aber dieser spielbare Gangster-Hollywoodstreifen ist zumindest sehr nah dran an dem, was man sich unter abendfüllender Krimiunterhaltung vorstellt: ein Wechselbad der Gefühle voller Blei, Härte und bemitleidenswerter Antihelden. Eccelente!
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
PS3 Test Street Fighter X Tekken|
Grafik _____________
Authentische Charaktere und viel Liebe zum Detail, leider stellenweise Zeilenversatz |
8 |
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Sound _____________
Hervorragende, deutsche Sprecher und bombastische Musik |
9 |
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Steuerung __________
Sehr einprägsam und leicht zu erlernen. Nur das Zielen ist manchmal knifflig |
8 |
URTEIL 8.7/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 8 |
| Sound _____________ | 9 |
| Steuerung __________ | 8 |
URTEIL 8.1 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher 2K Games
Entwickler 2K Czech
Preis ab 55 Euro
Genre Third-Person-Action
Spieler 1
PSN nein
USK-Freigabe ab 18 Jahren
KURZ UND KNAPP __
Dieses Game ist hart, unerbittlich, brutal und stinkt nach Blut, Schweiß, Gewalt und Testosteron. Nicht volljährige Leser klicken bitte auf einen anderen Test! Alle anderen: festhalten, jetzt geht’s ab!


KOMMENTARE:
Auch die grafischen Schwächen trüben den Eindruck. Wobei die Story und der Sound absolute Spitzenklasse sind. Leider sehe ich mit einem wehmütigen Blick der negativenEntwicklung des Spielemarktes entgegegen. Viel zu oft werden Spiele mit großen Namen als unfertige und schlampige Versionen auf den markt geworfen. Die Gründe, welche sicherlich reine Geschäftspolitik im Sinne der Unternehmenswirtschaft sind, lassen mich absolut kalt, denn ich als Endverbraucher fühle mich wie bei einem Titel im Kaliber von Mafia 2 schlichtweg verarscht.
Das Spiel ist raus, dann kommen die Beweise auf, das vieles wieder aus dem Spiel entfernt wurde, wie der Free- Ride Modus nach dem druchspielen, den Nebenmissionen uva.
Auch schade, dass die im Heft angegebene Stundenzahl die man zum durchspielen braucht , total aus der Luft gegriffen ist. Seid Ihr zu Fuss durch die Missionen gelaufen?
Ich finde es schade, weil Mafia 2 das Potential hatte ein GTA Killer zu werden, für mich zumindest, da das Setting einfach der Hammer ist. Wo gibt es ein gutes Mafia- Spiel?