TEST
Nail'd
Pure auf Speed
Entwickler Techland ist in letzter Zeit eher für rauchende Colts als für qualmende Auspuffrohre bekannt. Trotzdem haben die polnischen Macher der Wild-West-Shooter-Reihe »Call of Juarez« nun mit »Nail’d« einen waschechten Arcaderacer zusammengeschraubt. Anstatt auf Pferderücken über die Prärie zu galoppieren, jagen hier bis zu zwölf Wahnsinnige im Affenzahn auf Quad oder MTX-Motorrad über Stock und Stein. Also an die Ziellinie gerollt, den Countdown abgewartet und schon geht’s ab: drei, zwei, eins – Start! Ab diesem Moment macht »Nail’d« deutlich, worum es geht: Geschwindigkeit. Mit der R2-Schulteraste schießt die Maschine beim Ertönen des Signals los wie eine F22 beim Start von einem Flugzeugträger. Sofort hat man den Tunnelblick, Weichzeichner- und Verschwisch-Effekte verstärken den Speedkick zusätzlich. Mit gefühlten 300 Stundenkilometern jagt der Pilot durch die Schluchten der Canyons von Arizona, entlang der Berghänge der Anden, durch Täler in Griechenland und Waldgebiete im Yosemite Nationalpark. Sägewerke, Bauruinen, Heißluftballons und andere Objekte am Wegesrand zieren die Kulissen zusätzlich. Versteckte Abkürzungen und zahlreiche, wählbare Routen überraschen obendrein immer wieder aufs Neue und tragen zum Wiederspielwert der Strecken bei. Klippen, Sprungschanzen und Berghänge lassen einen wie ein Mörser-Geschoss im hohen Bogen durch die Luft schießen. Wer sauber auf allen vier Rädern landet, durch bestimmte Tore rast, einen Handstand auf dem Lenker der Bikes vollführt oder einen anderen Stunt aufs Parkett legt, erhält einen Boost-Bonus. Bei gehaltener Viereck-Taste entlädt sich das mitgeführte Lachgas dann in einem gewaltigen Geschwindigkeitsschub; der Bildschirm wird fast grau, alles verschwimmt. Wahnsinn, fühlt sich fast an wie »Burnout« – nur eben mit verdreckten Offroad-Karren statt blitzblank polierten PS-Boliden. Großartig ebenso, wie das Ganze trotz der detailliert ausgeschmückten Strecken und des hohen Tempos stets flüssig läuft. Schade nur, dass man dafür einen reduzierten Detailgrad bei Vehikeln und Fahrer hinnehmen muss. Perfektionisten dürften sich außerdem der Bilderwiederholrate von durchschnittlich 30 Bildern pro Sekunden stören; den Rest lässt das aber kalt.

Kaum Grund zur Beanstandung geben dagegen die 14 herausfordernden Ligen der »Nail’d«-Meisterschaft. Pro Liga warten sieben Events, die sich auf Renn- und Stunt-Veranstaltungen verteilen. Um eine abzuschließen, muss man mindestens Platz drei auf dem Siegertreppchen belegen. Das Motto der Rennen ist immer dasselbe: Stets geht’s hoch hinaus – um entsprechend tief zu fallen. Speziell durch die krassen Höhenunterschiede will sich »Nail’d« von der Konkurrenz abheben. Funktioniert zwar, wirkt aber auch sehr künstlich. Das Spielgefühl ist fast schon zu stark auf extrem getrimmt und daher Geschmackssache. Wer vorzugsweise mit »Gran Turismo« und »Pure« seine Runden dreht und mit unrealistisch schnellen Rennen wenig anfangen kann, sollte auf jeden Fall erst Probe spielen.
Alle anderen werden die drei Modi Wettkampf, Zeitangriff sowie schnelles Rennen verschlingen – sofern sie hart im Nehmen sind. Denn siegreich ist hier nur derjenige, der die oft verwirrend beschilderten Strecken genau studiert und verinnerlicht. Speziell in den ersten Spielstunden kommt es oft vor, dass man vor einer Schanze zu viel oder zu wenig Gas gibt; dann irgendwo an einer Höhlendecke kleben bleibt oder samt Vehikel in den Abgrund stürzt. Ferner nervt’s, wenn es den eigenen Fahrer mal wieder aus dem Sattel haut, weil er gegen einen unscheinbaren Stein oder andere Hindernisse rast. Problem hier: Bedingt durch das hohe Tempo sind die Objekte oft nicht rechtzeitig auszumachen. Das nagt an der Motivation und macht die Schlammschlacht nur bedingt einsteigerfreundlich. Ausgleichend wirken hier aber die fair verteilten Rücksetzpunkte – nur selten verliert man mehr als ein oder zwei Plätze. Dass das Rücksetzen selbst eine drei- bis vier-sekündige Ladepause nach sich zieht, stößt wiederum sauer auf.

Erfreulicher sind da die Modifizierungsmöglichkeiten der Vehikel. Rennerfolge schalten Teile frei, darunter leistungsstärkere Auspuffrohre und Motoren, bessere Lenker, Stoßdämpfer sowie Räder. Genre-typisch verbessern die neuen Extras Lenkverhalten, Beschleunigung und Booster-Kapazität; die unterschiedlichen Karosserien bestimmen das Flugverhalten. Upgrades, die – im Gegensatz zum Farbanstrich – allesamt bitter nötig sind, um in der Fortgeschrittenen-Liga zu bestehen. Die anspruchsvolle Gegner-KI nämlich verzeiht kaum Fehler. Unter die ersten Plätze kommen? Anfangs noch ein Kinderspiel, später ein gnadenloser Kampf um jede Position.
Klingt also nach einer ziemlich runden Sache, oder? Fast: Der Mehrspieler-Modus für bis zu zwölf Piloten geht zwar richtig ab, das Fehlen eines Splitscreen-Modus für zwei oder mehr Wohnzimmer-Raser drückt gleichwohl auf die Spaßbremse. Auch die Unterschiede zwischen Quad und Bike hätten gerne deutlicher ausfallen können. Außer dass sich die Zweiräder schwammiger steuern, spielt hier die Wahl des Gefährts kaum eine Rolle. Wer ob der genannten Ungereimtheiten ein Auge zudrückt, bekommt mit »Nail’d« jedoch einen rundum gelungenen Arcade-Racer, der richtig Tempo macht.
Ausgabe:
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
PS3 Test Street Fighter X Tekken PS3M sagt:
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Grafik _____________
Schicke Panoramen, hohe Bildrate. Die Fischaugen-Optik muss man mögen |
8 |
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Sound _____________
Dröhnende Motorengeräusche, rockiger Soundtrack – prima |
8 |
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Steuerung __________
Unkompliziert und einfach zu erlernen |
8 |
URTEIL 8.2/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 5 |
| Sound _____________ | 4 |
| Steuerung __________ | 4 |
URTEIL 3.9 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher Deep Silver
Entwickler Techland
Preis ab 43 Euro
Genre Arcaderacing
Spieler 1 - 12
PSN ja
USK-Freigabe ab 12 Jahren
KURZ UND KNAPP __
Schallmauerbrechende Wettfahrten in knietiefem Schlamm.

