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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Need for Speed Shift

Die endgültige Abkehr von alten Tugenden?

Einsteigen, anschnallen, festhalten! »Need for Speed Shift« ist endlich da, der Teil der Serie, der mit alten Regeln bricht. Verfolgungsjagden mit der Polizei? Fehlanzeige! Eine Geschichte, die alles zusammenhält? Nur in Ansätzen. Barbusige Ladys in engen Outfits? Vor jedem Rennen tauchen sie kurz mal auf, das war’s. Kein Wunder, Realismus und Simulation lauten die neuen Schwerpunkte, mit denen der nunmehr dreizehnte Teil der seit 1994 existierenden Serie auf sich aufmerksam machen will.

Lesertester Alessandro Saiko aus Au im Hellertau kann dies nur bestätigen. Er ist einem Aufruf gefolgt und konnte sich in der Redaktion einen Nachmittag lang mit »Shift« vertraut machen. Alessandro ist Racer der ersten Stunde und intimer Kenner vieler steiler Pulsbeschleuniger, angefangen bei »Grand Prix Legends«, über alle »Need for Speed«-Teile bis hin zu »Motorstorm«. »Absolut authentisch und akkurat umgesetzte Cockpits. Ich habe eine famose Perspektive aufs Renngeschehen direkt hinter dem Lenkrad. Und die Authentizität kann ich anhand meines Ford Focus bestätigen«, schwärmt Alessandro. In der Tat will dieses »Need for Speed« aus der Cockpit-Perspektive gespielt werden, da wirkt das Ganze intensiv wie nur selten was. Man fühlt sich mittendrin, und zwar von Anfang an. So auch in der Startsequenz, wo man praktisch ohne andere Optionen hinters Lenkrad eines BMW M3 geklemmt wird. Die Strecke Brands Hatch will gebändigt werden, denn man braucht Geld, um in der Karriere abzukassieren, neue PS-Schleudern zu kaufen, um in härteren, später über die gesamte Weltkarte verteilten Rennligen zu bestehen. Offen wie einst ist diese Welt allerdings nicht. Alles läuft ganz klassisch ab – Kurs um Kurs.
Essentieller Bestandteil der Erfahrung: das Piloten-Profil. Es merkt sich alle Manöver des waghalsigen Fahrers, belohnt sie mit Punkten, Sternen und Pokalen. Zehn Kurven im Drift nehmen, vier Piloten per Heckstubser von der Piste schießen, so holt man sich die Sterne. Die Folge: Nach und nach werden neue Tuningteile verfügbar. Und natürlich frische Events, zum Beispiel Driftwettbewerbe oder Ausscheidungsrennen. »Ein sehr motivierender Karrieremodus. Dieses Ordens- und Sternesystem, dazu das Tuning von Fahrzeugen aus der Garage mittels gewonnener Preisgelder. Passt! Außerdem begeistert mich die reichhaltige Auswahl akkurat modellierter, fahrbarer Untersätze aus allen möglichen Kategorien. Muscle Cars, Oldtimer, Tourenwagen. Toll!«, findet Alessandro. In der Tat: Allein dieser simple Motivationstrick mit dem Piloten-Profil streichelt einem die Seele. Anfänglich nur durch ein simples Radkreuz symbolisiert, legt das Profil mit jedem Sieg an Pracht zu. Blätter und Zierrat kommen hinzu, und wenn dann irgendwann Eichenlaub und goldene Intarsien im Licht schimmern, macht das einen schon stolz. Wer das Ganze perfekt durchspielen will, kann sich außerdem auf jedem Kurs weitere Orden für perfekt gemeisterte Manöver holen; etwa indem man ein Rennen ohne jeglichen Blechkontakt abschließt oder niemals mit einem der Räder den Asphalt verlässt. Um welche Belohnung man an welchen Stellen auf dem Kurs kämpfen kann, das verdeutlichen kleine Symbole auf der Streckenkarte links unten im Bild. Unfassbar, wie sehr diese Kleinigkeit den Sammeltrieb anheizt. Umso mehr, weil sich die Rennen stets wiederholen lassen. Dass man dann aber gewisse Punkte und Prämien nicht mehr abstauben darf, scheint in dem Zusammenhang sinnvoll.
Startprobleme
Es fällt nicht leicht, »Shift« anfangs einzuordnen: kein Geschwindigkeitsrausch, keine Überraschungen. Und man ist verblüfft ob der schwankenden Grafikqualität. Die Autos sind durchweg der Reißer. Akkurat, schön, begehrenswert. Gleiches lässt sich auch von jenen Kulissen sagen, die das Auge mit anbetungswürdigen Details anschmachten. Ein paar Strecken wiederum geben sich so karg und fad, dass man sich bald die Zielflagge herbei wünscht. Schade. Ändert aber nichts daran, dass das Ganze dann schließlich doch zündet.

Zur Steuerung: Die gibt sich erwartungsgemäß anspruchsvoll. Wer komplett auf Fahrhilfen verzichtet, wird ein ausbrechendes Heck nur mit Mühe wieder einfangen können. Ähnliches gilt, wenn die linke oder die rechte Fahrzeugseite seitlich in sandiges oder abschüssiges Gelände gerät. Gerade in engen Kehren gleicht die Gas-Dosierung der Arbeit eines Chirurgen. Extrem feinfühlig. Auch Genre-Kenner sollten daher erwägen, ob sie – »Need for Speed« hin, Spaßfaktor her – über ihren Schatten springen und ernsthaft Fahrhilfen aktivieren. In der Redaktion hat sich das Fahren mit der Beschleunigungshilfe als empfehlenswert herausgestellt. Die unsensiblen und deutlich zu frühen Eingriffe des Bremsassistenten hingegen stören. Sie stehen der Bremstechnik des Sich-Abstützen-am-Heck-des-Vorausfahrenden im Weg, verhindern die Chance zu spektakulären Marathon-Drifts. Daher weg damit. Apropos Driften: Bei den speziell darauf ausgelegten Wettbewerben hat uns die Steuerung nicht vollends überzeugt. Teils lässt sich die rauchende Quertreiberei irre gut und einfühlsam handhaben, aber einige Fahrzeuge zacken schon nach leichtem Antreten der Handbremse aus wie ein geschlagenes Muli. Unfahrbar. Außerdem wäre eine noch ausgewogenere Balance der vier Schwierigkeitsgrade wünschenswert. Die Computergegner scheinen in ihren Fähigkeiten zu unstetig. Was sie an Können ab Klasse zwei zulegen, verlieren sie in Klasse vier wieder. Ein paar Rennen nahe dem Finale liegen einem die Siegerpokale fast schon zu Füßen.
Rausch der Geschwindigkeit
Nun, der Kick ergibt sich ohnehin eher aus dem Adrenalin, dem Tempo, dem Vollgasrausch. Gas durchdrücken, voll beschleunigen auf der lange Gerade, das geht ins Blut. Konturen verschwimmen, das Cockpit verzerrt. Starker Effekt. Der Rausch der Geschwindigkeit geht dir unter die Haut, ist spürbar wie selten. Beim Aufprall dunkelt das Bild ins Schwarze ab. Einen Wimpernschlag lang Totenstille, keuchen und stöhnen. Dann kehrt die Farbe zurück und Konturen gewinnen an Schärfe. Du hörst ein Herz pochen, bemerkst die verbogene Motorhaube. Das kommt derart packend und realitätsnah rüber, dass man spontan durchatmet. Und zwar immer wieder, weil sich die Karriere herrlich auffächert. Man hat mehr und mehr die Wahl zwischen vielen verschiedenen Herausforderungen. »Hier mal ein Rennen gegen die Uhr, da mal eine Beschränkung aller Teilnehmer auf dasselbe Fahrzeugmodell. Ziemlich viele verschiedene Events«, findet auch Lesertester Alessandro.

Ja, die Ausstattung ist typisch »Need for Speed«. Satte 60 wundervolle Sportautos mit voller Lizenz. Spätestens, wenn der große, böse Lamborghini Reventon vor dir steht – flach, mattschwarz, der Stealthfighter unter den Supersportwagen – spätestens dann ist´s um dich geschehen. Und 19 Strecken? Klingt nach wenig, fühlt sich aber nach ausreichend an. Weil nämlich jede Strecke in etlichen Varianten existiert. Einige entstammen der wahren Welt, andere sind der Fantasie entsprungen. Silverstone und Spa versus Alpental-Geschlängel und Highspeed-Hatz mitten durch Tokio und London. Besonders hoch anrechnen muss man EA die Integration der Nordschleife, der so genannten »Grünen Hölle«. Ein Asphaltband von 20,8 Kilometern Länge und 73 Kurven. Eine tolle Herausforderung, die dennoch niemand überfordert. Denn erst nach einem Drittel des Spieles macht einen »Need for Speed Shift« mit eher kurzen Etappen dieser Eifel-Schleife bekannt. Marathonrennen mit kompletten, jeweils etwa acht bis zwölf Minuten umfassenden Umrundungen werden einem erst später zugemutet.

Dürfen Serien-Fans also zugreifen? Wenn ihnen die fehlenden Features nicht schon jetzt in der Seele wehtun, dann auf jeden Fall. Und auch wer noch zweifelt, sollte »Shift« eine Chance geben. In vielerlei Hinsicht wird es ihre Rennerfahrung in neue Dimensionen befördern.
Richard Löwenstein/sö
Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken
PS3M sagt:
Grafik _____________

Prima, zuweilen jedoch mit Schwächen

8
Sound _____________

Frisst sich in deine Gehörgänge, garantiert!

8
Steuerung __________

Bis aufs schwammige Driften hervorragend

8

URTEIL 8.3/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 8
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.2 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Electronic Arts

Preis ab 60 Euro

Genre Rennsimulation

Spieler 1 - 12

PSN Ja

USK-Freigabe ab 6 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Rennsportsimulation, die ein wenig die alten NFS-Teile vermissen lässt

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