TEST
Need for Speed: The Run
Neuwagen oder Schrottplatzkarre?
Bleifuß in den USA? Wohl eher eine holprige Fahrt
Ein Porsche 911 hängt an einem Verladekran direkt über einer Schrottpresse. Mittendrin: „Held“ Jack Rourke. Kurze Haare, stoppeliger Kinnbart, seine Hände mit Klebeband ans Lenkrad gefesselt. Ein Kerl, so gesichts- und charakterlos, dass selbst saure Milch mehr Charme versprüht. Der Gute hat jedenfalls Probleme. Denn nur zehn Sekunden später liegt er samt Wagen in der Presse. Es dröhnt, es quietscht, Funken sprühen, die Karosserie verformt sich. Die Kamera hält voll auf Jack. Den Tod vor Augen, hämmerst du nacheinander auf die angezeigten Tasten: Kreuz, Viereck, Dreieck. Mit schier übermenschlicher Kraft zerreißt der Todgeweihte die scheinbar porösen Klebefesseln und windet sich aus der Hydraulikpresse. Dann: ein Sprint gefolgt von einem Sprung in einen Audi A8. Gas geben. Du preschst vorbei an Autowracks, Bergen von Schrottwagen, Lenkstangen und Autoreifen, durchbrichst Absperrungen. Plötzlich kleben dir zwei Geländewagen am Heck, aus denen irgendwelche Typen das Feuer eröffnen. Kugeln durchlöchern den Kofferraum, durchsieben die Beifahrertür und die Motorhaube… Klingt wie eine Szene aus „Stirb langsam“? Stimmt, ist aber das neue „Need for Speed: The Run“. Und damit der Versuch, die Serie mit frischen Ideen zu betanken, den verstaubten Lack aufzupolieren und dem Ganzen einen cineastisches Flair zu verleihen. Ein ehrenwerter Versuch, der aber leider nur ein Versuch bleibt…

Kratzer im Lack
Als „The Run“ angekündigt wurde, waren die Hoffnungen groß. Ein neues „Need for Speed“ mit mutigem Konzept: Um ein illegales Rennen quer durch die USA soll's gehen. 3.000 Kilometer von San Francisco nach New York. Das alles gespickt mit Polizei-Verfolgungsjagden, Aufholmarathons nach Unfällen und Katastrophen sowie verpackt in eine spannende Story. Sprich ein Game in Manier von grandiosen Kultfilmen wie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ oder „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Aber auch eines nach dem Vorbild moderner, illegaler Straßenrennen wie sie „Cannonball“ und „Gumball 3000“ darstellen. Letztlich ist alles dann doch nur mäßig spektakulär: Jack hat es sich mit einer kriminellen Organisation verscherzt – schuldet ihr eine Menge Geld. Statt mit dem Leben zu bezahlen, würde er seine finanziellen Rückstände aber lieber in barer Münze begleichen. Die einzige Chance dazu: „The Run“. Ein nicht genehmigtes Straßenrennen, an dem er mit finanzieller Unterstützung der hübschen und geldgeilen Sam Harper teilnimmt. Soviel zum Thema vielschichtige Story. Wo Jack herkommt, bleibt dabei genauso im Dunkeln, wie die Natur der ominösen Verbrecherbande, die ihm ans Chrom will. Nur alle paar Rennen wird in den sechs Spielstunden kurz ein Gespräch zwischen Jack und Sam eingestreut. Oder eine Art Zwischensequenz, die Jack außerhalb seines Vehikels zeigt, wo er dann besagtes Quicktime-Tastengehämmer überstehen muss. Letztlich dient all das nur dazu, um ansatzweise zu erklären, warum der Spieler eigentlich die ganze Zeit durch die Staaten kurvt. Kein Witz, keine Hintergründe, keine Figuren, die einem im Gedächtnis bleiben. Hier wurde viel Potenzial verschenkt! Erst auf der Straße zeigt „The Run“ Qualitäten: jedoch auch hier nur in wenig mutiger Manier. Denn die 3.000 Kilometer Strecke von West nach Ost werden nicht an einem Stück oder größeren Abschnitten abgefahren. Stattdessen serviert Entwickler Black Box zehn Etappen, die wiederum in einzelne, rund acht Minuten lange Rennen gegliedert sind. Bei voller Fahrt geht's etwa mit einem Ford Mustang RTR über die hügeligen Straßen San Franciscos. Du trittst so brutal aufs Gas, dass der Wagen geradezu die Straße entlang fliegt. Beim harten Aufsetzten kracht und scheppert es, Funken stäuben. Das Geschwindigkeitsgefühl: toll! Bei 180 Kilometern pro Stunde beginnt die Welt zu verschwimmen, scheint an dir vorbeizufliegen. Dass die Boliden solche Geschwindigkeiten im Nu erreichen, wirkt unrealistisch, passt aber zum Szenario. Trotzdem fühlt man sich nicht gar so durch die Welt katapultiert wie in „Hot Pursuit“. Ist aber verschmerzbar.
Dann plötzlich! In die Spielwelt projizierte Pfeile zeigen eine Rechtskurve an. Handbremse anziehen, Wagen nach rechts lenken. Es quietscht, die Reifen fauchen, das Heck schert aus, der Drift wird lang, weit und wenig lackschonend. Die Bremse reagiert extrem sensibel. Nicht selten zwirbelt’s den eigenen Flitzer von der Strecke. Hinzu kommt: Wenn man von ihr auch nur wenige Meter abweicht, wird der Bolide automatisch zurückgesetzt. Ziemlich nervtötend! Oft ist's sogar völlig unverständlich, warum einem das Game abrupt die Kontrolle entzieht. In den Abgrund gefahren? Dann macht ein Rücksetzen Sinn. Aber Leitplanke zerschossen, Wagen zerdellt und knapp am Abgrund vorbeigeschrammt und mit einem Rad schon wieder auf der Straße – Zack, ebenfalls zurückgesetzt. Nur wieso? Würde der PS-Protz wenigstens sofort wieder auf der Straße stehen, wäre dieses Manko zu verschmerzen. Aber nein, einen Fahrfehler begangen, schon wabert ein Rückspulsymbol auf schwarzem Grund – und das meist für mehrere Sekunden. Erst dann klemmst du wieder hinter dem Steuer. Das bremst aus, frustriert und hemmt den Spielfluss enorm. Vor allem ab der sechsten Etappe und auf den vielen, kurvigen Straßen, wo das im Minutentakt passiert. Mal schmetterst du gegen einen Minivan, schlitterst auf eisigen Straßen gegen eine Mauer, fliegst bei 220 Stundenkilometern einfach aus der Kurve oder saust über eine Kuppe in die Schlucht. Gefolgt von Wartepausen noch und nöcher. Traurig!

Schlecht gelöst
Dabei bietet „The Run“ durchaus großartige Momente: Die Reifen drehen durch, der gelbe Ford Mustang Boss 302 schleudert sein Heck so wuchtig in die Kurve, wie eine Raststättenserviererin ihren opulenten Hintern. Qualm presst sich aus den hinteren Radkästen, der Motor jault bei Druck auf die L2-Schultertaste auf wie eine auf den Schwanz getretene Katze. Die schiere Macht des 69er V8 mit 290 PS wird spürbar, hämmert mit erbarmungsloser Macht gegen das Trommelfell und wuchtet das 1,7-Tonnen-Gefährt nach vorne. Einen Sekundenbruchteil später katapultiert ein Polizeiwagen mit stroboskopartig flackerndem Blaulicht in die Kurve – ein Ford Taurus Police Interceptor. Ohne Erfolg. Ungebremst prescht er in die Leitplanke, verfehlt den Mustang nur um wenige Zentimeter – der bei Druck auf die Kreis-Taste mit angezogener Handbremse schon elegant durch die nächste Serpentine des Red Mountain Pass schlittert. Ein wunderschöner Gebirgspass in Colorado, gesäumt mit Laub- und Nadelbäumen und saftig grünen Hangwiesen. Wolken und Nebel umgeben die Berge mit einem mystischen Schleier. Herrlich! Doch auch diese Momente werden schnell zunichte gemacht. Statt nämlich in den einzelnen Rennen als Erster oder Zweiter durchs Ziel – in der Regel signalisiert durch Rauchfahnen am Ende der schlauchigen Strecken – zu fahren, muss man stets Erster sein: also Wagen überholen, die einem weit voraus sind und dann die erste Position halten. Oder: Zeit gutmachen. Sprich Checkpoints durchfahren, bevor eine Stoppuhr herunter gezählt hat. Dabei ist es egal, wie knapp oder gut die Aufgabe erledigt wird. Denn vor Beginn des nächsten Rennens schrottet Jack in einer Zwischensequenz meist seinen Wagen oder wird ausgebremst. Kurz: Irgendetwas passiert, das erklären soll, warum die eigene Anstrengung, also das vorangegangene „meilenweit vor allen anderen durchs Ziel rauschen“, eigentlich sinnlos war. Damit ignoriert das Game das Können des Spielers. Richtige Begeisterung bleibt gnadenlos auf der Strecke. Da helfen auch die Verfolgungsjagden mit der Polizei nichts, die fast ständig am eigenen Nummernschild klebt und nichts von physikalischen Gesetzen zu halten scheint.
Die Jungs preschen vorbei, setzen sich vor den Spielerwagen und bremsen im Sekundenbruchteil von 230 Kilometern pro Stunde auf Null. Obendrein sind die KI-Cops dumm wie eine Ölwanne. An einen Baum gerast, versucht die Polizei diesen beispielsweise mit stoischer Gewalt umzufahren. Rückwärtsgang? Wird ignoriert. Richtige Katz- und Mausspielchen sind da unmöglich. Dazu gesellt sich als Nervfaktor ein sinnbefreites Erfahrungspunkte-System. Für jedes Rennen kassiert Jack Erfahrungspunkte, die rollenspielgleich höhere Level freischalten. Mit denen gibt's festgeschriebene „Fähigkeiten“ wie Nitro, das den Wagen Jet-artig beschleunigt. Oder plötzlich erkennt Jack, dass so etwas wie Windschatten existiert oder entwickelt eine Technik, aus Drifts Nitro-Gas zu generieren. Erklärungen dazu bei Spielbeginn? Fehlanzeige. Auch, wieso der Spieler nur an Tankstellen mitten im Rennen den Wagen wechseln kann, bleibt ein Geheimnis. Dabei wäre vor allem dafür eine praktischere Lösung gut gewesen. Denn wer mit einem brutal ausbrechenden Muscle-Car wie einem Dodge oder Mustang einen kurvigen Bergpass bezwingen will, ist nahezu aufgeschmissen. Fahrzeugwechsel bei Renn-Neustart? Ist nicht drin.

Eine Enttäuschung auf ganzer Linie?
Überlackieren hilft da nicht viel. „The Run“ ist das schlechteste „Need for Speed“ seit Jahren. Dabei bietet das Game viele interessante Ansätze: das Quer-durch-die-USA-Szenario fasziniert, einzelne Rennen können tatsächlich begeistern und eingestreute, epische Momente wie Schnee- und Gerölllawinen, Sprünge über Brücken und Helikopterangriffe entlocken schon mal ein „Wow!“. Auch einige Strecken wie die Northshore Road, das Death Valley und Longhill könnten fast dem großartigen „Forza Motorsport 4“ entsprungen sein. Vor allem die Gegensätzlichkeit der Kulissen ist gelungen: Schnee, Einöde, Farmland, Großstadt und Highway – das würde man sich für alle Rennspiele wünschen. Der krachige Motorensound, die treibende und auf die Querfeldeinfahrten und Verfolgungsjagden abgestimmte Techno-, Pop- und Country-Musik überzeugen und machen tatsächlich Lust auf Raserei. Diese Dinge sind neben dem Freischalten von neuen Fahrzeugen jedoch so ziemlich die einzige Motivation, sich überhaupt hinters Steuer zu klemmen. Damit ist „The Run“ also kein Totalschaden. Doch stottert der Motor, der Wagen verliert Öl und rostet an so ziemlich jedem Ende. Wäre „Hot Pursuit“ von 2010 ein fabrikneuer Ferrari 599 GTO würde „The Run“ gerade Mal als getunter Mazda RX-8 Super-Proll durchgehen. Er macht viel Krach, protzt und prahlt, lässt aber keine Emotionen aufkommen. Bleibt zu hoffen, dass Entwickler Black Box dennoch nicht gänzlich vom Gas geht und das Von-Küste-zu-Küste-Rennen-Konzept noch mal mit mehr Kreativität, Leidenschaft und Mut angeht. Vielleicht sogar mit Witz und Ironie – und Burt Reynolds in der Hauptrolle.

Kratzer im Lack
Als „The Run“ angekündigt wurde, waren die Hoffnungen groß. Ein neues „Need for Speed“ mit mutigem Konzept: Um ein illegales Rennen quer durch die USA soll's gehen. 3.000 Kilometer von San Francisco nach New York. Das alles gespickt mit Polizei-Verfolgungsjagden, Aufholmarathons nach Unfällen und Katastrophen sowie verpackt in eine spannende Story. Sprich ein Game in Manier von grandiosen Kultfilmen wie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ oder „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Aber auch eines nach dem Vorbild moderner, illegaler Straßenrennen wie sie „Cannonball“ und „Gumball 3000“ darstellen. Letztlich ist alles dann doch nur mäßig spektakulär: Jack hat es sich mit einer kriminellen Organisation verscherzt – schuldet ihr eine Menge Geld. Statt mit dem Leben zu bezahlen, würde er seine finanziellen Rückstände aber lieber in barer Münze begleichen. Die einzige Chance dazu: „The Run“. Ein nicht genehmigtes Straßenrennen, an dem er mit finanzieller Unterstützung der hübschen und geldgeilen Sam Harper teilnimmt. Soviel zum Thema vielschichtige Story. Wo Jack herkommt, bleibt dabei genauso im Dunkeln, wie die Natur der ominösen Verbrecherbande, die ihm ans Chrom will. Nur alle paar Rennen wird in den sechs Spielstunden kurz ein Gespräch zwischen Jack und Sam eingestreut. Oder eine Art Zwischensequenz, die Jack außerhalb seines Vehikels zeigt, wo er dann besagtes Quicktime-Tastengehämmer überstehen muss. Letztlich dient all das nur dazu, um ansatzweise zu erklären, warum der Spieler eigentlich die ganze Zeit durch die Staaten kurvt. Kein Witz, keine Hintergründe, keine Figuren, die einem im Gedächtnis bleiben. Hier wurde viel Potenzial verschenkt! Erst auf der Straße zeigt „The Run“ Qualitäten: jedoch auch hier nur in wenig mutiger Manier. Denn die 3.000 Kilometer Strecke von West nach Ost werden nicht an einem Stück oder größeren Abschnitten abgefahren. Stattdessen serviert Entwickler Black Box zehn Etappen, die wiederum in einzelne, rund acht Minuten lange Rennen gegliedert sind. Bei voller Fahrt geht's etwa mit einem Ford Mustang RTR über die hügeligen Straßen San Franciscos. Du trittst so brutal aufs Gas, dass der Wagen geradezu die Straße entlang fliegt. Beim harten Aufsetzten kracht und scheppert es, Funken stäuben. Das Geschwindigkeitsgefühl: toll! Bei 180 Kilometern pro Stunde beginnt die Welt zu verschwimmen, scheint an dir vorbeizufliegen. Dass die Boliden solche Geschwindigkeiten im Nu erreichen, wirkt unrealistisch, passt aber zum Szenario. Trotzdem fühlt man sich nicht gar so durch die Welt katapultiert wie in „Hot Pursuit“. Ist aber verschmerzbar.
Dann plötzlich! In die Spielwelt projizierte Pfeile zeigen eine Rechtskurve an. Handbremse anziehen, Wagen nach rechts lenken. Es quietscht, die Reifen fauchen, das Heck schert aus, der Drift wird lang, weit und wenig lackschonend. Die Bremse reagiert extrem sensibel. Nicht selten zwirbelt’s den eigenen Flitzer von der Strecke. Hinzu kommt: Wenn man von ihr auch nur wenige Meter abweicht, wird der Bolide automatisch zurückgesetzt. Ziemlich nervtötend! Oft ist's sogar völlig unverständlich, warum einem das Game abrupt die Kontrolle entzieht. In den Abgrund gefahren? Dann macht ein Rücksetzen Sinn. Aber Leitplanke zerschossen, Wagen zerdellt und knapp am Abgrund vorbeigeschrammt und mit einem Rad schon wieder auf der Straße – Zack, ebenfalls zurückgesetzt. Nur wieso? Würde der PS-Protz wenigstens sofort wieder auf der Straße stehen, wäre dieses Manko zu verschmerzen. Aber nein, einen Fahrfehler begangen, schon wabert ein Rückspulsymbol auf schwarzem Grund – und das meist für mehrere Sekunden. Erst dann klemmst du wieder hinter dem Steuer. Das bremst aus, frustriert und hemmt den Spielfluss enorm. Vor allem ab der sechsten Etappe und auf den vielen, kurvigen Straßen, wo das im Minutentakt passiert. Mal schmetterst du gegen einen Minivan, schlitterst auf eisigen Straßen gegen eine Mauer, fliegst bei 220 Stundenkilometern einfach aus der Kurve oder saust über eine Kuppe in die Schlucht. Gefolgt von Wartepausen noch und nöcher. Traurig!

Schlecht gelöst
Dabei bietet „The Run“ durchaus großartige Momente: Die Reifen drehen durch, der gelbe Ford Mustang Boss 302 schleudert sein Heck so wuchtig in die Kurve, wie eine Raststättenserviererin ihren opulenten Hintern. Qualm presst sich aus den hinteren Radkästen, der Motor jault bei Druck auf die L2-Schultertaste auf wie eine auf den Schwanz getretene Katze. Die schiere Macht des 69er V8 mit 290 PS wird spürbar, hämmert mit erbarmungsloser Macht gegen das Trommelfell und wuchtet das 1,7-Tonnen-Gefährt nach vorne. Einen Sekundenbruchteil später katapultiert ein Polizeiwagen mit stroboskopartig flackerndem Blaulicht in die Kurve – ein Ford Taurus Police Interceptor. Ohne Erfolg. Ungebremst prescht er in die Leitplanke, verfehlt den Mustang nur um wenige Zentimeter – der bei Druck auf die Kreis-Taste mit angezogener Handbremse schon elegant durch die nächste Serpentine des Red Mountain Pass schlittert. Ein wunderschöner Gebirgspass in Colorado, gesäumt mit Laub- und Nadelbäumen und saftig grünen Hangwiesen. Wolken und Nebel umgeben die Berge mit einem mystischen Schleier. Herrlich! Doch auch diese Momente werden schnell zunichte gemacht. Statt nämlich in den einzelnen Rennen als Erster oder Zweiter durchs Ziel – in der Regel signalisiert durch Rauchfahnen am Ende der schlauchigen Strecken – zu fahren, muss man stets Erster sein: also Wagen überholen, die einem weit voraus sind und dann die erste Position halten. Oder: Zeit gutmachen. Sprich Checkpoints durchfahren, bevor eine Stoppuhr herunter gezählt hat. Dabei ist es egal, wie knapp oder gut die Aufgabe erledigt wird. Denn vor Beginn des nächsten Rennens schrottet Jack in einer Zwischensequenz meist seinen Wagen oder wird ausgebremst. Kurz: Irgendetwas passiert, das erklären soll, warum die eigene Anstrengung, also das vorangegangene „meilenweit vor allen anderen durchs Ziel rauschen“, eigentlich sinnlos war. Damit ignoriert das Game das Können des Spielers. Richtige Begeisterung bleibt gnadenlos auf der Strecke. Da helfen auch die Verfolgungsjagden mit der Polizei nichts, die fast ständig am eigenen Nummernschild klebt und nichts von physikalischen Gesetzen zu halten scheint.
Die Jungs preschen vorbei, setzen sich vor den Spielerwagen und bremsen im Sekundenbruchteil von 230 Kilometern pro Stunde auf Null. Obendrein sind die KI-Cops dumm wie eine Ölwanne. An einen Baum gerast, versucht die Polizei diesen beispielsweise mit stoischer Gewalt umzufahren. Rückwärtsgang? Wird ignoriert. Richtige Katz- und Mausspielchen sind da unmöglich. Dazu gesellt sich als Nervfaktor ein sinnbefreites Erfahrungspunkte-System. Für jedes Rennen kassiert Jack Erfahrungspunkte, die rollenspielgleich höhere Level freischalten. Mit denen gibt's festgeschriebene „Fähigkeiten“ wie Nitro, das den Wagen Jet-artig beschleunigt. Oder plötzlich erkennt Jack, dass so etwas wie Windschatten existiert oder entwickelt eine Technik, aus Drifts Nitro-Gas zu generieren. Erklärungen dazu bei Spielbeginn? Fehlanzeige. Auch, wieso der Spieler nur an Tankstellen mitten im Rennen den Wagen wechseln kann, bleibt ein Geheimnis. Dabei wäre vor allem dafür eine praktischere Lösung gut gewesen. Denn wer mit einem brutal ausbrechenden Muscle-Car wie einem Dodge oder Mustang einen kurvigen Bergpass bezwingen will, ist nahezu aufgeschmissen. Fahrzeugwechsel bei Renn-Neustart? Ist nicht drin.

Eine Enttäuschung auf ganzer Linie?
Überlackieren hilft da nicht viel. „The Run“ ist das schlechteste „Need for Speed“ seit Jahren. Dabei bietet das Game viele interessante Ansätze: das Quer-durch-die-USA-Szenario fasziniert, einzelne Rennen können tatsächlich begeistern und eingestreute, epische Momente wie Schnee- und Gerölllawinen, Sprünge über Brücken und Helikopterangriffe entlocken schon mal ein „Wow!“. Auch einige Strecken wie die Northshore Road, das Death Valley und Longhill könnten fast dem großartigen „Forza Motorsport 4“ entsprungen sein. Vor allem die Gegensätzlichkeit der Kulissen ist gelungen: Schnee, Einöde, Farmland, Großstadt und Highway – das würde man sich für alle Rennspiele wünschen. Der krachige Motorensound, die treibende und auf die Querfeldeinfahrten und Verfolgungsjagden abgestimmte Techno-, Pop- und Country-Musik überzeugen und machen tatsächlich Lust auf Raserei. Diese Dinge sind neben dem Freischalten von neuen Fahrzeugen jedoch so ziemlich die einzige Motivation, sich überhaupt hinters Steuer zu klemmen. Damit ist „The Run“ also kein Totalschaden. Doch stottert der Motor, der Wagen verliert Öl und rostet an so ziemlich jedem Ende. Wäre „Hot Pursuit“ von 2010 ein fabrikneuer Ferrari 599 GTO würde „The Run“ gerade Mal als getunter Mazda RX-8 Super-Proll durchgehen. Er macht viel Krach, protzt und prahlt, lässt aber keine Emotionen aufkommen. Bleibt zu hoffen, dass Entwickler Black Box dennoch nicht gänzlich vom Gas geht und das Von-Küste-zu-Küste-Rennen-Konzept noch mal mit mehr Kreativität, Leidenschaft und Mut angeht. Vielleicht sogar mit Witz und Ironie – und Burt Reynolds in der Hauptrolle.
Ausgabe:Januar 2012
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Kingdoms of Amalur Reckoning
PS3 News Golden Eye 007: Reloaded PS3M sagt:
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Grafik _____________
Flüssig und detailreich, aber stellenweise auch ziemlich hässlich |
7 |
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Sound _____________
Harter Motoren-Sound, treibende Musik, heftige Crash-Effekte |
8 |
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Steuerung __________
Handliche Steuerung, könnte aber etwas präziser sein |
7 |
URTEIL 7.2/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 8 |
| Sound _____________ | 8 |
| Steuerung __________ | 7 |
URTEIL 7.3 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher Electronic Arts
Entwickler
Preis ab 55 Euro
Genre Arcade-Rennspiel
Spieler 1 - 16
PSN ja
USK-Freigabe ab 12 Jahren
KURZ UND KNAPP __
Arcade-Renner mit großen Ambitionen - aber zu wenig Mut, sie umzusetzen.


