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Guter Beitrag? 

 

 TEST 

 

Nier

Krank, abgedreht, einfach anders…

Welches Spiel konnte zuletzt eine zweigeschlechtliche Spielfigur vorweisen? Und warum zum Geier sieht die trotzdem so ultra-scharf aus? Fragen, die man sich nur in Japano-Rollenspielen stellen kann. Von denen ist man eine bizarre Handlung ja gewohnt. Fakt ist: Das Action-Rollenspiel »Nier« setzt in puncto Skurrilität neue Maßstäbe. Und das schon bei der Story: Die Menschheit wird von einer Seuche namens Runenpest bedroht – eine Krankheit, die die Körper der Befallenen mit mysteriösen Symbolen überzieht und zum Tode führt. Den Ursprung dieser Seuche vermutet man in den Schatten – aus Schriftzeichen bestehende Monster, die vor den Toren der Städte lauern. Auch Yonah, die kleine Tochter des Helden Nier wird eines Tages von der Runenpest befallen. Verzweifelt macht er sich auf die Suche nach einem Heilmittel und durchstreift dabei endlose Wüsten, weite Steppen, mächtige Burgstädte und alte Tempelanlagen.


Schade, dass die sehr großen Areale allesamt viel zu karg und detailarm geraten sind – hier ein Busch, dort ein Stein. Mehr gibt’s selten zu bestaunen. Gegen die Übermacht der Schatten hilft Nier eine gleichsam übermenschliche Kraft – das Grimoire Weiss. Ganz genau, Nier schleppt einen alten, dicken Wälzer mit sich herum. Aber Obacht! Hätte das sprechende Grimoire Weiss das gehört, ihm wären vor lauter Zorn die Seiten ausgefallen. Denn Weiss sieht sich selbst nicht als einfaches Buch, sondern als Erretter der Menschheit. Die Verse seiner Seiten sollen die Kreaturen der Finsternis verbannen. Zu dumm nur, dass Weiss all seine Sprüche vergessen hat. Dabei ist das Buch ansonsten ein ziemlicher Snob und sich durchaus seiner großen Rolle bewusst. Das führt oft zu herzlich komischen Dialogen, die im Übrigen prächtig, wenn auch nur auf Englisch, vertont sind. Doch Weiss verkörpert nicht den einzigen ungewöhnlichen Charakter im Spiel. Nier trifft auf seiner Reise auf Kaine. Auf den ersten Blick eine verkorkste, aber hübsche junge Lady, deren Outfit mit Babydoll-Kleidchen und einem Strapsstrumpf wie so oft gewöhnungsbedürftig ausfällt. Bis einem schlagartig klar wird, dass Kaine in Wirklichkeit von den Schatten infiziert wurde, ja sogar als waschechter Zwitter daherkommt. Was ist den Entwicklern da bloß durchs Hirn gelaufen? Ebenfalls ein merkwürdiger Reisebegleiter: Nummer 7. Eine, stets in einen weiten Umhang gehüllte Skelettkreatur, die obendrein einen Magierstab mit sich trägt. Echt abgefahrene Truppe also! Und endlich mal was anderes als diese ständigen, androgynen Feenstaub-Charaktere aus normalen Japano-Games.



Auch beim Gameplay trotzt »Nier« dem typischen Rollenspiel-Design. Zwar dürfen die Figuren im Level aufsteigen – was ohne manuelle Punkteverteilung abläuft – und Waffen verbessern, die Echtzeit-Kämpfe erinnern aber eher an typische Hack-and-Slash-Titel. Die Steuerung? Ähnlich wie bei »God of War« und Konsorten, sprich je eine Taste zum Angreifen, Springen, Blocken und Ausweichen. Damit durch Horden von unzähligen Gegnern stürmen, kräftig draufhacken, fertig. Spielt sich leider schnell recht eintönig. Immerhin kann Nier die Zauber aus Grimoire Weiss anwenden, die das Buch nach und nach aus den Buchstaben der getöteten Schatten wieder erlernt. Das sind dann effektreiche Sprüche, die überdimensionale Magiefäuste in Feindesscharen boxen oder wabernde Energiespeere abfeuern. Auch die Gegner überraschen mit Vielfalt. Neben den gefährlichen Schatten stehen flinke Keiler und durchgedrehte Wachroboter auf dem Abschussplan. An die überragende Optik der vielen Bossgegner kommen die jedoch nicht heran. Diese Ungetüme wirken wie eine Mischung aus dem japanischen Zeichentrickfilm »Prinzessin Mononoke« und einer gehörigen Portion Apokalypse: gigantische Echsen zum Beispiel, denen schlotternde Eiterbeulen aus dem Kehlsack wachsen und die mit einer Klaue am Schwanz ganze Häuser durch die Gegend schleudern. Schaurig-schön und eine echte Herausforderung! Im Gegensatz zum Nullachtfuffzehn-Gesocks gehen besagte Riesen nämlich erst in die Knie, wenn man ihre Schwachstelle, angezeigt durch einen Runenkreis, ausreichend bearbeitet. Was dann folgt, sind actionlastige Zwischensequenzen in denen das Ungetüm unter lautem Getöse eine Schlucht hinabstürzt, explodiert oder anderweitig das Zeitliche segnet. Wirklich kolossal. Was hier an Dynamik und Action rüberkommt, fehlt leider an Pepp in den unzähligen Nebenmissionen sowie den rar gestreuten Rätseln. Die meiste Zeit erledigt man Botengänge oder sammelt Pflanzen. Sehr zeitintensiv, wenig aufregend und zusätzlich noch schlecht umgesetzt; denn auf der Umgebungskarte wird immer nur das Ziel der nächsten Hauptmission angezeigt. Echte Kopfnüsse? Fehlanzeige. Dann und wann schiebt man ein paar Kisten umher, um eine höher gelegene Ebene zu erreichen oder Geschosstürme zu blockieren. Das war’s!

So viele abstruse Ideen »Nier« auch mitbringt, unterm Strich ist’s dann doch »nur« ein Actiongame mit Rollenspiel-Elementen, das stellenweise richtig packt, dann aber wieder Langeweile aufkommen lässt. Und das rund 40 bis 50 Stunden am Stück.
Sabine Vogel
Ausgabe:05/10
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KOMMENTARE:

Hulkamaniac1
Sollte man sich holen!
(24.12.10 13:28 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Ansprechend andersartiges Design, insgesamt aber zu altbacken

7
Sound _____________

Fantastische Musik mit Chorgesang, leider nur englische Sprecher

8
Steuerung __________

Leicht zu erlernen und anzuwenden, etwas zu viel Tastengehämmere

7

URTEIL 7.7/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 7
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 8

URTEIL 8.2 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Square Enix

Entwickler Cavia

Preis ab 60 Euro

Genre Action-Rollenspiel

Spieler 1

PSN ja

USK-Freigabe ab 16 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Ein verzweifelter Vater versucht, seine sterbende Tochter zu retten.

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