TEST
PES 2011 vs. FIFA 11
Das Duell der Champions
Irgendwann musste es soweit kommen. Irgendwann würde ein Fußballspiel auf der Playstation 3 aus einer gewissen Distanz so aussehen wie Fußball im Fernsehen. Die Frage ist nur: »FIFA« oder »PES«, wer macht das Rennen? Fanfarenklang bitte, der Sieger lautet in diesem Jahr: »PES«. Denn als in der Testversion von »PES 2011« Poldi, Schweini und Klose auf den Platz stürmen, steht die Redaktion mit offenen Mündern vor dem Bildschirm. Die Gelfrisur von Schweinsteiger, die Kapitänsbinde vom zwei Köpfe kleineren Philipp Lahm – alles besticht mit fantastischen Details und wirkt extrem wirklichkeitsgetreu. Technisch sprintet Konami der Konkurrenz von Electronic Arts jedenfalls knapp davon. Ärgerlich ist vor allem, dass in »FIFA 11« nicht die exzellente Grafiktechnologie der WM-Fassung, sondern eine Eigenentwicklung des Studios aus Vancouver auf den Platz marschiert. Die Folge: Die detaillierten Fans, die sogar in landestypischer Tracht jubelten, bleiben zu Hause, Klonanhänger übernehmen ihren Platz. Ganz anders bei Konami: Wer dank Champions League-Lizenz das Finale im altehrwürdigen Old Trafford Stadion austrägt, wird von den Kommentatoren Wolf Fuss und und Hansi Küpper mit dem Eröffnungsdatum und historischen Begegnungen verwöhnt. Die Atmosphäre-Muffel der letzten Jahre überholen den Großmeister. Das liegt vor allem an kleinen Details – etwa Auswechselspielern, die sich warmlaufen. Oder Trainern, die »Spielt mehr Pressing!«, »Zurückfallen!« oder einfach nur »Macht das Ding rein!« von der Außenlinie brüllen.

Anpfiff: Gameplay, Animationen und KI
Anstoß Konami, die Japaner schieben sich den Ball zu, der Spielmacher lässt die Kulle lässig durch die Beine laufen, dribbelt zwei, drei EA-Verteidiger aus und spielt einen Traumpass auf seinen Sturmpartner. Doch die Kanadier haben aufgepasst, laufen den Stürmer ab, spitzeln ihm im richtigen Moment das Leder vom Fuß und setzen zum Gegenangriff an. Was heißt das im Testderby? In Sachen Gameplay liegen »PES« und »FIFA« gleich auf. Beide Entwicklerteams setzen auf ein neues Passsystem, bei dem der Spieler deutlich mehr Einfluss auf Stärke und Laufrichtung eines Passes nehmen kann. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, in »FIFA« weniger auf die aktuelle Position als die Laufrichtung seines Mitspielers zu achten und in »PES« zusätzlich den neuen Schussstärke-Balken über den Köpfen der Spieler zu nutzen, der wird nach vielen Übungsstunden und nervigen Fehlpässen mit dem präzisesten Passspiel aller Zeiten belohnt. Genau dieses Passsystem hat PS3M im Preview noch kritisch beäugt, nach etlichen Redaktionspartien und durchzockten Nächten fühlt es sich aber besser an, als je zuvor. Gerade bei Abgaben in den Raum, bei denen der Stürmer dann nur noch den Torwart vor sich hat, sind diese fein dosierten Zuspiele um einiges effektiver als die früheren Steilpässe, bei denen der Schlussmann meistens früher am Ball war. Passend zu der neuen Spielmechanik wurde die Standard-Spielgeschwindigkeit leicht gedrosselt, sodass einem mehr Zeit bleibt, um die Laufwege des Mitspielers zu verfolgen und ein Passspiel aufzuziehen. Das ist dir nicht genug? Für wahre Könner gibt es die Möglichkeit per Stickdruck den Star des Teams auf seinen starken linken Fuß anzuspielen – das macht beispielsweise bei Podolski Sinn, weil der mit rechts nichts trifft und daher den Ball ohne großes Annehmen gleich optimal weiterverwerten kann.

Damit auch die anderen Kicker mit dem auf Realismus gebürsteten System mithalten können, haben beide Kontrahenten ihre KI massiv überarbeitet. Stürmer agieren nun viel mehr wie ihre realen Vorbilder, sperren sich vor dem Pass frei, ziehen schon mal am Trikot oder strecken unbemerkt ihre vier Buchstaben raus, um den Gegner zu stoppen. Aber auch die Verteidiger sind keine Kinder von Traurigkeit und nutzen die zusätzlichen Spielmechaniken zu ihrem Vorteil. Sie halten die Stürmer fest, und wenn der Gegenspieler zu enteilen droht, hilft manchmal nur noch ein beherzter Schubser von hinten. Dabei sorgt die künstliche Intelligenz dafür, dass die Defensive sich häufig wiederkehrende Spielsituationen einprägt und dazulernt. Spielt man in einer bestimmten Situation immer wieder einen Doppelpass, wird die KI nach mehreren Partien die Abwehr entsprechend danach ausrichten und anders reagieren als bei den ersten Matches. Ein deutliches Plus an Spieltiefe. All das hat auch die Konami-KI drauf, trumpft aber besonders beim Abspiel in den freien Raum auf. Es ist einfach toll zu sehen, wie die Sportler mitdenken, sich selbst freilaufen oder aktiv zum Torabschluss anbieten. Übrigens: Im EA-Kick darfst du während die Partie läuft erstmals selbst ins Tor, den Keeper per linken Stick positionieren und mit dem rechten in eine der Ecken abtauchen. Um das richtige Timing herauszubekommen, sind die Hilfen nützlich, die unter anderem Geschwindigkeit und Richtung des Balles anzeigen. Spielt sich gut, aber leider darf man nicht aufs Feld wechseln, was bei einer starken Abwehr recht dröge ist.

Halbzeit: Taktikbesprechung
Taktisch gesehen bietet »FIFA« absolut nichts Neues, setzt weiterhin auf die bekannten Spielstile und passt diese lediglich an die Teams und Neuzugänge an. Die Mannschaftsstile funktionieren nach wie vor und sind sehr gut auf die Klubs abgestimmt – die TSG Hoffenheim gilt als Konterspezialist, ergo macht es Sinn, gegen starke Teams eher defensiv zu spielen, dann blitzschnell umzuschalten und mit langen Pässen die schnellen Stürmer wie Demba Ba in Szene zu setzen. Die 26 Stile lassen sich effizient einsetzen, aber etwas Neues wäre wünschenswert gewesen. Aktive Manndeckung lässt sich in beiden Spielen zuteilen. Vorteil »FIFA«: Electronic Arts hält nach wie vor exklusiv die Bundesliga-Lizenz. Das stärkt die Atmosphäre, weil es für einen Münchner, Bremer oder Leverkusener nun mal schöner ist, mit seiner Heimmannschaft die Engländer platt zu machen, als in »PES« ausschließlich mit »Champions League«-Teams wie FC Bayern, Manchester United, Barca oder Arsenal London gegen das Leder zu treten. »PES« bietet außerdem die Lizenz des Copa Libertadores auf, dem wichtigsten Turnier des südamerikanischen Fußballs. Lizenzierte Spieler von São Paulo oder Universidad de Chile werden zwar Lateinamerika-Fan Sönke erfreuen, können aber das Fehlen eines Schalke oder Dortmund nicht ausgleichen. Hier punktet ganz klar »FIFA«, das wieder die jeweils ersten beiden Ligen der Deutschen, Spanier, Engländer, Franzosen, Italiener, Russen, Brasilianer und selbst Nordkoreaner auf das getrimmte Grün schickt.

Die Japaner wissen um ihr großes Lizenzmanko und bieten daher taktische Tiefe vom Feinsten. So stehen nicht nur 26 Mannschaftsstile wie Pressing, auf Abseitsfalle spielen, auf Ballkontrolle setzen oder schnelle Flügelwechsel zur Wahl – nein, du darfst sogar einstellen in welcher Minute die jeweilige Strategie greifen soll. Fußballexperten stellen beispielsweise ein, dass ihr Team bis zur 15. Minute Pressing spielen soll, lassen die Jungs dann ein wenig ausruhen und stellen auf eine ausgewogene Strategie, um vor der Pause noch mal richtig Druck nach vorne zu machen. Klar, schlussendlich sind das Einstellungen, die wirklich nur beinharte Profis interessieren – aber schließlich möchte Konami auch den Veteranen der Serie etwas Neues bieten. Was jeden erfreuen dürfte, ist der runderneuerte Aufstellungsbildschirm. Wie mit einem Mauszeiger legt man den Cursor über einen Spieler und kann ihn beliebig auf dem Spielfeld verschieben. Klappt in der Vogelperspektive tadellos. Weniger gut gelöst sind allerdings die Menüs für manuelle Spielerstärken, die auch die jeweilige Tagesform des Kickers angibt. Gerade die Fitnesswerte sollten natürlich bei der Aufstellung bedacht werden und deshalb direkt im Aufstellungsmenü stehen. Das ist nicht der Fall, stattdessen müssen Strategen sich umständlich durch Untermenüs klicken.
Abpfiff: Edel-Menü und Siegerehrung
Ansonsten haben Konamis Designer aber ganze Arbeit geleistet: Die hässlichen Menüs der 2010er-Version sind Geschichte und werden durch einen sehr stilvollen Hauptbildschirm getauscht, in dem Messi stürmt und sein Körper dynamisch von gelb, rot und goldenen Schweifen umspielt wird. Kurz vor Start einer Partie erscheint ferner der Taktikbildschirm, indem sich die Kapitäne des jeweiligen Vereins gegenüberstehen. Erstklassig. In Sachen Design zieht Konami also mit Electronic Arts gleich – das »„FIFA« «-Design ist gewohnt hochwertig und intuitiv zu bedienen. Hier herrscht mal wieder Gleichstand. Bleibt die Frage aller Fragen: »FIFA« oder »PES«? Konami macht dieses Jahr alles eine Nuance besser als die Konkurrenz: Edlere Grafik mit deutlich mehr Details, superbe KI und ausgefeilter Online-Manager-Modus schlagen Electronic Arts ganz knapp mit 3:2. Da wäre allerdings noch das Thema Lizenzen: Wer auf die Bundesliga nicht verzichten möchte, greift nach wie vor zu »FIFA« und genießt ebenfalls Fußball auf Weltklasse-Niveau.
Ausgabe:
PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
PS3 Test Street Fighter X Tekken PS3M sagt:
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Grafik _____________
PES 2011: Fotorealistische Spielerabbilder, tolle Animationen |
9 |
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Sound _____________
PES 2011: Trainer brüllen, Fans jubeln, tolles Stadionflair |
9 |
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Steuerung __________
PES 2011: Exzellente Ballphysik, grandiose KI |
9 |
URTEIL 9.2 (FIFA: 9.0)/10
Leserwertung:
| Grafik _____________ | 7 |
| Sound _____________ | 8 |
| Steuerung __________ | 8 |
URTEIL 7.8 /10
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AUF EINEN BLICK __
Publisher
Preis ab 55 Euro
Genre Sport
Spieler PES: 1 - 8 / FIFA: 1 - 22
PSN ja
USK-Freigabe ab Jahren
KURZ UND KNAPP __
PES: Extrem viele gute Ideen treffen auf eine neue Online-Meisterliga und das schönste Fußballspiel dieser Generation. // FIFA: Neues »FIFA« mit frischen Ideen, aber wenig Spieltiefe und grafischer Opulenz.


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