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Shadows of the Damned

Dämonenwurst – alles andere ist Käse!

Magst du Erdbeeren? Wunderbar, oder? Diese süßen, kleinen, roten Früchtchen! Aber weißt du auch, woraus sie bestehen und wo sie eigentlich herkommen? Sie zählen nämlich zur Gattung Dämonenobst und bestehen zu 100 Prozent aus gemahlenen, in Form gepressten Zungen. Appetit vergangen? Dann warte erstmal ab, bis du die restlichen Ekel-Anekdoten aus Electronic Arts‘ neuestem Machwerk makaberer Videospiel-Kunst hörst. »Shadows of the Damned« hat davon Hunderte. Aber wen wundert’s schon? Schließlich stammt dieser Third-Person-Action-Titel von einige der abgedrehtesten Entwickler Japans: »Resident Evil«-Schöpfer Shinji Mikami ist Kreativer Leiter, »Killer 7«-Vater Gôichi Suda der Leitende Entwickler und »Silent Hill«-Audio-Guru Akira Yamaoka stiftet den Soundtrack. Und wenn Suda behauptet, die Hölle in »Dante’s Inferno« sei bloß langweiliger Mainstream, dann nimmt er den Mund ausnahmsweise mal gar nicht so voll.



Friss Blei, äh… Knochen!
Die Story ist eigentlich banal, gleichzeitig aber so bescheuert, dass ihr schon wieder Kultstatus gebührt: Garcia Hotspur ist die Ausgeburt eines leibhaftigen Dämonenjägers – und außerdem einer der großkotzigsten Latinos der Games-Geschichte. Als seine Freundin Paula vom sechsäugigen Unterwelt-Boss Fleming in die Hölle verschleppt wird, muss Garcia selbstverständlich hinterher. Schließlich hat er Blondie erst kürzlich aus einer Mülltonne hinter einem Schnäppchenmarkt gefischt und sich sogar ein Liebesbekenntnis auf den Hals tätowieren lassen. Nur gut, dass er seinen treuen Kumpel, den sprechenden Totenschädel und Ex-Dämonen Johnson an seiner Seite weiß. Als ehemaliger Höllenbewohner weiß der nicht nur zu allem etwas Verrücktes zu berichten – zum Beispiel, dass der einäugige Willy brennende Exkremente-Häufchen als Wegpunkte hinterlässt. Nein, er ist obendrein ein Multifunktions-Knochenkopf. Je nach Bedarf verwandelt er sich in eine Licht spendende Fackel, eine heiße Harley oder eine von drei Waffen: den Teether, den Boner oder den Monocussioner – samt Ausbaustufen. Nützliche Helferlein, denn die überall streunenden Dämonen sehen mit einer Ladung Munition im Schädel gleich viel besser aus! Also zackig den guten Johnson in den revolverartigen Boner verwandeln, das Haupt eines gehörnten Dämonen anvisieren, abdrücken und im Idealfall die kurze Zeitlupensequenz genießen, wenn das Geschoss den Kopf direkt zum Zerbersten bringt. Alternativ zielt man auf Arme und Beine, um die Unterweltler erst zu verstümmeln, bevor man ihnen den Rest gibt – da kennt Garcia kein Erbarmen. Ach ja: Geschossen wird übrigens nicht mit normaler Kugelmunition, wo sollte man die in der Hölle auch herkriegen? Stattdessen wird der Boner mit Knochenteilen bestückt, der Monocussioner mit explodierenden Schädeln und der Teether mit Zähnen. Darum steht auch so schön auf einem Werbeplakat geschrieben: »Warum grinst du denn so? – Zähne sind eine Waffe!« Mit diesen ungewöhnlichen Argumentationsverstärkern ausgerüstet, geht’s aus der Verfolgerperspektive durch die – erschreckend deutsch anmutende – Unterwelt. Okay, die Hölle sieht also aus wie Freiburg im 16. Jahrhundert… nur mit seltsamen Leuchtreklamen, Türen mit weinenden Babygesichtern drauf und meckernden Ziegenköpfen an den Wänden. Eben ganz anders als die Standard-Hölle Marke »Dante’s Inferno« – aber trotzdem zum Fürchten. Finstere Dämonen-Jahrmärkte, schillernde Rotlichtviertel mit »echten Mädchen und echtem Blut« und nasskalte Sümpfe prägen ferner das ungewöhnliche Höllenbild.



Richtig schräg wird’s, wenn wirres Latino-Gitarrengezupfe die Luft schwängert und mysteriöse Kinderpuppen augenklimpernd in Bäumen hängen. Wer das verrückte Horror-Gefühl der »Alice«-Reihe kennt, weiß Bescheid. Und dunkel ist es, wie in einem Pavianhintern! Da lernt man jede Lichtquelle umso mehr zu schätzen. Denn ein Übel setzt Garcia in der Unterwelt besonders zu: die Finsternis. Die gallertartige, blubbernde Masse breitet sich dann und wann über ganze Gebietsfetzen aus. Dämonen werden in der Dunkelheit unverwundbar und befragt man einmal die »Johnsonpedia«, erfährt man: »Die Finsternis lässt den menschlichen Körper verfaulen, indem sie das Fleisch abfrisst.« Zwar schaut es ziemlich cool aus, wenn sich Garcias Hirnkasten langsam zu einem Totenschädel mit glühenden Augen verwandelt, dennoch sollte dieser Zustand tunlichst vermieden werden. Also entzündet man die überall verteilten Ziegenköpfe mit einem Lichtschuss und kann dann beruhigt seines Weges ziehen. Sollte einmal kein Huftier in der Nähe sein, tun’s auch Feuerwerkskörper. Ewig brennen diese aber nicht und wenn du gleichzeitig noch eine Schar Finternisdämonen im Nacken weißt, wird die Dunkelheit schnell lästig. In manchen Gebieten, vor allem den höllischen Schnellreisezonen, ist die Finsternis sogar derart dicht, dass kein Licht sie zu erhellen vermag. Also: Augen zu und durch – und vor allem ausreichend Alkohol in der Lederjacke verstauen, regeneriert dieser doch Gracias Lebensbalken im Handumdrehen. Heiltränke? Sind was für Weichteil-Streichler. Sake, Tequila und Absinth lauten die neuen Wellness-Drinks. Wohl bekomm’s!
 
Wo laufen sie denn?
In puncto Steuerung unterscheidet sich »Shadows of the Damned« kaum von anderen Genre-Vertretern: Bewegen mit dem linken Analogstick, Kamera drehen mit dem rechten und über das Steuerkreuz die Waffe wählen – das geht Kennern schnell in Fleisch und Gedärm über. Hakelig wird’s allerdings, wenn viele Gegner gleichzeitig auftauchen; denn was am meisten fehlt, ist eine automatische oder zumindest halbautomatische Zielfunktion. Immerhin bietet die Produktion mit den drei Schwierigkeitsgraden »Limonenjäger«, »Dämonenjäger« und »Legionenjäger« für jeden Höllen-Rowdy etwas. Gut so, schließlich erwartet man in einer Unterwelt, in der Türen mit Dämonen-Schamhaaren blockiert werden, keinen Kindergeburtstag! Ein solcher ist das hier nämlich weder fürs Hirn noch den Finger am Abzug. Dafür sorgen viele verschiedene Dämonentypen, fiese Zwischengegner, die nur mit der richtigen Strategie zu zerlegen sind und etliche skurrile Rätsel. Maskierte Dämonen sind im Gegensatz zu ihren normalen Kumpanen etwa nicht lichtscheu und verfolgen Garcia auch in helle Höllen-Ecken. Besonders harte Brocken stellen die VIP-Dämonen dar, die sich neben ihrer Zähigkeit nur insofern vom Standard-Kroppzeug unterscheiden, dass sie ihre Genitalien behalten durften. Manche Türen lassen sich dagegen nur öffnen, wenn zuvor mit Hilfe der Finsternis ein versteckter Schalter gefunden wurde. Und die Bossgegner? Die toppen sich fast gegenseitig. Hättest du zum Beispiel gewusst, dass der Sensenmann völliger Irrglaube ist? Stattdessen erledigen die drei Sensenschwestern Maras, Kauline und Giltine Grim die lästige Todesarbeit und fürchten nichts mehr, als die Wechseljahre. Und dann gibt es ja noch George den Ziegenbock-Dämonen, der auf einem verwesenden Pferd reitet, welches Finsternis-Erdäpfel furzt. Herrlich, wie diese Zwischenbosse vor Kreativität strotzen.



Und die Video-Sequenzen, mit denen sie eingeführt werden: toll anzusehen! Ja, Monster und Umgebungen mittels »Unreal Engine 3« ins rechte Licht zu rücken, davon verstehen die Japaner was. Bei menschlichen Figuren wie Garcia und Paula nimmt die Qualität hingegen stark ab. Trotzdem eher ein Stil- als ein echter Beinbruch. Garcia lässt das sowieso völlig kalt. Egal wie groß, hässlich oder eklig der Typ ist, der ihm gegenübersteht, er hat immer einen Macho-Spruch auf den Lippen: »Bevor du stirbst, Dämonenabschaum, ritze ich dir meinen Namen ins Fleisch. Der Name lautet Garcia Fucking Hotspur. Dämonenjäger und Killer von Pendejos wie deinesgleichen!« Bis Garcia dem Obermotz Fleming ins hässliche Gurkengesicht spucken kann, dauert‘s rund zwölf Stunden. Die sind so dermaßen angefüllt von Schwarzem Humor, sexistischen Witzen und Trash-Einlagen, dass es zumindest Spielern mit einem Faible für pubertäre und völlig bescheuerte Witze niemals langweilig wird. Ernst nehmen kann man dieses Game übrigens genauso wenig wie den Kult-Streifen »Die Armee der Finsternis« – aber dafür sicherlich ins Herz schließen. Denn abgesehen von den Steuerungsschwächen, leicht altbackener Figurengrafik und der nicht immer ganz stimmigen, deutschen Übersetzung ist das Endprodukt ein echt frivoler Ekel-Horror-Action-Geheimtipp.
Ausgabe:
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Resident Evil: Operation Raccoon City
weiter PS3 Test Street Fighter X Tekken

KOMMENTARE:

Scrappy CoCo
Das Spiel ist nichts besonderes.
Schade allerdings, dass der Sound extrem "geil" ist. Wirklich schade.
(12.08.11 21:36 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Ziemlich alt und matschig, aber Atmosphäre, Effekte und Details stimmen

7
Sound _____________

Abgedrehter Mexican Rock wie aus »Kill Bill«, teuflisch gute Stimmen

9
Steuerung __________

Automatische Zielfunktion wäre hilfreich gewesen, dafür schnell erlernbar

7

URTEIL 8.4/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 4
Sound _____________ 8
Steuerung __________ 5

URTEIL 5.6 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Electronic Arts

Entwickler

Preis ab 60 Euro

Genre Action

Spieler 1

PSN nein

USK-Freigabe ab 18 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Trashig-makaberer Höllentrip in Form eines Horror-Roadmovies – mit den witzigsten Sprüchen seit »Monkey Island«-Schädel Murray.

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