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Uncharted 2: Among Thieves

Starke Helden! Kreischende Frauen! Skrupellose Gangster! Kolossale Bilder!

Wenn sich Spiele so richtig ins Gedächtnis brennen, dann in aller Regel, weil sie durch ganz eigene Merkmale geprägt sind. Im Fall dieses Action-Abenteuers ist es das Gefühl, dass das Ganze von einem Höhepunkt zum nächsten hetzt. Schon der Einstieg saugt dich direkt hinein, weckt den Abenteurer in dir. Ein schwarzer Bildschirm, dann eine finstere Stimme: »Ich habe nicht die Hälfte dessen erzählt, was ich weiß. Denn man hätte mir nicht geglaubt.« Ein Zitat des Weltreisenden Marco Polo aus dem Jahr 1324. Dann Schnitt, Kameraschwenk, ein Bild irgendwo zwischen verschneiten Gipfeln an einem – vorerst – unbekannten Ort. Der Himalaya? Jedenfalls bedeckt Pulverschnee den Boden. Dazwischen das Wrack eines Zuges; ein Wagon baumelt über einer Schlucht; ein Mensch klammert sich an eine Brüstung – los geht‘s! Kurz den Analogstick antippen, hangeln, Kreuz-Taste berühren, Sprung zur Achse des Waggons, von dort weiter zum Fenster; immer wieder regnen Teile herunter; irgend etwas quietscht, der Waggon sackt kurz ab. Elegant geht die Kamera mit, zeigt den Helden von hinten, links, rechts, unten, schwenkt herum und bietet einen guten Blick auf die entscheidenden Situationen. Mit dem rechten Analogstick lässt sich die Perspektive zwar ändern, doch das ist wegen der souveränen Kameraführung kaum nötig, auch nicht im späteren Spielverlauf.
Klettern, abrollen, zielen, schießen, Deckung nutzen, das wird einem im Rahmen dieser ersten Zehn-Minuten-Etappe beigebracht. Aber was hat diesen Mann eigentlich in diese gottverlassene Gegend verschlagen, so verwundet, einsam, in Lebensgefahr? Diese und andere Fragen beantwortet der Spielverlauf. Zunächst dunkelt der Bildschirm ab. Rückblende, vier Monate vorher. Möwen kreischen, Wellen schlagen gegen den Strand, Palmen wiegen sich im Wind. Kurzes Durchschnaufen, Zeit für einen genaueren Blick auf die Heldenfigur. Ein wandelndes Kerl-Klischee. Hätten Indiana Jones und Lara Croft männlichen Nachwuchs, dann sähe er so aus – wie Nathan Drake. Durchtrainiert und Dreitagebart, ein Schürzenjäger und Schatzsucher. Das Schicksal macht Nathan zum Helden einer furiosen Jagd nach uralten Artefakten, ein weiteres Mal nach »Uncharted: Drakes Schicksal«. Am Strandhaus spricht Nathan mit zwei Begleitern über Schatzkarten, geheimnisvolle Inschriften, versteckte Botschaften. »Das Licht des Großen Khan hütet das Schicksal der 13 Schätze«. Was mag damit gemeint sein? Und was hat es mit der »Gruft der 600 Reisenden« auf sich? Nathan macht sich gemeinsam mit seinen zwei Partnern auf die Suche nach Antworten. Hinweise führen ihn von rund um die Welt, Verrat, Intrigen und Nachstellungen eines bösen Buben inbegriffen. Ein Kerl namens Zoran Lazarevic scheint des Rätsels Lösung ebenfalls zu begehren. Und sollten Leichen seinen Weg zum Ziel pflastern, scheint das kein nennenswertes Hindernis zu sein. Ausgangspunkt: Ein Museum in Istanbul; Klettereien über Dächer und Leitern. Schießereien mit Wachen halten sich eher im Hintergrund. In diesen ersten paar von insgesamt 26 Kapiteln wirkt »Uncharted 2« noch wie der Bruder von »Tomb Raider«. Das Museum als Hindernisparcours, den Nathan Drake hüpfend, springend, kletternd überwindet.
Spiel voller Klischees
Da kommen so ziemlich alle Schatzsucher-Klischees zum Einsatz, die das Genre hergibt: Dächer brechen zusammen, ein stabil aussehendes Felsensims zerbröselt unter dem Gewicht des sich daran klammernden Helden. Immer wieder sind schnelle Reaktionen gefragt. Abstürzen kann man selbst bei mutwillig eingeleiteten Selbstmord-Sprüngen nur an wenigen Stellen. Meistens klammert sich Nathan in kritischen Situationen automatisch fest oder weicht einen Schritt zurück. Diese Maßnahme verhindert frustrierende Heldentode und ist dem Spielablauf mehr als zuträglich, wirkt aber in einigen wenigen Momenten fast etwas aufdringlich: dann nämlich, wenn das Spiel ganz offensichtlich eine ganz bestimmte Reaktion vom Spieler erwartet. Erfolgt die nicht, oder möchte man etwas von der vorgesehenen Choreographie Abweichendes tun, dann zickt das Ganze schon mal. Das passiert aber wirklich nur drei- oder viermal während der gesamten Spieldauer und dürfte ohnehin nur sensiblen Betrachtern auffallen. Erbsenzählerei, so gesehen. Und kritikwürdig nur deshalb, weil es sonst einfach wenig zu kritisieren gibt. Auch nicht am Spielablauf. Der verändert sich ständig, schleudert einem ständig neue Herausforderungen entgehen.
Schatzsuche mit Neunmillimeter
Nicht zuletzt lebt »Uncharted 2« von seinen lebendigen Figuren. Immer wieder unterbrechen Kameraschwenks und Dialogszenen die Action, lassen Harry Flynn und Zoran Lazarevic, Victor Sullivan und Elena Fisher zu Wort kommen. Gierig oder gütig, nett oder neidisch: Einige Gut-oder-Böse-Rollen sind von Beginn an klar verteilt, andere Figuren zeigen ihr wahres Gesicht erst im Spielverlauf. Dialog-Einschnitte sind mehr als nur Begleiterscheinung, die Handlung ist schlüssig und nachvollziehbar erzählt. Sogar Nathans Frauengeschichten fügen sich gut ein. Und die Grinse-Garantie gibt‘s obendrauf. Ansagen, Gags und coole Sprüche folgen Schlag auf Schlag und sitzen besser als beim letzten »Indy«-Streifen. Synchro und Eindeutschung sind perfekt.

Dass das Ganze menschelt, liegt nicht zuletzt an Kleinigkeiten. Wenn zum Beispiel Nathan seine KI-Begleiterin Elena per Räuberleiter zu einer Brüstung empor hebt, nur damit die eine oben angebrachte Steigleiter achtlos nach unten fallen lässt – dann stürzt Nathan erschrocken zur Seite und kontert die Aktion mit einem frechen Spruch. Das sind dann so Momente, die einfach authentisch rüber kommen. Da wirkt nichts aufgesetzt, das ist alles harmonisch ins Gameplay integriert. Und der Held? Nicht immer nur hart und kantig, sondern auch mal schwach und verlegen, ein Mann, der seine Unsicherheit mit Sprüchen übertüncht. Letzten Endes mag Nathan Drake keinen so appetitlichen Körper haben wie Lara Croft, aber sein Charakter wächst einem mit jeder Spielstunde mehr und mehr ans Herz.

Letzten Endes ist »Uncharted 2« eines jener Spiele, bei denen man nach einigen Stunden auf die Uhr blickt und kaum glauben mag, dass schon wieder so viel Zeit vergangen sein soll. Die ereignisreiche Verkettung von taktisch angehauchten Schießereien und Lara-Croft-mäßiger Akrobatik fesselt, das Gefüge wirkt nochmal harmonischer und cineastischer, abwechslungsreicher und spannungsgeladener als im ersten »Uncharted«. Und das, nur zur Erinnerung, hat ebenfalls reihenweise Bestwertungen und Auszeichnungen abgeräumt. Das zu toppen, hier noch eine Schippe Spielspaß oben aufzulegen, das ist ein Kunstgriff, zum dem man Naughty Dog nur gratulieren kann.
Richard Löwenstein
Ausgabe:11/2009
weiter PS3 Test Call of Duty Modern Warfare 2
weiter PS3 Test Uncharted 3: Drake's Deception
weiter PS3 Test King of Fighters

KOMMENTARE:

Scrappy CoCo
Def. eines der besten PS3 Spiele, was es momentan auf dem Markt gibt. Eigentlich ein MUSS für jeden Besitzer der PS3 Konsole.
(03.07.11 01:55 Uhr)
PS3M sagt:
Grafik _____________

Animation, Detailreichtum, Abwechslung – perfekt

9
Sound _____________

Unauffällige Musik, top Synchro und Musik

8
Steuerung __________

Handlich, logisch, klappt alles wie von selbst

8

URTEIL 9.3/10

 

Leserwertung:
Grafik _____________ 9
Sound _____________ 9
Steuerung __________ 8

URTEIL 9.4 /10

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AUF EINEN BLICK __

EAN:

Publisher Sony

Entwickler Naughty Dog

Preis ab 65 Euro

Genre Action-Abenteuer

Spieler 1 - 10

PSN Ja

USK-Freigabe ab 16 Jahren

 

KURZ UND KNAPP __

Exklusiv für Playstation 3: Großartige Schatzjäger-Action.

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